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Vom eigenwilligen Umgang mit der Geschichte

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Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust...

Die politisch Verantwortlichen in Gelsenkirchen haben mitunter ein recht eigenwilliges Verständnis vom Umgang mit den geschichtlichen Fakten und der Erinnerungskultur, und dass gilt im gleichen Maße für eine Funktionsträgerin aus der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen. Hier werden in loser Folge exemplarische Beispiele vom eigenwilligen Umgang mit der Stadtgeschichte Gelsenkirchens durch die politisch Verantwortlichen und deren Mitarbeiter dokumentiert.

"Die Verdienste des Instituts für Stadtgeschichte (ISG) sind unbestritten. Die Publikationen der letzten Jahre (Schriftenreihe des ISG) können sich sehen lassen. Man würde sich aber bisweilen wünschen, dass das ISG eine aktivere gesellschaftliche Rolle einnimmt, zum Beispiel Diskussionen anstößt oder den Finger "in die Wunde" legt. Das Institut für Stadtgeschichte (ISG) darf weder zum Anhängsel der Verwaltung noch zum Instrument zur Umsetzung einer vermeintlichen "Deutungshoheit" der Stadtgeschichte werden oder sich in den wissenschaftlichen Elfenbeinturm zurückziehen." (Kommentar von Lars-Oliver Christoph in der WAZ vom 7. Mai 2008)

Umbenennung: Alte Straßenschilder noch nicht entfernt 

14.5.2012. Im November 2010 beschlossen zuständigen politischen Gremien in Gelsenkirchen die Umbenennung des Paul-Schossier-Weg in Josef-Sprenger-Weg und die Anbringung von Erläuterungstafeln neben den Straßennamen mit Bezug zur deutschen Kolonialgeschichte. Bisher wurde der Beschluss jedoch nur teilweise umgesetzt.

→ Zusatzbeschilderung lässt auf sich warten

Namensgeber mit brauner Vergangenheit 

Werden sich die Gertrud-Bäumer-Realschule und das Eduard-Spranger-Berufskolleg in Gelsenkirchen schon bald neue Namen suchen müssen? Manfred Schurich, ehemaliger Lehrer der Gertrud-Bäumer-Realschule hat sich ausgiebig mit den beiden Namensgebern Gelsenkirchener Schulen befasst und ihr Wirken einer kritischen Analyse unterzogen.

→ Namensgeber mit brauner Vergangenheit

Erinnerungsfeier an Bergleute soll nicht stattfinden 

Am Samstag, den 21. August 2010 soll um 14 Uhr am Denkmal auf dem Horster Südfriedhof der Opfer des Ruhrkriegs 1920 gedacht werden. Gelsendienste, ein Unternehmen der Stadt Gelsenkirchen, hat die Gedenkfeier verboten. Die Veranstalter haben den Erlass einer einstweilige Anordnung beantragt.

→ Gelsendienste verbietet Gedenkfeier - politische Willkür?

Ein jüdischer Brauch 

Ein jüdischer Brauch, der sich auf vielen jüdischen Friedhöfen beobachten läßt, ist die Ehrung der Toten durch ein vom den Besuchern der Gräber und Gedenkorte auf den Grabsteinen abgelegtes Steinchen. "Ich habe sie gekannt" ist eine der Interprätationen dieses Brauches.

→ Ein jüdischer Brauch

Schönfärberei oder der Schleier des Vergessens 

Der Text auf der Info-Tafel der Stadt Gelsenkirchen (Stadtteilprogramm Schalke-Nord 2002) steht nicht so ganz im Einklang mit den geschichtlichen Fakten, wirkt irgendwie "geschönt", aber lesen und vergleichen Sie selbst.

→ Die Moses Stern AG

Bernd Haase besucht Gelsenkirchen 

Bernd Haase besucht im Juli 2009 zusammen mit seiner Ehefrau seine Geburtsstadt Gelsenkirchen. Auf Einladung von Bernd trafen wir uns zum gemeinsamen Essen und Gespräch im Gelsenkirchener Hotel Maritim am Stadtgarten.

→ Das Treffen

Entrüstung über Erinnerungsort 

Wir befinden uns im April des Jahres 2009. Die Wogen der kurzzeitigen Entrüstung haben sich schnell geglättet, anscheinend nimmt niemand weiter Anstoß an der "Mölders-Gedenktafel" an der Gesamtschule in Gelsenkirchen-Horst.

