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Ghetto Theresienstadt


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To the Dead

A grave among graves, who can tell it apart,
time has long swept away the dead faces.
Testimonies, so evil and terrible to the heart,
we took with us to these dark rotting places.

Only the night and the howl of the wind
ill sit on the graves' corners,
only a patch of grass, a bitter weed
before May bears some flowers...

Jaroslav Seifert*

Inhaltsübersicht

1. Theresienstadt (heute Terezin)

1.0   → Enstehung des Ghettos Theresienstadt (heute Terezin)
1.1   → Erstes Konzentrationslager auf böhmischem Boden
1.2   → Theresienstadt, Bahnhof Bauschowitz
1.3   → Theresienstadt - Ein Sonderfall in der Geschichte der Shoah

2. Ghetto

2.0   → Konzentrationslager oder Ghetto?
2.1   → Das Ghetto
2.2   → Kinder in Theresienstadt
2.3   → Von der "Lagerkommandantur" zum "Dienststellenleiter"
2.4   → Sammel- und Durchgangslager für die tschechischen Juden
2.5   → "Altersghetto" für ausgesuchte deutsche Juden
2.6   → Vorzeigeghetto
2.7   → Propaganda: Kulturelle Aktivitäten
2.8   → Mehr als 140.000 Insassen
2.9   → Theresienstadt und die "Endlösung der Judenfrage"
2.10 → Befreiung

3. Das Bestattungswesen

3.1   → Religiöse Rituale bei Bestattungen
3.2   → Die Totenkammern
3.3   → Das Krematorium
3.4   → Das Kolumbarium

4. Anhang  

4.0   → Opfer von Theresienstadt
4.1   → Schicksal von Frau Henriette X., eine exemplarische Dokumentation
4.2   → Fotos Theresienstadt
4.3   → Außenlager des KZ Theresienstadt
4.4   → Täter im Ghetto Theresienstadt: Rechenschaft statt Rache
4.6   → Internationale Jugendarbeit - Putenhof Belitz
4.7   → Briefe und Dokumente
4.8   → Literatur und Quellen
4.9   → Video: Bilder aus Theresienstadt

Die Entstehung des Ghettos Theresienstadt (heute Terezin) 

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Das Ghetto Theresienstadt wurde von den Nationalsozialisten im November 1941 in der Garnisonsstadt von Theresienstadt, heute Terezín, eingerichtet. Es war Teil des nationalsozialistischen Systems der Konzentrationslager.

Die Stadt wurde Ende des 18. Jahrhunderts als eine Festungsanlage von Kaiser Joseph II. erbaut. Die Kleine Festung auf der gegenüberliegenden Seite der Eger, wurde schon bald nach ihrer Errichtung als Gefängnis verwendet. Neben zahlreichen Militärgefangenen inhaftierte die kaiserlich und königliche Monarchie hier politische Gefangene, unter anderem den griechischen Freiheitskämpfer Alexander Ypsilantis, ungarische und tschechische Aufständische von 1848 oder auch die Täter des Attentats von Sarajevo (Gavrilo Princip u.a.), die mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand d'Este den ersten Weltkrieg auslösten.

Sie gliederte sich in zwei Teile: die "Garnisonsstadt" und die "Kleine Festung" (Male Pevnost). Nach der Besetzung des zur Tschechoslowakei zählenden Böhmens und Mährens im März 1939 und Bildung des Protektorats Böhmen und Mähren durch das nationalsozialistische Deutschland wurde im Juni 1940 ein Gefängnis der Gestapo in der Kleinen Festung eingerichtet, die Garnisonsstadt machten die Nationalsozialisten im November 1941 zu einem so genannten Ghetto. Es entstand somit in der "Garnisonsstadt" ein Sammel- und Durchgangslager vor allem für die jüdische Bevölkerung Böhmens und Mährens.

Nach der Wannsee-Konferenz wurden seit 1942 in das Lager auch alte oder als prominent geltende Juden aus Deutschland und anderen europäischen Ländern deportiert. In der NS-Propaganda wurde daraufhin Theresienstadt zum "Altersghetto" verklärt und während einer kurzen Phase als angebliche "jüdische Mustersiedlung" verschiedenen ausländischen Besuchern vorgeführt. Das "Theresienstädter Konzentrationslager"" erfüllte also drei Aufgaben: es war Transitlager, es diente der Vernichtung von Menschen und gleichzeitig der Nazi-Propaganda.

Während der Okkupation Böhmens und Mährens durch das Dritte Reich wurde im Juni 1940 in der Kleinen Festung ein Gestapo-Gefängnis eingerichtet. Die Nationalsozialisten nutzten die vorhandene Infrastruktur aus und "perfektionierten" den Ort. Sie bauten ihn zu einem Bestandteil ihres Repressions- und Vernichtungsapparates aus. Das Gefängnis wurde von der Gestapo-Dienststelle in Prag verwaltet. Zu Anfang gab es nur männliche Häftlinge, erst nach dem erfolgreichen Attentat auf Reinhard Heydrich wurde im Juni 1942 eine Frauenabteilung eingerichtet. Zu den bestehenden drei Gefängnishöfen kam 1943 ein vierter hinzu, der für männliche Häftlinge bestimmt war.

Zwischen 1940 und 1945 wurden von den verschiedenen Dienststellen der Gestapo rund 27.000 Männer und 5.000 Frauen an das Gefängnis Theresienstadt überstellt, zunächst mit Inhaftierten aus Prag, dann aus ganz Böhmen und ab 1944 auch aus Mähren. In der Kleinen Festung wurden bis Kriegsende überwiegend Tschechen festgehalten, darunter viele Widerständler gegen das nationalsozialistische Regime. In den letzten Jahren dann auch Bürger der Sowjetunion, aus Polen, Jugoslawien und gegen Kriegsende Gefangene aus den Reihen der Alliierten Armeen.

