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Zwangsarbeit in Gelsenkirchen 1940-1945

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Die Flucht des M. G. Peters

(...) Die immer schlechter werdende Lebensmittelversorgung, der erhöhte Arbeitsdruck, die allmähliche Einschränkung ihrer Freiheiten, insbesondere jedoch die Angst vor den ständigen Bombenangriffen waren die Hauptgründe dafür, diesen Schritt zu wagen. M. G. Peters aus Holland, der als Achtzehnjähriger von Juli bis August 1943 für die Firma Hundt und Weber in Schalke arbeiten musste, berichtet dazu:

"Es gab beinahe keine Nacht und später auch keinen Tag ohne Luftalarm. Wir mußten dann schnell zum Schutzkeller in einem nahe gelegenen Gebäude rennen. Die Russen durften da nicht bleiben; sie hatten sich selbst unterirdische Schutzräume gegraben. (...) Auf der Polizeistelle bekam man zu zweit einen Paß ausgehändigt. Man durfte sich nicht näher als zehn Kilometer an die Grenze begeben. Unser Reiseziel stand fest: nach Hause. Und Samstagnachmittag, in der fünften Woche, brachen wir in Richtung Goch auf. Danach gingen wir doch über die Grenze, was keinerlei Probleme gab. Einen Tag zu Hause und den anderen Tag wieder zurück nach Gelsenkirchen-Schalke. Ich hatte den Entschluß gefaßt, beim nächsten Mal für immer nach Hause zurückzukehren. (...) Nachdem wir sechs Wochen lang viel Arbeit, wenig Ruhe und schlechte Ernährung ausgehalten hatten, haben wir zu dritt eine gelungene Flucht hinter uns gebracht. Das Ganze vollzog sich um halb sechs morgens. Gerade hatte es Phosphorbombardements gegeben, in den Straßen lag noch immer brennendes Phosphor."

Eine derartige "Vorzugsbehandlung", wie sie den Westarbeitern in der ersten Zeit zuteil wurde, genossen Arbeitskräfte aus Polen und der Sowjetunion ("Ostarbeiter" und Kriegsgefangene) allerdings nicht. Ihr Status war von vornherein der des Zwangsarbeiters, dem man mit äußerstem Mißtrauen begegnete. Gleich nach ihrer Ankunft in Gelsenkirchen wurden sie von den Polizei- und Meldebehörden erkennungsdienstlich erfasst, die Meldekarten mit Fotos und Fingerabdrücken versehen, um im Falle der Flucht der Gestapo die Fahndung zu erleichtern. Von Freiwilligkeit konnte hier keine Rede mehr sein. (...)

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Andreas Jordan, Oktober 2009

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