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Familie Goldschmidt - das Schicksal einer jüdischen Familie

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Leider sind sie alle den Weg der lieben Mama gegangen ...

"Mehr als 30 Menschen aus meiner Familie sind umgebracht worden", schreibt mir Esther Goldschmidt am 27. November 2007. "Ich arbeite gerade an einem Buch, das zumindest meinen noch lebenden Verwandten zur ewigen Erinnerung an ihre Toten dienen soll." Im April 2008 hat Erika Esther Goldschmidt ihr Buch "Vergangene Gegenwart" veröffentlicht. → Buchempfehlung "Vergangene Gegenwart"

Deportationen aus Gelsenkirchen

Der erste und größte Transport aus Gelsenkirchen fand am 27. Januar 1942 statt. 355 jüdische Mitbürger wurden zunächst - sichtbar für alle - auf dem Wildenbruchplatz an der dortigen Ausstellungshalle gesammelt. Viele von ihnen mussten für Ihre "Evakuierung nach dem Osten" sogar die Fahrkarten bezahlen. Am Güterbahnhof stiegen sie in die Züge - es waren Personenzüge - und wurden in das Ghetto nach Riga geschafft. In Dortmund wurden weitere Waggons angehängt. Ein zweiter Transport ging am 31. März 1942 nach Warschau, ein dritter am 27. Juli 1942 nach Theresienstadt. Insgesamt haben von 615 deportierten Juden aus Gelsenkirchen nur 105 überlebt.

Stumme Zeugen: Die Briefe  

Im Dezember 2002 erhält Esther Goldschmidt die Briefe von Tante Hilde. Hilde Laut, geborene Goldschmidt, lebt heute in Arizona in den Vereinigten Staaten. Die 93jährige Hilde hat diese Briefe die ganzen Jahre seit der Schoah aufbewahrt. Plötzlich steht mit dieser kleinen Kiste der Holocaust mitten im Zimmer. Als Esther die Kiste öffnet, findet sie Briefe voller Hoffnung und voller Verzweiflung, Briefe ihrer von den Nazis ermordeten Familie und auch Briefe derer, die überlebt haben.

Brief vom 28. Dezember 1938

Brief vom 18. Oktober 1941

Brief vom 8. Februar 1942

Nach 1945 Julchen schreibt an Hilde

Brief vom 11. Februar 1946

Salomon "Rebbens" Goldschmidt, geboren 1875

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Er war ein Bruder meines Großvaters Hermann Goldschmidt. Salomon und seine Frau Rosa Süßmann geboren 1879, wollten vor dem zweiten Weltkrieg ihre Heimat nicht verlassen. In der Reichskristallnacht wurde ihr Haus teilweise zerstört. Aufgrund einer Erkrankung blieb Salomon eine Inhaftierung zunächst erspart. Vielleicht in der Hoffnung doch noch ausreisen zu können, verkauften sie am 6. November 1939 ihr Haus. Rosa war an Rheuma erkrankt und lebte mit ihrem Mann in ärmlichen Verhältnissen.
Am 27. Juli 1942 wurde das Ehepaar Salomon und Rosa Goldschmidt mit dem Kutschwagen abgeholt zum Bahnhof gefahren. Die Deportation führte über Theresienstadt nach Auschwitz. Beide wurden vom Amtsgericht am 14. August 1947 für tot erklärt. Als Zeitpunkt des Todes wurde der 22.10.1944 9.00 Uhr festgesetzt.

Goldschmidt, Rosa. Geborene Süßmann. Geboren am 20. Dezember 1879 in Altenbeken.
Zuletzt wohnhaft in Madfeld.
Deportation: am 29. Juli 1942 von Dortmund nach Theresienstadt.
Ermordet am 23.September 1942 in Treblinka.

Ludwig Goldschmidt, geboren 1910 und Ilse Hesse, geboren 1922

Ludwig Goldschmidt

1942 heiratete Ludwig Goldschmidt Ilse Hesse aus Brilon. Doch dauerte ihr Zusammensein nicht lange. Ilse wurde am 2.März 1943 deportiert. Ihre Mutter und ihr Bruder Norbert wurden ebenfalls am gleichen Tag deportiert. In der so genannten "Reichskristallnacht" wird er in das Feuerwehrhaus eingepfercht und am nächsten Tag in das KZ Sachsenhausen abtransportiert. 1939 wurde er zunächst wieder entlassen. Er liebte seine Heimat zu sehr und ist nicht wie seine Brüder Kurt und Ernst ausgewandert.