→ Erinnerungsort Gesamtschule Gelsenkirchen-Horst

Die Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz 

Von den Nazis als Sammellager zur Vorbereitung der Deportation der Gelsenkirchener Juden gebraucht, im Rahmen der sogenannten Entrümmerung in den Nachkriegsjahren dem Erdboden gleichgemacht, alle Spuren getilgt. Wirklich alle?

→ Ein fast vergessener Erinnerungsort

Den Holocaust verschweigen - ein andere Form der Leugnung? 

Die Polizeibatallione waren in der NS-Zeit aktiv am Völkermord beteiligt. Die Verbrechen der "ganz normalen Männer" werden in einem Artikel in der WAZ Gelsenkirchen-Buer ausgeblendet und ignoriert. Ohne jede Nachrecherche werden Aussagen ungeprüft veröffentlicht.

→ Vom eigenwilligen Umgang der WAZ mit der Geschichte der Polizeibatallione

Volksbank-Chef Werner Cordes tauft Rettungsboot auf den Namen "Gelsenberg"

Am 18. Dezember 1936 gründete die Gelsenkirchener Bergwerks-AG die Gelsenberg Benzin AG in Gelsenkirchen-Horst. Hier wurde ab 1939 durch Kohleverflüssigung Treibstoff, vornehmlich Flugbenzin, hergestellt. Die Gelsenberg Benzin AG wurde für ihre Verdienste um die deutsche Rüstungs- und Kriegsproduktion in den Folgejahren mit dem Titel "Kriegsmusterbetrieb" ausgezeichnet.

Zur Aufrechterhaltung der Produktion waren auch Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in dem Werk eingesetzt, u.a. 2000 ungarische Jüdinnen, die aus dem KZ Auschwitz in das Außenlager des KZ Buchenwald, SS-Arbeitskommando Gelsenkirchen-Horst auf dem Gelände der ehemaligen Gelsenberg Benzin AG deportiert wurden. Bei einem Bombenangriff der Alliierten im September 1944 wurden mehr als 150 ungarische Zwangsarbeiterinnen getötet. Den Frauen und Mädchen jüdischer Herkunft war der Zutritt zu Luftschutzräumen und Splittergräben verboten. Die Gelsenberg Benzin AG und ihre Nachfolgeunternehmen lehnen bis heute jede Verantwortung für den Tod der Frauen ab.

Ungeachtet dieser Fakten hat die DLRG (Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft) im August 2006 ausgerechnet eines ihrer Motorrettungsboote auf den Namen "Gelsenberg" getauft. Die NS-Vergangenheit der Gelsenberg Benzin AG als Namensgeberin blieb dabei aussen vor.

Zitat: Auf dem Wasser, in der Mitte des Hafenbeckens sprach Volksbank-Vorstandssprecher Werner Cordes um 12.15 Uhr die entscheidenden Worte: "Ich taufe Dich auf den Namen Gelsenberg." Damit ist das neue Motorrettungsboot des DLRG-Bezirks Gelsenkirchen in den Dienst gestellt. Von Bord des MRB Grimberg taufte Cordes das neue Boot auf einen Namen, der die Verbundenheit der DLRG zu ihrer Heimatstadt dokumentierten soll." (...)

Quelle: Internetauftritt der Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft LV Westfalen - Bezirk Gelsenkirchen

Bringt endlich Licht in die dunkle, braune Zeit 

Eine Betrachtung der öffentlichen Erinnerungsarbeit der Stadtverwaltung Gelsenkirchen. Ein Gastbeitrag von Johannes Fischer, Gelsenkirchen.

→ 30.000 Euro für die dritte oder vierte Reihe

Massengräber, Lage nicht bekannt

Das Außenlager des KZ Buchenwald auf dem Gelände der ehemaligen Gelsenberg Benzin AG in Gelsenkirchen-Horst wurde kurz nach einem alliierten Bombenangriff, bei dem mehr als 150 ungarische Zwangsarbeiterinnen getötet wurden, aufgelöst. Die Massengräber befinden sich augenscheinlich noch heute dort. Eine entsprechende Anfrage an die BP wurde an das ISG deligiert.

→ Die BP, das ISG, die Gelsenberg Benzin AG und das SS-Arbeitskommando

Die Künstlersiedlung Halfmannshof verweigert Aufarbeitung der NS-Vergangenheit 

Nach anfänglicher Weigerung, eine Notwendigkeit in der Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit zu sehen, hat die Siedlung Halfmannshof dem Druck der Öffentlichkeit nachgegeben und will nun die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Auftrag geben. Die Entscheidung der Halfmannshöfener, nun doch die "Vergangenheit der Künstlersiedlung 1933-1945" aufzuarbeiten, hätte ich mir persönlich "etwas früher" gewünscht.