Von den Insassen kamen etwa 8.000 in anderen Lagern um, in die sie bis zum Ende des Krieges deportiert wurden. 2.500 starben im Lager nach Folter, Krankheiten und aufgrund der Arbeits- und Lebensbedingungen. 250 Insassen wurden in der Festung selbst hingerichtet. Unter den Opfern befindet sich auch eine Gruppe von Juden aus dem Rheinland, die am 4. Oktober 1944 "irrtümlicherweise" in der Kleinen Festung und nicht im "Ghetto" in einem Transport aus Köln ankamen. Dieser Irrtum wurde korrigiert: fast alle wurden ermordet. Kommandant des Gestapo-Gefängnisses war seit dessen Einrichtung SS-Hauptsturmführer Heinrich Jöckel, der die 1. Kompanie des SS-Wachbataillons "Böhmen und Mähren" kommandierte.

Erstes Konzentrationslager auf böhmischem Boden 

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Jan Merell wurde 1943 in Prag verhaftet und in der Kleinen Festung inhaftiert. In dem vom "Rat der jüdischen Gemeinden in Böhmen und Mähren" herausgegebenen Band "Theresienstadt" hat er seine Eindrücke und Erfahrungen unter dem Titel "Wie sie litten und starben" festgehalten. Mit sie meint er die Juden, die in die Kleine Festung kamen. Er selbst war katholischer Priester, der wie tausende andere Tschechen nach Theresienstadt kam, weil er in Opposition zu den Nationalsozialisten stand. Merell hatte als Dozent der Theologischen Fakultät der Prager Karls-Universität auch nach deren Schließung weiter Vorlesungen gehalten. Der Anteil der Juden unter den 2500 Toten der Kleinen Festung war hoch. Nur in den ersten Monaten hatten die Nationalsozialisten in der Garnisonsstadt eine eigene Hinrichtungsstelle geschaffen. Vom Sommer 1942 an wurden alle Hinrichtungen in Theresienstadt in der Kleinen Festung vollstreckt.

"Im Juni 1940 wurde sie (die Kleine Festung)", schreibt Merell in seinem Bericht, "von der Prager Gestapo übernommen, die hier ein Notgefängnis errichtete, um dem Platzmangel im Prager Polizeigefängnis Pankrac abzuhelfen. So wurde die Kleine Festung zum ersten hitlerschen Konzentrationslager auf böhmischem Boden. Bald darauf, im November 1941, kam ein zweites hinzu: die Große Festung, die als Konzentrations-Getto adaptierte Stadt Theresienstadt. Im Getto waren die Juden nicht auf Rosen gebettet, aber wehe denen, die aus irgendeinem Grunde in die Kleine Festung kamen!"

Der Zusammenhang zwischen Kleiner Festung und Ghetto wird besonders deutlich, wo Merell über das Schicksal der Juden berichtet, die direkt in die Kleine Festung kamen oder aber erst in das Ghetto eingeliefert und dann mit dem Vermerk "RU" (Rückkehr unerwünscht) in das Gestapo-Gefängnis überstellt wurden. Merell führt dazu aus: "Juden, die aus dem Getto in die Kleine Festung kamen, waren zur Vernichtung bestimmt, so daß nur wir, die wir mit dem Leben davonkamen, unsere Stimmen erheben können, um Zeugnis abzulegen von ihrem großen Leiden. Die Kleine Festung war eine Durchgangsstation zwischen Untersuchungshaft und Einlieferung in ein KZ, oder in ein Gefängnis, so daß die Häftlinge für gewöhnlich nicht lange dort blieben. Ich aber verbrachte volle vierzehn Monate dort, so daß ich mehr Gelegenheit als die meisten anderen hatte, Zeuge der unmenschlichen Grausamkeiten zu werden, die die Nationalsozialisten an den Häftlingen, besonders aber an den Juden, begingen."

Theresienstadt, Bahnhof Bauschowitz  

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Die Rolle Theresienstadts zwischen 1941 und 1945 hing eng mit den Plänen der Nationalsozialisten zusammen, dass "im Zuge der praktischen Durchführung der Endlösung (der Judenfrage)" - so die Formulierung im Protokoll der Wannsee-Konferenz - "Europa vom Westen nach Osten durchgekämmt" werden sollte. Neben dem Reichsgebiet wurde dabei auf der Wannsee-Konferenz dem "Protektorat Böhmen und Mähren" hohe Priorität zugewiesen.

Im Protektoratsgebiet lebten ungefähr 88.000 Juden. Über ihr Schicksal wurde in Prag im Oktober 1941 entschieden. Am 10. und 17. Oktober dieses Jahres fanden auf dem Prager Hradschin in den Diensträumen des gerade ernannten Stellvertretenden Reichsprotektors Reinhard Heydrich zwei Besprechungen statt, in denen es um die "Lösung der Judenfrage" ging. Neben Heydrich nahmen daran hochrangige Nationalsozialisten teil, darunter SS-Gruppenführer Karl Hermann Frank und der SS-Sturmbannführer Adolf Eichmann. Das Protokoll der Sitzung vom 17. Oktober 1941 hält die kurzfristige und die langfristige Planung im Hinblick auf die Rolle Theresienstadts fest:

"Zunächst wird ein Transport von 5.000 Juden nach Litzmannstadt evakuiert. Ein Teil ist bereits fort. Wenn alle 5.000 fort sind, soll eine kurze Pressenotiz darüber in die Zeitung kommen, aber in geschickter Weise, es muß darin zum Ausdruck kommen, wie schnell die reichsdeutsche Arbeit abrollt. Dann soll eine kurze Pause erfolgen, um die Vorbereitungen zur weiteren Evakuierung, bzw. Gettoisierung nicht zu stören. In der Zwischenzeit werden die Juden aus Böhmen und Mähren in je einem Durchgangslager gesammelt für die Evakuierung. Für diesen Zweck ist von dem Wehrmachtsbevollmächtigten beim Reichsprotektor Theresienstadt von allen Wehrmachtsteilen völlig freigemacht worden. Den dortigen Tschechen ist nahegelegt, anderswohin zu ziehen. Falls der Grund und Boden nicht sowieso schon Reichseigentum ist, wird er von der Zentralstelle für jüdische Auswanderung aufgekauft und damit deutscher Grundbesitz. In Theresienstadt werden bequem 50.000 bis 60.000 Juden untergebracht. Von dort kommen die Juden nach dem Osten."