Selbst als alle anderen Juden (auch seine Mutter ) bereits abtransportiert waren, blieb er noch in seinem Dorf. Zusammen mit seiner Frau Ilse Hesse wird er am 2. März 1943 nach Auschwitz gebracht.

Ilse Hesse

Mit Ilse Hesse starben in den Gaskammern von Auschwitz die Mutter Rika Hesse, die Brüder Norbert und Helmuth. Der Vater Isidor war bereits tot. Ludwig starb in Bergen-Belsen. Die einzige Überlebende der Familie Hesse, eine Irene Hesse aus Detmold versucht 1946 Auskunft über den Verbleib des Eigentums Ihrer Verwandten zu bekommen.

Irene Hesse 1946 an die Stadt Brilon:

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Auskunft der Stadtverwaltung Brilon

"Da ich die einzige Überlebende der Familie Isidor Hesse bin, so möchte ich sie bitten, mir über den Verbleib des Inventars meiner Verwandten Auskunft zu geben, da ich die Erbin bin. Hochachtungsvoll, Irene Hesse, Detmold-Lippe."Sie bekam von der Stadt Brilon die Auskunft, dass die Familie Hesse im März 1943 mit unbekanntem Ziel verzogen sei. Das Inventar der Wohnung der Familie Hesse sei nach deren "Wegzug" vom Finanzamt versteigert worden.

Stolperstein für Mathilde Wertheim, geborene Goldschmidt Mathilde Goldschmidt, geboren 1896

Mathilde Wertheim, geborene Goldschmidt

Mathilde war die älteste Tochter meiner Großeltern Fanny und Hermann Goldschmidt. Sie war mit Salli Wertheim verheiratet. Beide hatten eine koschere Schlachterei und ein Wurstwarengeschäft in Gelsenkirchen. Sie wohnten zuletzt in der Theresienstraße 6. Meine Tante Hilde verbrachte einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend bei ihr. Sie war ihr die zweite Mutter.


Wertheim, Mathilde. Geborene Goldschmidt.
Geboren am 18. Juli 1896 in Madfeld. Zuletzt wohnhaft in Gelsenkirchen.
Deportation: am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga.
Ermordet am 2. Januar 1945 im KZ Stutthof.

Stolperstein für Friz Goldschmidt Stolperstein für Grete Goldschmidt, geborene Löwenstein Fritz Goldschmidt, geboren 1913 und Grete Löwenstein geboren 1922

Fritz Goldschmidt und Grete Goldschmidt, geborene Löwenstein

Fritz wohnte mit seiner Frau Grete, geborene Löwenstein in Gelsenkirchen. Er war Maler und Anstreicher von Beruf, er tanzte für sein Leben gern und war auf jedem "Tanzvergnügen" ein gefragter junger Mann. Er wurde von Gelsenkirchen aus mit seiner Frau Grete Löwenstein nach Auschwitz deportiert und vom Amtsgericht Gelsenkirchen am 24.01. 1950 für tot erklärt. Seine Frau gilt als verschollen in Riga. Beide wollten wohl nach England auswandern und baten darum, dass Kurt, ein Bruder von Fritz, für sie bürgt.

Goldschmidt, Fritz.
Geboren am 8. September 1913 in Madfeld. Zuletzt wohnhaft in Gelsenkirchen.
Deportation: am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga.
Ermordet am 1. Oktober 1944 im KZ Stutthof

Else Goldschmidt, geboren 1919

Else Goldschmidt

Meine Tante Else war mit Erich Weinberg verheiratet. Sie war das jüngste Kind meiner Großeltern. Auch sie lebte für eine Weile bei ihrer Schwester Mathilde in Gelsenkirchen. Am 27.12.1940 zog sie von Madfeld nach Bielefeld. Dort heiratete sie Erich Weinberg, kam aber 1941 von Bielefeld zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach Madfeld zurück. Sie wollte die Mutter unterstützen.
Ein Zeitzeuge aus Madfeld berichtete, dass Else mit auf dem Kutschwagen saß, der am 27.Juli 1942 von Madfeld nach Bredelar zum Bahnhof fuhr, um sie mit dem Zug in Richtung Osten zu verschicken. Else Weinberg, geborene Goldschmidt wurde am 17.03.1950 vom Amtsgericht in Brilon für tot erklärt. Der Todeszeitpunkt wurde auf den 08. Mai 1945 festgesetzt.

