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Zwangsarbeit: Endphaseverbrechen

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Endphaseverbrechen in Gelsenkirchen

Jugendlicher im 'Volkssturm'

Abb.: Jugendlicher Angehöriger des "Volkssturm"

Täter bei Endphaseverbrechen waren nicht etwa nur Angehörige staatlicher Organe und natio- nalsozialistischer Organisationen wie Gestapo, Kripo, SS sowie der Wehrmacht, sondern auch Jugendliche aus HJ, Zivilisten, Volkssturm, Hilfspolizisten, Wachmänner irgendwelcher Herkunft und auch unorganisierte, "ganz normale" Bürger wirkten daran mit. Ihre Opfer waren Zivilisten und Soldaten, die der Wehr- kraftzersetzung oder Fahnenflucht beschuldigt wurden, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene sowie KZ-Häftlinge auf Todesmärschen. Täter waren oftmals unsere lieben Nachbarn, Enkel und Großväter, von denen viele von der Frage getrieben handelten: "Wenn die ehemaligen Gefangenen nun uns das antun was wir ihnen und ihren Landsleuten antaten - dann Gnade uns Gott". Die Endphaseverbrechen wurden zumeist nicht im Einzelnen von oben angeordnet, sie fanden nicht auf direkten Befehl statt. Doch sie geschahen durchaus im Sinne des NS-Regimes und wurden von diesem begünstigt.


Das letzte Aufgebot: Enkel und Großväter als Mordgehilfen im "Volkssturm"

Auch die vielerorts in den letzten Monaten des zweiten Weltkrieges von Angehörigen des so genannten "Volkssturm" ("waffenfähige" Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren) begangenen Endphaseverbrechen wurden nach 1945 unter dem Mantel des Verschweigens verborgen, nur wenige Fälle wurden öffentlich bekannt. So wurden Ende März 1945 neun Zwangsarbeiter, deren Identität nie geklärt werden konnte, im Stadtgarten Gelsenkirchen ermordet. Obwohl zwischen 1946 und 1948 sowie zwischen 1957 und 1961 Ermittlungen angestellt wurden, konnten die Täter nicht zweifelsfrei festgestellt werden, vermutlich waren es Angehörige einer "Volkssturmeinheit".

Die hier genannte Tötungshandlung gehört zu einer Reihe von Endpasenverbrechen auf Gelsenkirchener Stadtgebiet. Dazu gehören u.a. auch die Erschießung von jüdischen Zwangsarbeiterinnen aus dem KZ-Außenlager Buchenwald in Horst, die sich nach einem Bombenangriff auf die Gelsenberg Benzin AG in Gelsenkirchener Krankenhäusern in Horst und Rotthausen befanden, von dort von der Gestapo abgeholt und an unbekannten Orten erschossen wurden, die Erschießung eines Ingenieurs der Deutschen Eisenwerke in Bulmke durch den Volkssturm-Mann (Freikorps Sauerland) Johannes Mehrholz, Erschießungen von Zwangsarbeitern in Horst, Erschießung von Zwangsarbeitern auf dem Friedhof "Am Stäfflingshof" in Schalke, der Tod des englischen Piloten Norman Coatner Cowley in Buer, der nachdem er den Absturz seiner Maschine unbeschadet überstanden hatte, an den Folgen der ihm von Angehörigen der "Volksgemeinschaft" zugefügten Mißhandlungen starb und auch die Massenerschießung von 11 Zwangsarbeiter*innen 28. März 1945 im Westerholter Wald. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn wie viele andere Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und NS-Gegner von der Gestapo im Wege der "Sonderbehandlung" in der Endphase des zweiten Weltkrieges allein in Gelsenkirchen ermordet wurden, wird sich nicht mehr feststellen lassen.

Exhumierte Zwangsarbeiter im Stadtgarten Gelsenkirchen, 1946

Abb.: Exhumierte Zwangsarbeiter im Stadtgarten Gelsenkirchen, 1946

Tatortskizze zu dem Morden an Zwangsarbeitern in der Endphase des zweiten Weltkriegs im Stadtgarten Gelsenkirchen

Abb.: Tatortskizze zu dem Morden an Zwangsarbeitern in der Endphase des zweiten Weltkriegs im Stadtgarten von Gelsen- kirchen, erstellt 1957

Quelle Abbildungen Massentötungen Stadtgarten: Daniel Schmidt (Hrsg.)"Gelsenkirchen im Nationalsozialismus", Katalog zur Dauerausstellung, Schriftenreihe des Instituts für Stadtgeschichte - Materialien, Band 12, S. 228. Essen, 2017

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Andreas Jordan, Oktober 2018

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