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Lewis R. Schloss, genannt "Lutz"

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Trudy und Lewis Schloss (sitzend) mit Herman Neudorf 1987 Trude (Trudy) und Lewis Schloss (sitzend) mit Herman Neudorf 1987

Lewis Schloss und Herman Neudorf aus Gelsenkirchen-Horst und Trude Schloss, geborene Ullmann überlebten Riga, Stutthof und Buchenwald. Lewis Schloss gelang zusammen mit seinem Vater Max am 16. März 1945 mit Hilfe des deutschen Vorarbeiters Heinrich Hoppe die Flucht aus dem Außenlager des KZ Buchenwald beim Bochumer Verein (Lager an der Brüllstrasse)

Trude Ullmann und Lewis Schloss lernten sich im KZ Riga-Kaiserwald kennen. Lewis hatte Buchweizen organisiert, "befreit", wie er es nannte, und bot Trude davon an. "Ich mochte ihn, weil er mir etwas zu essen gab", sagte sie mit einem wissenden Lachen. "Wir waren befreundet". Lewis Schloss wurde später nach Buchenwald verlegt. Nach ihrer Befreiung aus Buchenwald, während einer Reise nach Stuttgart, traf Trude Ullmann eine Frau aus Lewis Schloss' Heimatstadt Gelsenkirchen. Sie gab der Frau einen Zettel für Lewis mit, auf dem stand nur: "Ich lebe, ich warte in Stuttgart". Knapp ein Jahr später fand Lewis sie dort. "Geh mit mir" sagte er ihr damals, "Wir werden heiraten".

Die Hochzeit fand noch vor der Emigration statt. Am 10/11. Mai 1946 ging das Ehepaar Schloss in Bremerhaven an Bord der "SS Marine Flasher", am 20 Mai erreichte das Schiff New York. Nach der Emigration änderte Ludwig Richard Schloss seinen Namen in Lewis R. Schloss. Lewis Schloss starb am 1. Juli 2000 im Alter von 79 Jahren an Krebs. Trude lebt heute in einem Pflegeheim in den USA.


Unsere sieben Monate in Buchenwald

Abschrift eines Berichtes von Lewis Schloss, verfasst kurz nach seiner Befreiung:

"Mitte August 1944 kamen mein Vater und ich zusammen mit ungefähr 1300 Juedischen Haeftlingen im Konzentrationslager Buchenwald an. Wir, mein Vater [1], Mutter [2] und ich wurden von unserem Hause in Gelsenkirchen-Horst zusammen mit 1000 anderen Menschen juedischem Glaubens nach Riga deportiert. Bis Juli 1944 waren wir dort im Ghetto und Konzentrationslager Kaiserwald und vielen anderen Arbeitslagern und als die Russen naeher kamen, wurden wir, die bis dahin ueberlebten, bei Schiff von Riga zum KL Stutthof [3] gebracht. Und von dort, nach G.s.D. [4] nur kurzer Zeit, zum KL Buchenwald transportiert. Als wir im KL Buchenwald ankamen, wurden wir durch das Tor mit dem nie vergessenen Worten "JEDEM DAS SEINE" marschiert.

Zu der Zeit war das Lager so gepackt mit Haeftlingen, dass man uns in eine Zelt brachte. Wenn mein Vater und ich die Zustaende im Zelt sahen, entschlossen wir uns, dass wir besser im Freien unter den Sternen schlafen wuerden. Unsere Gruppe brauchte für einige Tage nicht arbeiten und so wanderte ich im Lager herum und sah ploetzlich eine Gruppe von zwischen 100 und 50 Haeftlingen in einer Uniform, die ich nicht kannte. Als ich naeher kam, hoerte ich, dass diese Leute Englisch sprachen. Es waren Amerikanische, Englische und Kanadische Piloten, die aus einem Stalaglager [5] gefluechtet waren, aber wiedergefangen wurden und zur Strafe, trotz der Genfer Konvention, ins KL Buchenwald gebracht wurden.

Ich begann mit diesen mit meinem Schulenglisch zu reden und einige Tage spaeter sah ich ein Einzelfugzeug, welches mehrere Rauchraketen abschoss. Die Piloten sagten mir, dass dieses Flugzeug das Lager markierte und dass wir erwarten koennten, gebombt zu werden. Tatsaechlich, kurz danach wurden alle Fabriken angegriffen und viele Menschen verloren ihr Leben. Da fast keine Bomben ins Lager fielen, konnte man auf einmal sehen, dass SS-Maenner I N das Lager liefen, jedesmal wenn Bomber naeher kamen.