Fanny Goldschmidt, geborene Mansberg. Geboren 1876

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Fanny Goldschmidt

Meine Großmutter Fanny - und ich weiß kaum etwas über sie zu berichten - fast alle, die dich näher kannten und liebten, sind tot. 1938 hat sie bei der Stadt Brilon schriftlich versichert, sofort ihre Ausreise in die Dominikanische Republik zu betreiben. Eine Bescheinigung der Dominikanischen Republik lag am 5. Dezember 1938 der Stadt Brilon vor, bezog sich aber zunächst auf den ältesten Sohn Siegfried Goldschmidt.


Dieser war bereits im gleichen Jahr in das KZ Sachsenhausen deportiert worden. Durch die schriftliche Versicherung zur Ausreise wurde Siegfried zu Beginn des Jahres 1939 aus dem KZ Sachsenhausen entlassen. Am 27. Juli 1942 wird meine Großmutter im Alter von 66 Jahren zusammen mit ihrer Tochter Else im Kutschwagen nach Bredelar gefahren und in Richtung Osten deportiert. Zunächst gelangte sie nach Theresienstadt und wurde später nach Auschwitz gebracht. Fanny Goldschmidt wurde am 15. Mai 1944 in Auschwitz ermordet.

Goldschmidt, Fanny. Geborene Mansberg.
Geboren am 14. Juni 1876 in Madfeld. Zuletzt wohnhaft in Madfeld.
Deportation: am 29.Juli 1942 von Dortmund nach Theresienstadt.
Ermordet am 15. Mai 1944 in Auschwitz.
Das Amtsgericht erklärte Fanny Goldschmidt am 17. März 1950 für tot.

Hedwig Mansberg geboren 1878, verheiratet mit Karl Aberbach

Hedwig war eine Schwester von meiner Großmutter Fanny. Sie wohnte in Münster. Bei ihr und ihrem Mann lebte meine Urgroßmutter Sara Mansberg, geborene Rosenthal bis zu ihrem Tod. Mit ihr starb ihr Mann Karl Adolf Aberbach, geboren 1885.

Aberbach, Hedwig. Geborene Mansberg.
Geboren am 11. August 1879 in Madfeld. Zuletzt wohnhaft in Münster.
Deportation: am 31.Juli 1942 von Münster-Bielefeld nach Theresienstadt.
Ermordet am 15. Mai 1944 in Auschwitz.

Aberbach, Karl Adolf.
Geboren am 15. Januar 1885 in Bolechow. Zuletzt wohnhaft in Münster.
Deportation: Ziel unbekannt, verschollen.

Siegfried Goldschmidt geboren 1900 und seine Ehefrau Ruth Frank geboren 1912

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Siegfried Goldschmidt

1941 heiratete er Ruth Frank in Herne und lebte dort bis zu seinem Abtransport. Siegfried wurde am 23. Januar 1942 nach Riga gebracht. Am 3. November 1943 ist er von dort abtransportiert worden.

Goldschmidt, Siegfried.
Geboren am 24.Oktober in 1900 in Madfeld. Zuletzt wohnhaft in Madfeld.
Deportation: am 23. Januar 1942 ab Dortmund nach Riga Kowno, am 1. August 1944 weiter nach Dachau.
Ermordet am 18. Januar 1945 in Kaufering.

Goldschmidt Ruth. Geborene Frank.
Geboren am 12. November 1912 in Herne. Zuletzt wohnhaft in Herne.
Deportation: am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga.
Verschollen in Riga.

Heinz Werner Goldschmidt geboren 1935

Heinz Werner Goldschmidt

Heinz Werner ist mein Halbbruder. Manchmal habe ich gedacht, wäre er nicht umgekommen, würde es mich nicht geben. Dieser Gedanke war schon belastend und es hat einige Zeit gedauert dieses Schicksal voll anzunehmen. Mein Vater Arthur wollte auch mit seiner kleinen Familie nach Amerika auswandern.