Ein zweites Lager war im mährischen Kyjov geplant. Dieses Lager wurde jedoch nicht mehr gebraucht, weil die Transporte nach Theresienstadt schneller abliefen als geplant. So konnte schon am 14. April 1942 der Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (SD) das Innenministerium in Prag davon verständigen, dass "unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Errichtung eines zweiten Konzentrationslagers für Juden aus dem Protektorat nicht erwogen werde".

Nach den damaligen Plänen sollte Theresienstadt die Funktion eines Durchgangslagers für die böhmischen und mährischen Juden nur vorübergehend übernehmen. "Nach der völligen Evakuierung der Juden", heißt es in dem Protokoll weiter, "wird Theresienstadt dann entsprechend einem fertigen Plan von Deutschen besiedelt und ein Mittelpunkt deutschen Lebens werden."

Die Entscheidung für Theresienstadt hing eng mit der Lage und dem Charakter des Ortes zusammen. Er lag in unmittelbarer Nähe der Grenzen des Protektorates zum "Reich" und war über den Bahnhof Bauschowitz an der Eger an das Bahnnetz angebunden, so dass der Transport nach Theresienstadt und aus Theresienstadt heraus leicht zu organisieren war.

In der Garnisonsstadt lebten 1941 ca. 3.500 Einwohner. Ebenso viele Soldaten - zu diesem Zeitpunkt Soldaten der deutschen Wehrmacht - waren im Herbst aus den örtlichen Kasernen abgezogen worden. Umgeben ist Theresienstadt von mächtigen, völlig unzerstörten Festungsmauern und der Ort besitzt eine große Zahl von Kasematten und unterirdischen Gängen, so dass die Nationalsozialisten ein Minimum an SS-Leuten brauchten, um die Häftlinge zu bewachen. Sollte es zu einem "Ernstfall" kommen, konnte darüber hinaus die SS-Garnison in der Kleinen Festung eingesetzt werden.

Konzentrationslager oder Ghetto? 

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War die Funktion von Theresienstadt in den Beschlüssen der Nationalsozialisten klar bestimmt als Sammel- und Durchgangslager, so galt das für die Bezeichnung nach außen nicht. Schwankt das Protokoll der Prager Oktoberkonferenzen von 1941 noch zwischen "Sammellager", "Durchgangslager" und "Getto", so setzte sich in den folgenden Jahren schließlich "Getto" bzw. "Ghetto" immer mehr durch. Die damit beabsichtigte Täuschung der Opfer ließ sich auf diese Weise sehr viel leichter vollziehen als mit anderen Bezeichnungen. Dazu kam, dass von jüdischer Seite der Name "Ghetto" oder auch "Judensiedlung" für Theresienstadt aufgegriffen wurde.

So heißt es in einem Papier der Abteilung "G" der Prager Kultusgemeinde, die auf jüdischer Seite im Herbst 1941 Vorschläge für die Organisation in Theresienstadt ausarbeitete und diese dann dem späteren Kommandanten, SS-Obersturmführer Siegfried Seidl, unterbreitete: "Der Ghettoverwaltung obliegt die Betreuung aller Juden im Ghetto. Ihre Aufgaben sind eigener und übertragener Funktion. In eigener Funktion hat sie die innere Organisation durchzuführen, durch Selbstverwaltung die Verwaltung der Siedlung zu handhaben (...)" Und weiter: "Organe der Siedlung sind, a.) Die Leitung (...) b.) Der Ältestenrat (...)"

Das Ghetto 

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Deportationen: Ab Januar 1942 bis Ende Oktober 1944 in die Vernichtungslager im Osten. Etwa 88.000 Menschen wurden nach Maly Trostinec, Treblinka, Bergen-Belsen, Belzec, Sobiór, Majdanek und Auschwitz verschleppt.

Im November 1941 wurde die ursprüngliche tschechische Bevölkerung in der Garnisonsstadt vertrieben und ein so genanntes Ghetto errichtet. Die ersten tschechischen Juden wurden mit dem sogenannten Aufbaukommando aus Prag ins Ghetto verbracht. Dieses hatte die Aufgabe, die Siedlung an die Nutzung als Lager anzupassen und einen "Judenrat" zu schaffen. Die Zahl der hierhin deportierten Juden aus dem Protektorat Böhmen und Mähren wuchs rasch an. Schon im Mai 1942 waren mehr als 28.000 Juden nach Theresienstadt deportiert worden. Im September 1942 waren bereits über 58.000 Menschen auf einem Raum interniert, der zuvor 7.000 Einwohner hatte, davon 30.000 Alte und Kranke, von diesen waren 4.000 invalide und 1.000 blind. Viele besaßen nicht einmal einen eigenen Schlafplatz.

Nachdem die nach Terezin unter der Bezeichnung "Wohnsitzverlegung" verschleppten Juden zunächst in einigen Kasernen untergebracht worden waren, wurde am 27. Juni 1942 die von der nichtjüdischen Bevölkerung vollständig geräumte Stadt - mit Ausnahme einiger Gebäude, die eine zusammenhängende Zone bildeten - der Ghettoverwaltung übergeben. Das Ghetto unterstand dem Zentralamt für die Regelung der Judenfrage in Böhmen und Mähren im RSHA/Amt IV B 4 unter der Leitung von SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann.

Bild: Wiesbadener Juden, die sich am 29. August 1942 in der örtlichen Synagoge hatten einfinden müssen, wurden am 1. September 1942 nach Theresienstadt deportiert.

Bild: Wiesbadener Juden, die sich am 29. August 1942 in der örtlichen Synagoge hatten einfinden müssen, wurden am 1. September 1942 nach Theresienstadt deportiert.

Gemäß der nationalsozialistischen Propaganda sollte Theresienstadt als "Altersghetto" dienen, in das "alte gebrechliche Juden mit Ehegatten" sowie bevorzugte Gruppen wie verdiente jüdische Kriegsveteranen oder sogenannte "Mischlinge" deportiert werden.