→ Die Künstlersiedlung Halfmannshof

Provinzposse - Die "vergessene" Gedenktafel und der "Ehrenbürger" Emil Kirdorf

Zum Thema Ehrenbürger in Gelsenkirchen: Wie die politisch Verantwortlichen der Stadt Gelsenkirchen mit dem Thema "Nationalsozialismus" umgehen, konnte man zum 125jährigen Jubiläum der Stadt im Hans-Sachs-Haus sehen. Auf einer öffentlich zugänglichen Tafel mit den Namen der Gelsenkirchener Ehrenbürger ist auf der linken Seite der Ehrenbürger Emil Kirdorf aufgeführt! Wenn ich also richtig rechne: 1875 wurden Gelsenkirchen die Stadtrechte verliehen, dann war 2000 das 125-jährige. Die Ehrenbürgerschaft wurde Kirdorf durch Ratsbeschluß bereits am 8. September 1989 (!) aberkannt. Elf weitere Jahre hat es gedauert, bis die Tafel schließlich entfernt wurde.

Gelsenkirchen verweigert dem "Zug der Erinnerung" in Gelsenkirchen jedwede Unterstützung

Die Stadt sah sich u.a. nicht in der Lage, Gelsenkirchener Schulen über die Austellung "Zug der Erinnerung" in Gelsenkirchen zu informieren. Der "Schirmherr" Oberbürgermeister Baranowski hielt es nicht mal für nötig, bei der Eröffnung zugegen zu sein. Stattdessen schickte er einen "Vertreter". Dieser stimmte dann auch prompt eine Lobeshymne auf die Stadtverwaltung und deren bisher geleistete Erinnerungsarbeit an, die von den Nationalsozialisten deportierten und ermordeten Kinder, die im Mittelpunkt der fahrenden Ausstellung "Zug der Erinnerung" stehen, wurden nur beiläufig erwähnt.

Aus der Rede von Hans Rüdiger Minow, Vorstandssprecher vom Verein "Zug der Erinnerung" anläßlich der Eröffnung der fahrenden Ausstellung "Zug der Erinnerung" am 17.2.2008 in Gelsenkirchen:

... Es schmerzt, dass die Mörder in der Nachkriegszeit frei herumliefen und sich in Gelsenkirchen, wie anderswo, der Sühne entzogen. Diese Täter haben es jahrzehntelang zu verhindern verstanden, dass an die Deportierten angemessen erinnert wird. Sie haben ihre Taten geleugnet und ihre Verantwortung in Abrede gestellt. Ihr Schweigen, in Gelsenkirchen wie anderswo, verhöhnte die Opfer ein weiteres Mal. Das Schweigen grenzte die Überlebenden aus, die Anspruch auf Zuwendung gehabt hätten. Dasselbe Schweigen nahm uns, den Söhnen, Enkeln und Urenkeln der Täter, die Möglichkeit zu trauern. Die gesamte Nachkriegsgeschichte durchzieht in Gelsenkirchen, wie anderswo, das Fortwirken der Täter.

Quelle: "Zug der Erinnerung"

→ WAZ - 97 Leben abtransportiert

Kleiner Dienstweg: Oberbürgermeister Baranowski vermietet Saal an rechte Bürgerbewegung

Ausgerechnet am Tag der Eröffnung der fahrenden Ausstellung "Zug der Erinnerung" in Gelsenkirchen tagte im alten Rittersaal auf Schloss Horst an der Grenze zu Essen-Karnap eine höchst illustre Runde: "pro NRW", die beruechtigte rechtsextreme, einige sagen faschistoide Buergerbewegung, gegruendet mit dem einen Ziel: NRW "asylanten-, sozialschmarotzer-, muslim- und allgemein ausländerfrei" zu machen. Rund 120 Delegierte (nach Zeugenaussagen sollen es jedoch nur rund 70 gewesen sein) hoben in einer Immobilie im Besitz der Stadt Gelsenkirchen ganz offiziell den "Bezirksverband Ruhrgebiet" aus der Taufe und gaben dazu die "Gelsenkirchener Erklaerung" ab. Unter den Gästen war auch der Koelner Rechtsanwalt Markus Beisicht, Kopf von "pro Koeln" und einer der schlimmsten Scharfmacher und politischen Hetzer der Metropole Rhein Ruhr. (...)

Quelle: weltkind, The Ruhr.


Andreas Jordan, April 2010

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