Es existieren noch viele Briefe und Karten, die er seiner Schwester Lina nach Chicago geschickt hat. Mein Vater schreibt, dass Heinz doch schon fleißig Englisch lernt, damit er sich auch unterhalten kann. Der kleine Heinz Werner war gerade mal 7 Jahre alt. So alt wie mein Enkelkind Mina zum heutigen Zeitpunkt ist.

Er war gerade mal 7 Jahre alt

Heinz Werner Goldschmidt

Arthur Goldschmidt beantragte am 30.11.1949 seine Todeserklärung. Am 17. Januar 1950 wurde er Laut Beschluss des Amtsgerichtes Herne für tot erklärt.

Goldschmidt, Heinz Werner.
Geboren am 22. Juni 1935 in Herne. Zuletzt wohnhaft in Herne.
Deportation: am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga, am 2. November 1943 weiter nach Auschwitz.
Ermordet im November 1943 in Auschwitz.

Martha Goldschmidt, geborene Gottschalk. Geboren 1905.

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Martha Goldschmidt

Martha Goldschmidt war die erste Frau meines Vaters Arthur Goldschmidt, der die Konzentrationslager überlebt hat. Beide hatten einen gemeinsamen Sohn Heinz Werner. Meine Mutter Ruth hat Martha noch gekannt und erzählte, dass Martha ein sehr fröhlicher, lebenslustiger Mensch gewesen ist.




Goldschmidt, Martha. Geborene Gottschalk.
Geboren am 11. Juli 1905 in Kottenheim. Zuletzt wohnhaft in Herne.
Deportation: am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga.
Ermordet im November 1943 in Auschwitz.

Israel Goldschmidt, geboren 1866

Israel Goldschmidt

Israel Goldschmidt wurde am 27. Juli 1942 mit dem Alterstransport nach Theresienstadt deportiert. Seine Ehefrau Augustha Goldschmidt starb bereits 1941, ein Jahr vor der Deportation ihres Mannes und ihrer Töchter. Der Sohn Siegfried konnte nach Bolivien auswandern. Siegfried Goldschmidt stellte im Jahre 1955 einen Wiedergutmachungsantrag an die Stadt Brilon.



Der Stadtdirektor von Brilon schrieb 1955, dass Israel Goldschmidt am 27. Juli 1942 nach Bielefeld in ein Altersheim verzogen ist. Am Ende dieses Ablehnungsbescheides steht: "Soweit hier bekannt, sind politische Zwangsmaßnahmen gegen Israel Goldschmidt nicht unternommen worden." An dieser Stelle erübrigt sich jedweder Kommentar.

Goldschmidt, Israel.
Geboren am 03. September 1866 in Brilon.
Zuletzt wohnhaft in Brilon.
Deportation: am 29. Juli 1942 von Dortmund nach Theresienstadt.
Ermordet am 23. September in Treblinka.

Elly Henochsberg geborene Goldschmidt, geboren 1907

Elly Goldschmidt

1941 heiratete sie in Düsseldorf. Im Juni 1988 teilte die Stadt Düsseldorf mit:
"Die Eheleute Henochsberg meldeten sich am 8. November 1941 nach Minsk/Russland ab. Eine erneute Anmeldung in Düsseldorf erfolgte nicht." (Anmerkung von Esther Goldschmidt: Das geschah im Jahre 1988, ich bin fassungslos!! In Minsk wurden alle Einheimischen sowie auch alle dort internierten "Reichsdeutschen" Juden im Jahre 1942 ermordet)


Henochsberg, Elly. Geborene Goldschmidt.
Geboren am 8. Dezember 1910 in Brilon. Zuletzt wohnhaft in Düsseldorf.
Deportation: am 10. November 1941 ab Düsseldorf nach Minsk.
Verschollen.

Julie Panitsch geborene Goldschmidt. Geboren 1902

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Panitsch, Julie. Geborene Goldschmidt.
Geboren am 3. November 1902 in Brilon. Zuletzt wohnhaft in Köln.
Deportation: am 20. Juli 1942 von Köln nach Minsk
Ermordet am 24. Juli 1942 in Minsk

Bertha Goldschmidt geboren 1897

Verschollen.

Albert Goldschmidt geboren 1912

Goldschmidt, Albert.
Geboren am 25. April 1912 in Brilon.
Zuletzt wohnhaft in Brilon.