Tatsächlich wurden jedoch ab Dezember 1944 ebenso Juden aus Sammellagern in Ungarn sowie im Zuge von "Evakuierungstransporten" insgesamt 12.488 KZ-Häftlinge nach Theresienstadt gebracht. Darüber hinaus wurden zwischen Januar 1942 und Ende Oktober 1944 etwa 87.000, der nach Theresienstadt deportierten Juden, in die Vernichtungslager weitertransportiert.

Die höchste Belegungsstärke wurde am 18.09.1942 mit 58.491 Männern, Frauen und Kindern angegeben. Insgesamt wurden etwa 153.000 Personen nach Theresienstadt verschleppt, von denen etwa 34.000 im Ghetto selbst starben, knapp 2.000 Juden 1945 in die Schweiz und nach Schweden gebracht wurden und etwa 700 die Flucht gelang. Etwa 31.500 Ghetto-Insassen und KZ-Häftlinge konnten befeit werden.

Die Gesamtzahl der Männer, Frauen und Kinder, die hier gegen ihren Willen eingesperrt wurden, betrug etwa 141.000, darunter 70.000 alte Menschen und 15.000 Kinder. Während der letzten Kriegstage trafen noch einmal 13.000 weitere Gefangene ein, die aus liquidierten Konzentrationslagern in Deutschland und Polen nach Theresienstadt deportiert worden waren.

An der Tatsache, dass das Ghetto Teil des Vernichtungsfeldzuges gegen die jüdische Bevölkerung war, änderte sich durch die Propaganda nichts. Ein Viertel der Gefangenen des Ghettos Theresienstadt (etwa 33.000) starben dort vor allem wegen der entsetzlichen Lebensumstände. Etwa 88.000 Häftlinge wurden nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager wie Treblinka, Majdanek oder Sobibor deportiert. Davon überlebten nur ca. 4.000 Menschen den Krieg. Unter den Toten waren auch viele tausend Kinder.

Kinder in Theresienstadt 

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Unter den Häftlingen in Theresienstadt befanden sich ca. 15.000 Kinder. Die Häftlingsselbstverwaltung versuchte dafür Sorge zu tragen, dass zumindest die Kinder und Jugendlichen eine Überlebensschance hatten. Sie wurden in sog. Kinderheimen untergebracht, erhielten eine etwas bessere Verpflegung zulasten der Überlebenschanchen der älteren Menschen und einen geheimen Unterricht von ihren Betreuern (auch madrichim genannt).

Von den Kindern, die in die Vernichtungslager geschickt wurden, überlebten nur 150 das Kriegsende. Von ihnen sind noch Gedichte und Bilder aus dem Ghetto erhalten, die heute Gegenstand eigener Ausstellungen und Veröffentlichungen sind.

Von der "Lagerkommandantur" zum "Dienststellenleiter" 

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Kommandant des Gestapo-Gefängnisses war seit dessen Einrichtung SS-Hauptsturmführer Heinrich Jöckel, der die 1. Kompanie des SS-Wachbataillons Böhmen und Mähren kommandierte.

In Theresienstadt hatte seit dem November 1941 kein "Ältestenrat" das Sagen. Das Lager stand seitdem unter dem Befehl einer "Lagerkommandantur", an deren Spitze der Lagerkommandant, ein SS-Offizier im Rang eines Ober- oder Hauptsturmführers. Die Kommandantur ihrerseits unterstand der Prager "Zentralstelle für jüdische Auswanderung". Leiter der Zentralstelle war Adolf Eichmann.

Und es war der Lagerkommandant, der dem "Judenältesten" bzw. seinem Vertreter Anordnungen erteilte. Als dann aus Propagandazwecken die Nationalsozialisten es sinnvoller ansahen, nach außen hin, für die (Welt)Öffentlichkeit, aus Theresienstadt eine "Jüdische Mustersiedlung" zu machen, wie das etwa Ende des Jahres 1943 passierte, änderten sie ihre Taktik und parallel dazu ihre Terminologie. Aus der "Lagerkommandantur" wurde eine "Dienststelle" und der Lagerkommandant verwandelte sich in einen "Dienststellenleiter", in dessen Befehlen die Bezeichnung "Jüdische Selbstverwaltung" erschien.

Zumeist waren es ca. 20 SS-Männer, die der Kommandantur, später dann der "Dienststelle" unterstellt waren. Ihnen zur Seite standen etwa 100 einheimische Gendarmen, die die Aufgabe hatten, die Sperren und Zugänge der Festung zu überwachen. Gendarmen waren es, die als erste über Hinrichtungen und Massengräber in Theresienstadt berichteten, in einem Fall sogar mit Hilfe von Fotos, die der "Stabswachtmeister" Karel Salaba heimlich aufgenommen hatte und die in einer Schweizer Zeitung 1942 erschienen.

Sammel- und Durchgangslager für die tschechischen Juden 

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"Magdeburger Kaserne" - neben der Unterkunft für zahllose Häftlinge war dort der Sitz der "jüdischen Selbstverwaltung" Um in Theresienstadt Platz für die deportierten Juden zu machen, wurden als erstes die deutschen Soldaten aus den Kasernen der Garnisonsstadt abgezogen. Im November 1941 kamen die ersten tschechischen Juden mit dem sogenannten "Aufbaukommando" aus Prag. Sie hatten die Aufgabe, die Garnisonsstadt an die Nutzung als Lager anzupassen und einen "Judenrat" zu schaffen. Ein Mitglied dieses Kommandos war ein junger tschechischer Student, Miroslav Kárný, der Theresienstadt überlebt und später durch seine Studien und Veröffentlichungen dazu beigetragen hat, das Bild über das Theresienstädter Konzentrationslager zu präzisieren.

