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Verbrechen in der Endphase

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Julie Risse, Mutter des Rolf Risse

Julie Risse wurde von der Gestapo in den letzten Kriegstagen im Dortmunder Rombergpark/Bittermark ermordet. Innerhalb kurzer Zeit trafen in der Endphase des zweiten Weltkrieges laufend Häftlingstransporte aus allen Richtungen des rheinisch-westfälischen Industriegebietes in den Kellern des Auffanglagers beim Dortmunder Hüttenverein ein, zumeist aus "politischen" wie aus "rassischen" Haftbegründungen.

Auch deutsche "Halbjuden" befanden sich unter den Gefangenen. Aus den Akten der Staatsanwaltschaft geht nachweislich hervor, dass sich unter einem Essener Gefangenentransport auch zwei Jüdinnen, Frau Julie Risse, geb. Salomon, die Mutter des oben erwähnten Rolf Risse und Frau Klara Adolph befunden haben, die in einer "Mischehe" gelebt und im September 1944 von der Gestapo "übersehen" worden waren, weil sie nicht als Jüdinnen registriert worden waren.

Auszug aus einem Notizbuch von Rolf Risse, Eintrag am 21. Mittwoch: Mutti von Polizei weg-geholt. (...)

Auszug aus einem Notizbuch von Rolf Risse:
Eintrag am 21. Mittwoch: Mutti von Polizei weg-geholt. (...)
Eintrag am 24. Samstag: Muter (sic!) auch a. Essen mitgenommen (...)

Erst aufgrund einer Denunziation aus der Bevölkerung hatte die Gestapo in Essen am 27. November 1944 Klara Adolph und am 21. Februar 1945 Julie Risse festgenommen. In mindestens zehn Massenexekutionen ermordeten Angehörige der Dortmunder Gestapo-Leitstelle zwischen dem 7. März und dem 9. April 1945 etwa 300 Männer und Frauen, darunter überwiegend ausländische Zwangsarbeiter, aber auch etwa 80 Personen deutscher Staatsangehörigkeit. Am 4. April 1945 - eine Woche vor dem Einmarsch von US-Truppen in Dortmund - waren auch Frau Risse und Frau Adolph aus den Kellern der Vergüterei abgeführt und in das Hausgefängnis der Gestapo an der Benninghofer Strasse gebracht worden.

In der Nacht zum 6. April 1945 öffneten sich ihre Gefängniszellentüren für die Exekutionsfahrt in den Rombergpark, wo sie ermordet worden sind. Zahlreiche Häftlinge des Auffanglagers Hüttenwerk sind Opfer der Gestapo-Morde in Bittermark und im Rombergpark geworden. Trotz Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft und der britischen Militärverwaltung, die bereits 1946 einsetzten, konnten nicht alle Einzelheiten der Exekutionen und ihre Beteiligten aufgeklärt werden. Es ist auch heute noch nicht einmal sicher, ob alle Hinrichtungsstätten bekannt sind. Vermutlich endeten die Exekutionen in Dortmund erst, als die letzten Mitarbeiter der Gestapo unmittelbar vor dem Einmarsch der Amerikaner am 12. April 1945 die Stadt verliessen und sich über das Ausweichquartier Hemer in verschiedene Richtungen absetzten

Ein Gedenkblatt in Yad Vashem

Julie Risse, geb. Salomon, geboren am 7. Oktober 1893, ist im April 1945 in Dortmund-Hörde von der Gestapo erschossen worden.

Gedenkblatt in Yad Vashem, Israel. Die Mutter von Rolf Risse, Julie Risse, geb. Salomon, geboren am 7. Oktober 1893, ist am 6. April 1945 in Dortmund, Rombergpark/Bittermark von der Gestapo erschossen worden.

Quelle zeitgenössisches Dokument: Archiv GELSENZENTRUM (Nachlass Risse)


Andreas Jordan, September 2009

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