Johanna Mansberg geboren 1874, verheiratet mit Israel Silbermann

Silbermann, Johanna geborene Mansberg
Geboren am 13. April 1874 in Madfeld. Zuletzt wohnhaft in Osnabrück.
Deportation: am 31. Juli 1942 von Münster/Bielefeld nach Theresienstadt.
Ermordet am 14. September 1942 in Theresienstadt.

Emanuel Mansberg geboren 1882

Mansberg, Emanuel
Geboren am 17. September 1882 in Münster. Zuletzt wohnhaft in Niedermarsberg.
Ermordet am 01.Oktober 1940 in der Euthanasie-Tötungsanstalt Brandenburg.

Paul Mansberg geboren 1908 und Frieda Kahlenberg geboren 1906
Die Kinder Ursula geboren 1938 und Zilla geboren 1939

Frieda Mansberg

Paul wuchs in seinem Elternhaus auf und ging in Messinghausen zur Schule. Er erlernte den Metzgerberuf und heiratete 1937 Frieda Kahlenberg. Am 12. November 1938 wurde er in das KZ Sachsenhausen transportiert. Der Vater Aron setzte sich für seinen Sohn ein, indem er sich als hilfebedürftig und zu alt bezeichnete um sein Haus zu verkaufen. Paul kam 1939 aus Sachsenhausen zurück und so zog die Familie nach Brilon. Offiziell gemeldet am 27. April 1939 in Brilon.

Der Torwart war ein Jude ...

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Der Torwart war Paul Mansberg

In der Kirchenchronik von Messinghausen ist über die Fußballmannschaft Fortuna zu lesen, dass ihr Torwart ein Jude war. Dieser Torwart war Paul Mansberg. Im März 1943 wird Paul Mansberg mit seiner Familie zunächst zur Kripo nach Dortmund gebracht und von dort aus nach Auschwitz deportiert und ermordet. Seine Frau Frieda und die Kinder Ursula und Zilla gelten als in Polen verschollen.


Mansberg, Paul
Geboren am 1. März 1908 in Messinghausen. Zuletzt wohnhaft in Brilon.
Deportation: 1943 nach Polen.
Ermordet in Auschwitz.

Mansberg, Frieda. Geborene Kahlenberg.
Geboren am 17. Oktober 1906 in Brilon. Zuletzt wohnhaft in Brilon.
Deportation: 1943 nach Polen.
Verschollen.

Sara Kahlenberg, geboren 1873

Sara Kahlenberg

Die Tochter Beate war die einzige Überlebende der Familie Kahlenberg. Zu ihrem Antrag auf Wiedergutmachung nimmt die Stadt Brilon am 1. April 1957 wie folgt Stellung:

Verfügung vom 28. Februar 1957 Az. II/062-20 Nr.341 (...) "Die Familie lebte in sehr dürftigen Verhältnissen. Den Judenstern musste Frau Kahlenberg ab September 1941 tragen. Das Tragen des Judensterns ist nach außen aber kaum in Erscheinung getreten, da sie wegen Krankheit nicht ausgehen konnte."



Der Geist des Nationalsozialismus schwebte auch nach 1945 noch durch deutsche Amtsstuben ...


Kahlenberg, Sara. Geborene Wortsmann.
Geboren am 31. Dezember 1873 in Reichmannsdorf. Zuletzt wohnhaft in Brilon.
Deportation: am 19. Mai 1943 von Dortmund nach Theresienstadt.
Ermordet am 17. März 1944 in Theresienstadt.

Salo Kahlenberg geboren 1903

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Salo Kahlenberg

Kahlenberg, Salo.
Geboren am 8. Januar 1903 in Brilon. Zuletzt wohnhaft in Brilon.
Deportation: 1943 nach Auschwitz.
Ermordet am 11. Juni 1943.






Albert Mansberg geboren 1891 und seine Frau Dora Horn geboren 1894 mit dem gemeinsamen Sohn Hermann, geboren 1924

Albert wurde mit seiner Familie in Richtung Osten deportiert. Sie gelten als in Minsk verschollen.

Hermann Mansberg geboren 1897

Hermann Mansberg wurde 1920 zum 2. Vorsitzender des Sportvereins "20 Messinghausen" gewählt. Hermann Mansberg war zunächst im Konzentrationslager Sachsenhausen. 1938 wurde er entlassen. Er wurde zur Zwangsarbeit herangezogen (die Namen der Firmen sind mir bekannt). Hermann nahm die Gelegenheit zur Auswanderung nicht wahr, da er sich um seinen alten Vater Aron kümmern wollte. Am 2. März 1943 wird er deportiert und gilt als in Polen verschollen.