Nachdem das "Aufbaukommando" seine Aufgabe erfüllt hatte, wuchs die Zahl der nach Theresienstadt deportierten Juden aus dem Protektorat Böhmen und Mähren rasch an. Um weiteren Platz zu schaffen, wurden im Frühjahr 1942 die noch verbliebenen tschechischen Bewohner aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben und schon im Mai 1942 waren fast ein Drittel der im Protektorat lebenden Juden, mehr als 28.000 Menschen, nach Theresienstadt deportiert worden. Die Züge liefen über den 2 km südlich gelegenen Bahnhof von Bohušvice (dt.: Bauschowitz).

Der erste "Transport in den Osten" von 1000 Häftlingen fand am 9. Januar 1942 statt. Diesen und alle weiteren Transporte ordnete die SS-Lagerkommandantur auf Weisung aus Berlin an. Darin waren die Richtlinien hinsichtlich Zahl und "Kategorie" der Häftlinge enthalten. Die Auswahl der Häftlinge, die weiter in den Osten deportiert werden sollten, traf im Rahmen dieser Bestimmungen die "jüdische Selbstverwaltung".

"Altersghetto" für ausgesuchte deutsche Juden 

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Die erste Erwähnung der Idee, dass aus Theresienstadt neben dem Sammel- und Durchgangslager für die Juden aus Böhmen und Mähren auch ein Lager für ausgesuchte deutsche Juden werden sollte, ist in einem Tagebucheintragung von Josef Goebbels vom 18. November 1941 zu sehen. Darin heißt es: "Heydrich berichtete mir über seine Absichten bezüglich der Abschiebung der Juden aus dem Reichsgebiet. Die Frage läßt sich schwieriger an als wir zuerst vermutet hatten. 15.000 Juden müssen sowieso in Berlin bleiben, da sie bei kriegswichtigen und gefährlichen Arbeiten beschäftigt sind. Auch eine Reihe von alten Juden können nicht mehr nach dem Osten abgeschoben werden. Für sie soll ein Judenghetto in einer kleinen Stadt im Protektorat eingerichtet werden."

Bei der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 wurde Theresienstadt als Altersghetto bestimmt. SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich gab nach der "Wannsee-Konferenz" kommentarlos bekannt, dass alle Reichsjuden über 65 Jahre in das Altersghetto Theresienstadt gebracht würden. Außerdem wurde beschlossen, dass neben alten Juden auch schwerkriegsbeschädigte Juden und Juden mit Kriegsauszeichnungen in Theresienstadt untergebracht werden sollten. Diesen Juden wurden Heimeinkaufsverträge angeboten, in denen ihnen angemessene Unterbringung, Verpflegung und ärztliche Versorgung zugesichert wurden. Das Reichssicherheitshauptamt brachte dadurch das Vermögen der Deportierten an sich, ohne indes die zugesagten Leistungen zu erbringen.

Vorzeigeghetto 

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Im Oktober 1943 wurden 476 Juden aus Dänemark nach Theresienstadt deportiert. Die große Mehrheit der dänischen Juden konnte allerdings gerettet werden. Sie flohen nach Schweden und waren damit für die deutsche Besatzungsmacht nicht mehr greifbar. Aber auch die in Theresienstadt eingesperrten jüdischen Landsleute wurden von der dänischen Regierung nicht im Stich gelassen. Der Druck, den sie auf das Regime der Nationalsozialisten ausübte, trug maßgeblich dazu bei, dass die Nationalsozialisten - zu Propagandazwecken und zur Täuschung der internationalen Öffentlichkeit über den Charakter von Konzentrationslagern - Theresienstadt für einige Monate zu einem Vorzeigeghetto machten.

In dieser Funktion erlaubten die Nationalsozialisten im Juni 1944 dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IRK) Theresienstadt zu besuchen. Dazu war Theresienstadt in den vorherigen Wochen und Monaten "verschönert" worden. So wurden, um den Eindruck der Überbevölkerung zu nehmen, im Vorfeld des Besuches die Transporte von Häftlingen aus Theresienstadt nach Auschwitz verstärkt. Die im Zuge dieser Aktion nach Auschwitz deportierten Juden wurden dort zunächst im separaten sogenannten "Familienlager" in Auschwitz-Birkenau untergebracht, um sie bei eventuellen Nachfragen des Roten Kreuz präsentieren zu können. Nach Ende der Kontrollen wurde dieses Lager liquidiert und die Insassen ermordet.

In Theresienstadt selbst wurden Cafés eingerichtet und die Kinderoper Brundibár des tschechischen Komponisten Hans Krása einstudiert und aufgeführt. Am 26. Februar 1944 wurde mit der Arbeit an einem Propagandafilm über Theresienstadt begonnen. Die Dreharbeiten zu "Theresienstadt, ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet" standen unter der Regie von Kurt Gerron. In dem Film sollte gezeigt werden, wie gut es den Juden unter den "Wohltaten" des Dritten Reiches ging. Nach den Dreharbeiten wurden die meisten Schauspieler und auch der Filmemacher selbst nach Auschwitz deportiert.

Propaganda: Kulturelle Aktivitäten 

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Im Lager fanden zahlreiche und umfangreiche kulturelle, religiöse, philosophische Aktivitäten statt, die von den Häftlingen getragen wurden. Mehr als 2000 bereits damals bekannte oder erst später bekannt gewordene Gefangene wirkten daran mit. Theresienstadt hatte als Konzentrationslager eine Sonderstellung. In der Wannsee-Konferenz wurde die Garnisonsstadt als "Altersghetto" für prominente und alte Juden aus Europa vorgesehen. Sie wurden gezwungen, ihren Wohnraum zu kaufen. Einen großen Teil der Gefangenen stellten aber jüdische Familien, die aus Böhmen und Mähren deportiert worden waren. Für die Nazis diente es als "Vorzeige-" und "Altersghetto". Aufgrund dieser Stellung war die Behandlung der Häftlinge in Theresienstadt im Vergleich mit anderen Konzentrationslagern der Nazis vergleichsweise "milde".

Aus Dänemark wurden im Oktober 1943 476 Juden nach Theresienstadt deportiert. Die meisten dänischen Juden konnten noch nach der Besatzung durch Nazi-Deutschland nach Schweden flüchten, und wurden dabei von der dänischen Bevölkerung vorbildlich unterstützt. Als die dänische Regierung auf einer Inspektion des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz bestand, ließ man Theresienstadt monatelang zum "Vorzeigeghetto" verschönern, um Berichte über Greueltaten und entsetzliche Lebensbedingungen zu widerlegen.

Um den Eindruck der Überbevölkerung zu nehmen, wurden im Vorfeld des Besuches die Transporte von Häftlingen aus Theresienstadt nach Auschwitz verstärkt. Die im Zuge dieser Aktion nach Auschwitz deportierten Juden wurden dort zunächst im separaten sogenannten "Familienlager" in Auschwitz-Birkenau untergebracht, um sie bei eventuellen Nachfragen des Roten Kreuz präsentieren zu können. Nach Ende der Kontrollen wurde dieses Lager liquidiert und die Insassen ermordet.

In Theresienstadt selbst wurden Cafés eingerichtet und eine Kinderoper Brundibár des tschechischen Komponisten Hans Krása einstudiert und aufgeführt.Im Anschluss wurde der Film "Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet" inszeniert. Am 26. Februar 1944 wurde mit den Dreharbeiten begonnen. Mit der Regie wurde Kurt Gerron beauftragt. In dem Film sollte gezeigt werden, wie gut es den Juden unter den "Wohltaten" des Dritten Reiches ging. Nach den Dreharbeiten wurden die meisten Schauspieler und auch Gerron selbst ins Vernichtungslager von Auschwitz deportiert.

Mehr als 140.000 Insassen  

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Mehr als 140.000 Insassen Die Gesamtzahl der Männer, Frauen und Kinder, die in das Theresienstädter Ghetto deportiert wurden, betrug bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges etwa 140.000. Während der letzten Kriegstage trafen noch einmal 13.000 weitere Gefangene ein, die aus liquidierten Konzentrationslagern in Deutschland und Polen nach Theresienstadt deportiert worden waren.

Die Zahl der Internierten nach Herkunftsland:

HerkunftslandZahl der Internierten
Böhmen und Mähren73500
Deutsches Reich42821
Österreich15266
Niederlande4894
Slowakei1447
Bialystok (Kinder)1260
Ungarn1150
Ungarn476
Sonstige20
Geburten, Zugänge247
Gesamt141184

Die "Abgänge" sahen so aus:

"Abgänge"Anzahl
in Vernichtungslager deportiert88202
in Theresienstadt gestorben33456
befreit1654
geflohen 764
verhaftet + vermutlich umgebracht276
am 9. Mai 1945 übriggeblieben16832

Quelle: Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden, Band 2, S. 457/458

Theresienstadt und die "Endlösung der Judenfrage" 

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Die Nazis nutzten die vorhandene Infrastruktur aus und "perfektionierten" den Ort. Sie bauten ihn zu einem Bestandteil ihres Repressions- und Vernichtungsapparates aus. Das Gefängnis wurde von der Gestapo-Dienststelle in Prag verwaltet. Zu Anfang gab es nur männliche Häftlinge, erst nach dem erfolgreichen Attentat auf Reinhard Heydrich wurde im Juni 1942 eine Frauenabteilung eingerichtet. Zu den bestehenden drei Gefängnishöfen kam 1943 ein vierter hinzu, der für männliche Häftlinge bestimmt war.

Zwischen 1940 und 1945 wurden von den verschiedenen Dienststellen der Gestapo rund 27.000 Männer und 5.000 Frauen an das Gefängnis Theresienstadt überstellt, zunächst mit Inhaftierten aus Prag, dann aus ganz Böhmen und ab 1944 auch aus Mähren. In der Kleinen Festung wurden bis Kriegsende überwiegend Tschechen festgehalten, darunter viele Widerständler gegen das Nazi-Regime. In den letzten Jahren dann auch Bürger der Sowjetunion, aus Polen, Jugoslawien und gegen Kriegsende Gefangene aus den Reihen der Alliierten Armeen.

Von den Insassen kamen etwa 8.000 in anderen Lagern um, in die sie bis zum Ende des Krieges deportiert wurden. 2.500 starben im Lager nach Folter, Krankheiten und aufgrund der Arbeits- und Lebensbedingungen. 250 Insassen wurden in der Festung selbst hingerichtet. Unter den Opfern befindet sich auch eine Gruppe von Juden aus dem Rheinland, die am 4. Oktober 1944 - "irrtümlicherweise "- in der Kleinen Festung und nicht im "Ghetto" in einem Transport aus Köln ankamen. Dieser Irrtum wurde korrigiert; fast alle wurden ermordet.

An der Tatsache, dass das Ghetto des KZ Theresienstadt Teil des Vernichtungsfeldzuges gegen die jüdische Bevölkerung war, änderte sich durch die Propaganda der Nationalsozialisten nichts. Ein Viertel der Gefangenen des Ghettos Theresienstadt (etwa 33.000) starben dort vor allem wegen der entsetzlichen Lebensumstände. Etwa 88.000 Häftlinge wurden nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager wie Treblinka, Majdanek oder Sobibor deportiert. Davon überlebten nur ca. 4.000 Menschen den Krieg. Unter den Toten waren auch mehrere Tausend Kinder.

Von Beginn an war Theresiensstadt als Sammel- und Durchgangslager für die tschechischen Juden vorgesehen. Der tschechische Historiker Miroslav Kárný, der zu den ersten nach Theresienstadt Deportierten gehörte, hat in seiner Arbeit über die "Deutschen in Theresienstadt" nachgewiesen, dass auch die deutschen Juden, die hierhin gebracht wurden, der Vernichtung durch die Nationalsozialisten unterlagen und bei einem Vergleich zwischen des Todesrate der tschechischen und der deutschen Juden nur ein geringfügiger Unterschied besteht.