Mansberg, Hans Hermann.
Geboren am 24. Mai 1897 in Messinghausen. Zuletzt wohnhaft in Brilon.
Deportation: 1943 nach Polen.
Verschollen.

Aron Mansberg geboren 1855

Aron Mansberg war beinamputiert und hatte somit keine Chance, das 3. Reich zu überleben. In der so genannten "Reichskristallnacht" am 9. November 1938 wurde sein Haus geplündert und das Mobiliar zerstört. Er selbst wollte sich im Ziegenstall verstecken. Wurde aber gefunden, getreten und geprügelt. Aron Mansberg war zu diesem Zeitpunkt 83 Jahre alt!
Aron Mannsberg lebte vom 2. November 1939 bis 1942im jüdischen Altersheim in Bielefeld. Solche Einrichtungen dienten den Nationalsozialsten als Sammelstellen für die bevorstehenden Deportationen. Dies ahnte Aron Mansberg nicht, er wollte seinen Lebensabend in Ruhe verbringen. Sein Haus gehörte ihm bis 1943, dann wurde es vom "Deutschen Reich" eingezogen. Zu diesem Zeitpunkt war Aron Mansberg schon in Theresienstadt.

Deportiert: am 29. Juli 1942 nach Theresienstadt.
Im Alter von 87 Jahren, am 27. August 1942, starb Aron Mansberg in Theresienstadt.

Julius Mansberg geboren 1889 und seine Ehefrau Sarah geborene Moll, geboren 1896 mit ihrer Tochter Ellen, geboren 1924

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Im Gedenkbuch "Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" steht über das Schicksal der Familie Julius Mansberg, dass die Familie von Wuppertal aus nach Minsk deportiert worden ist und dort verschollen ist. Die Spuren der Familie Mansberg enden in Minsk.

Louis Jacob und seine Frau Sophie Goldschmidt

Sophie Goldschmidt war die Nichte meines Großvaters Hermann Goldschmidt

Jacob, Louis
Geboren am 8. April 1896 in Freienohl Zuletzt wohnhaft in Rhoden.
Deportation: 1942, Ziel unbekannt.
Verschollen.

Jacob, Sophie. Geborene Goldschmidt.
Geboren am 18.Oktober 1900 in Rhoden. Zuletzt wohnhaft in Rhoden.
Deportation: 1942, Ziel unbekannt.
Verschollen.

Max und Paula Willon zuletzt wohnhaft in Brilon

Auch wenn beide nicht zu meiner Familie gehörten, so möchte ich doch, dass sie mit auf dieser Seite erscheinen, da meine Großmutter mit den Willons Kontakt hatte.

Willon, Max
Geboren am 15. Juni 1894 in Niederalme. Zuletzt wohnhaft in Brilon.
Deportation: am 19. Mai 1943 ab Dortmund nach Theresienstadt, am 29. September 1944 nach Auschwitz.
Ermordet in Auschwitz. Paula Willon ist verschollen.


Veröffentlichung der Daten, Bilder und Dokumente mit freundlicher Genehmigung von Esther Goldschmidt.

Hintergrundgrafik: Ausschnitt aus dem Brief von Julchen an Hilde, nach 1945. Transkription des Textes im Briefausschnitt:

(...) "Unser Junge war auch im Lager. Er ist aber gesund wieder gekommen. Gustav geht es gut. Ich bin damals wegen dieser Sache mit dem Brief und das ich nichts gesagt habe, wo du dich versteckt hast, nach Auschwitz K.Z. gekommen. Habe dort sehr viel mitgemacht und diese Nazis haben mich nicht kaputt gekriegt. Leider aber unsere lb. Mama und Tilla. Siegfried und Frau, Ludwig und Frau, Fritz und Grete. Else und Erich und unser lb. Betty welche K.Z. Ravensbrück zugrunde ging. Lb. Hilde, schreibe mir sofort wieder und sehe zu, ob du mal zu uns kommen kannst. Empfange die herzlichen Grüße und Küsse von deine Schw. Julchen Gustav + Siegfried


Andreas Jordan, Dezember 2007

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