"In Theresienstadt", schreibt er, "waren 73.468 tschechische und 42.921 deutsche Juden, die nach Theresienstadt vor dem 20. April 1945 deportiert worden waren. Der Unterschied der Sterblichkeit der tschechischen und der deutschen Juden direkt in Theresienstadt war sehr groß, was als Folge der unterschiedlichen Altersstruktur angesehen werden kann.

In Theresienstadt selbst starben insgesamt 6152 tschechische Häftlinge; das waren 8,37 % der ganzen Häftlingszahl aus tschechischen Transporten - es starb jeder Zwölfte. Die Sterblichkeit der deutschen Gruppe war in Theresienstadt fast sechsmal höher. Es starben hier 20.848 deutsche Juden, das waren 48,57 % der ganzen Häftlingszahl aus deutschen Transporten - jeder Zweite.

Wenn wir aber das Schicksal der tschechischen und der deutschen Gruppe vergleichen wollen", fährt er fort, "müssen wir diese Angaben um die Zahlen der aus Theresienstadt nach dem Osten Deportierten ergänzen. Nach dem Osten wurden aus Theresienstadt 60.382 tschechische Juden deportiert (das waren 82,19 %) und 16.098 deutsche Juden (37,5 %). Von den tschechischen Juden überlebten 3097, von den deutschen weniger als 100. Das bedeutet, daß nach der Deportation aus Theresienstadt im Osten - bei der Ostwanderung, wie es der Chef der Konzentrationslager Oswald Pohl nannte - 57.285 tschechische Juden und ungefähr 16 000 deutsche Juden umkamen.

Zusammenfassend: der Prozentsatz aller Sterbefälle der Theresienstädter Häftlinge - d.h. der Tod in Theresienstadt und der Tod nach weiterer Deportation - ist bei den tschechischen Juden 86,35 % (63.437 Todesfälle), bei den deutschen Juden 85,85 % (36.848 Tote). Die Todesbilanz beider Häftlingsgruppen unterscheidet sich nur um ein halbes Prozent."

Befreiung 

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Wenige Tage vor dem Ende des 2. Weltkrieges räumten die Nationalsozialisten Theresienstadt, aus dem sie seit 1940 ein Konzentrationslager gemacht hatten. Am 2. Mai 1945 übernahm das Internationale Komitee vom Roten Kreuz die Versorgung der Häftlinge in der Stadt und in der Kleinen Festung. Am 8. Mai 1945 zog die Rote Armee in die Stadt ein und sowjetische und tschechoslowakische Ärzte begannen mit der Versorgung der Überlebenden. Die Repatriierung der Häftlinge dauerte bis August 1946. Die einheimische Bevölkerung kehrte im Verlauf des Jahres 1946 in ihre Häuser und Wohnungen zurück. Am 6. Mai 1947 beschloss die tschechoslowakische Regierung die Errichtung der "Gedenkstätte des nationalen Leidens" in der Kleinen Festung.

Auf Initiative ehemaliger Gefangener und Hinterbliebener beschloss die tschechische Regierung 1947 aus der Kleinen Festung von Terezin eine Gedenkstätte zu machen. Das Ghetto-Museum befindet sich in der "Magdeburger Kaserne", die Sitz des Judenrats aus dem Ghetto war.

Religiöse Rituale bei Bestattungen 

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Im Lager Theresienstadt konnten die Gefangenen zumeist die religiösen Rituale bei Bestattungen einhalten. So wurden bis zum August 1942 die Toten mit Holzsärgen in einzelnen Gräbern bestattet. Danach wurden Massengräber für jeweils 35 bis zu 60 verstorbene Häftlinge ausgehoben. Am 19. Juli begann man mit der Bestattung in Massengräber. In diesen Gräbern wurden keine Holzsärge mehr verwendet. Die Begräbnisstätte lag im Bohusovicer Talkessel. Der Transport zum Friedhof erfolgte mit einem jüdischen Leichenwagen. Den Leichenwagen durften nachts nur ein Mitglied der Ghettowache und ein tschechischer Gendarm begleiten. Die zu dieser Zeit noch in Theresienstadt wohnende Bevölkerung sollte davon möglichst nichts wissen.

Am 6. Oktober 1942 fand die letzte Beisetzung in einem Massengrab statt. In 1. 250 Einzelgräbern und 270 Massengräbern des Jüdischen Friedhofes wurden zwischen Dezember 1941 und Oktober 1942 8.903 Opfer der Nationalsozialisten begraben.

Die Totenkammern 

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Zwei Kammern, in denen die Toten aufgebahrt wurden, befanden sich innerhalb der Wälle am südöstlichen Stadtrand am Weg zum Friedhof. Eine diente den jüdischen Verstorbenen, die andere den Verstorbenen, die einen anderen Glauben hatten. Das erste gemeinsame Gebet musste in der Regel direkt an der Todesstelle stattfinden. Die höchste Sterblichkeitsquote weist die Lagerstatistik für den Herbst 1942 aus, als täglich mehr als 100 Menschen starben.

Das Krematorium 

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Bis Herbst 1942 wurden die Toten in Massengräbern vor den Schanzen der Stadt bestattet. Etwa 9000 Opfer wurden auf diese Weise begraben. Ende 1942 ließ die Lagerleitung von der Teplicer Firma Ignis Hüttenbau A.G. ein Krematorium errichten, um die Verstorbenen aus der Garnisonsstadt und der Kleinen Festung - später auch aus dem Außenlager "Richard" des KZ Flossenbürg in Leitmeritz - dort zu verbrennen.

Den Mittelteil des Gebäudes nahmen vier Verbrennungsöfen ein, die mit Dieselöl beheizt wurden. Der vordere Raum diente dem Abstellen der Särge mit den Toten, daneben befand sich der Obduktionsraum. Im Anbau an das Hauptgebäude waren die notwendigen Nebenräume für die Wachmannschaft, die hier ständig Dienst versah, und für die Arbeiter des Krematoriums untergebracht. Zur Zeit der größten Sterblichkeit arbeiteten hier bis zu 18 Personen, die sich in ununterbrochenem Schichtdienst Tag und Nacht ablösten. Als die Zahl der Toten zurückging, konnte diese Arbeit von vier Heizern bewältigt werden. Oft überwachte SS-Scharführer Heindl, ein Mitglied der SS-Kommandantur, den Betriebsablauf. Auch die Kommandanten selbst führten Kontrollen durch.

Die Diensthabenden schoben den Leichnam ohne Sarg bzw. ohne dessen Oberteil in den Verbrennungsofen. Er verbrannte nur mit dem Brett, auf dem er befestigt war. Der Rest des Sargs konnte aus Sparsamkeitsgründen mehrmals verwendet werden. Mit einiger Verspätung gelangten jene Toten zur Einäscherung, für die eine Obduktion angeordnet worden war. Durch das Öffnen des Leichnams konnten die hier inhaftierten Ärzte vor allem in nicht ganz eindeutigen Fällen die Todesursachen feststellen.

Das an den Öfen diensthabende Personal bemühte sich, die sterblichen Reste jedes Eingeäscherten gesondert aus dem Ofen zu schüren, damit sie in einem individuellen Behältnis geborgen werden konnten. Dabei mussten sie die Asche nach Goldbruchstücken (Zahnkronen und Prothesen) durchsuchen, diese aussammeln und der SS-Kommandantur übergeben.

Über den Ablauf der Verbrennung in den einzelnen Öfen wurden Tagesprotokolle geführt. Auch jede Urne mit der Asche eines Häftlings wurde mit den wichtigsten Angaben über den Eingeäscherten versehen. Sie wurden von den Zetteln abgeschrieben, die man an den Beinen der Toten befestigt hatte, und enthielten den Namen mit der Transportbezeichnung und die entsprechende Verbrennungsnummer. Dann durften die Urnen, sie bestanden zumeist aus Pappe, im Kolumbarium eingelagert werden. Das Kolumbarium befand sich im Festungswall. Hier standen bis Ende 1944 in Holzregalen Tausende Urnen gedrängt nebeneinander und die Häftlinge nahmen an, dass man sie nach dem Krieg würdig begraben werde. Doch als die Nationalsozialisten damit begannen, die Spuren ihrer Verbrechen in Theresienstadt zu beseitigen, ordnete im November 1944 die Lagerleitung an, die Asche von 22.000 Häftlingen in die Eger zu werfen.

In den Jahren 1944 und 1945 wurden in dem Theresienstädter Krematorium auch die Toten aus dem Lager in Litomerice eingeäschert. Dort erreichte die Sterblichkeit infolge von unerträglichen Arbeitsbedingungen und Epidemien enorme Ausmaße. Bevor es diesem Lager gelang, ein eigenes Krematorium in Betrieb zu nehmen (Anfang April 1945), brachten die Fuhrwerke die toten Häftlinge nach Theresienstadt.

Das von den Angestellten, die im Krematorium Dienst taten, sorgfältig angelegte Register verzeichnete ungefähr 30 000 Opfer, die dort während der Jahre von 1942 bis 1945 eingeäschert wurden.

Das Kolumbarium 

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In der Nähe der Totenkammern wurden 1942 Räume zur Aufbewahrung der Asche der Verstorbenen eingerichtet. Hier wurden Tausende von Büchsen gelagert. Nach der Einäscherung wurde die Asche eingesammelt und statt in den üblichen Aschenkrügen in einfachen Büchsen aus Pappe verwahrt, die mit den Namen und den Registrationsnummern der Verstorbenen versehen waren. Tagtäglich brachte man diese Büchsen aus der Totenkammer in das Kolumbarium. "Zwei Ghettohäftlinge besorgten hier die Aufbewahrung der Büchsen in ihrer genauen Reihenfolge, so dass man eine jede ausfindig machen konnte. Diese zwei Häftlinge arbeiteten hier ungefähr zwei Jahre. Bis 1944 sind im Kolumbarium mehr als 20.000 solcher Aschenbehälter eingelagert worden."

Im Oktober 1944 erschienen Traktoren vor dem Kolumbarium. Gruppen von Häftlingen bildeten Ketten, um die Büchsen aufzuladen, die dann an das Ufer der Eger gebracht wurden. Die Häftlinge mussten unter scharfer Bewachung die Asche in den Fluss schütten. Beim nordöstlichen Ausgang aus der Stadt, am Flussufer, wo die Asche der Verstorbenen im Wasser versenkt wurde, steht heute ein Denkmal.

Jaroslav Seifert

Jaroslav Seifert*

Jaroslav Seifert wurde am 23. September 1901 im Prager Arbeiterstadtviertel Zizkov geboren. Bereits im Alter von 19 Jahren veröffentlichte er sein erstes Werk Mesto v slzách (Stadt in Tränen), wenig später (1921) seine erste Gedichtsammlung. In den 20er und 30er Jahren arbeitete er als Journalist und Redakteur bei verschiedenen zum Teil kommunistischen Tageszeitungen und Verlagen (Rovnost, Srsatec, Reflektor). Während des Zweiten Weltkrieges trug er mit seinen Versen, die die tschechische Geschichte thematisierten und aufgriffen, sehr zur Stärkung des Nationalbewusstseins bei.

Nach dem Krieg kritisierte er immer öfters das kommunistische Regime in seiner Heimat und erntete dadurch zahlreiche Publikationsverbote. 1969 wurde er zum Präsidenten der tschechoslowakischen Schriftsteller-Vereinigung gewählt, das Husak-Regime setze ihn jedoch sehr bald wieder ab und versah ihn mit einem Berufsverbot. Seifert protestierte energisch gegen den Einmarsch der verbündeten Truppen im August 1968 und unterstützte während des Prager Frühlings politisch verfolgte Schriftsteller. Er unterschrieb auch die "Charta 77", eine im Januar 1977 veröffentlichte Petition gegen die Menschenrechtsverletzungen des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei. Das 1984 der bedeutendste Literaturpreis des Westens in ein kommunistisches Land ging, sorgte allgemein für ein gewisses Maß an Verwirrung. Jaroslav Seifert starb am 10. Januar 1986 in Prag.

Andreas Jordan, Dezember 2008

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