Bald hoerte ich, dass ein Transport von Facharbeitern fuer ein Aussenlager in Bochum zusammen gesucht wuerde. Obwohl ich sonst nie mich freiwillig für ein Kommando meldete, so tat ich das dieses Mal, da ich immer im Kopf hatte, ein Mal zu fluechten. Und da Bochum nur vielleicht 10 Kilometer von Gelsenkirchen-Horst war, war es mir klar, dass es dort vielleicht Fluchtmoeglichkeiten geben wuerde. Ich hatte keine Idee, was es sein konnte, aber ich sowohl als auch mein Vater hofften!

Wir hatten Glueck und kamen auf diesen Transport und trafen anfangs September in Bochum im Aussenlager beim "Bochumer Verein" (ein). Mein Vater und ich wurden ausgesucht, um Kranfuehrer im Werk zu werden. Wir wurden fuer ein paar Tage von einer Russin ausgebildet, die dann das Werk verliess. Das Lager bestand aus ungefaehr 10 fast neuen Baracken und nach Stutthof und Buchenwald fuehlten wir uns wie Gaeste in einem Hotel. Aber kurz nach unserer Ankunft fingen fast taegliche und naechtliche Luftangriffe an. Das Lager, das uebrigens ganz an das Werk gebaut war, lag ausserdem auch in der Mitte (auf drei Seiten umringt) von meist dreistoeckingen Wohnhaeusern. Die Bewohner dieser Haeuser konnten in unser Lager schauen und genau sehen, wie man die Haeftlinge missbrauchte. Wir sahen diese Menschen wenn sie in den Fenstern lagen und Z.B. unsere Appelle betrachteten.

In unserem Werk fabrizierten die Haeftlinge 88mm-Granaten für die Panzer der Armee. Unsere Haeftlinge wurden trainiert von deutschen Vorarbeitern. Die meisten Gefangenen kamen aus verschiedenen Laendern und die meisten sprachen wenig oder ein schlechtes Deutsch. Waehrend eines Luftangriffes traf mein Vater einen dieser Vorarbeiter. Irgendwie sprach dieser Mann meinen Vater an, und wenn mein Vater ihm antwortete, sagte er, wo haben sie denn gelernt, so ein perfektes Deutsch zu reden. Wenn mein Vater ihm erklaerte, dass er Deutscher war und ganz nahbei gewohnt hatte, frage dieser Mann, was mein Vater's Name war. Mein Vater sagte ihm, mein Name ist MAX SCHLOSS und dann fragte er, und wie heissen Sie? Wenn mein Vater hoerte, dass sein Name HEINRICH HOPPE war, sagte er ihm: Ich kannte einen FRITZ HOPPE, ist der verwandt mit ihnen? Heinrich Hoppe sagte ihm dann, dass Fritz sein verstorbener Bruder war und er gab meinem Vater sein Butterbrot.

Bevor ich nun jetzt weitergehe, moechte ich noch schreiben, dass die Kraene auf welche wir arbeiteten, sehr groß waren und auf Schienen die ganze Laenge der Werkhalle liefen. Um in die Kabinen, von wo wir diese Kraene steuerten, zu kommen, mussten wir auf steilen Leitern an der Werkhallemauer ungefaehr 15 Meter heraufklettern. Diese Kabinen haengten unter den Kraenen und am Ende der Halle sass noch ein Extra Kran, der im Falle eines Problems gebraucht wurde. Da mein Vater und ich auf verschiedenen Schichten arbeiten mussten, sahen wir uns meistens nur in unserer Baracke. Wenn mein Vater mir ganz aufgeregt ueber das Treffen mit Heinrich HOPPE erzaehlte,dachten wir erst, wie wir dieses Glueck am besten fuer uns benuetzen koennten. Denn in der Zwischenzeit hatten wir die meisten Baracken durch Bombenangriffe verloren und unsere Rationen waren immer kleiner und kleiner geworden und so hatten dauernd Hunger.

Wir entschlossen uns, es zu wagen, Heinrich Hoppe zu fragen, ob er fuer uns einen alten Freund meines Vaters, HEINRICH WILMES in Gelsenkirchen-Hessler zu sehen und ihn zu beten, uns extra Brot, Butter und andere Lebensmittel durch Heinrich Hoppe ins Lager zu bringen. Er, Heinrich Hoppe, stimmte damit zu und am naechsten Sonntag, ungefaehr Mitte Oktober 1944, nahm er sein Fahrrad und fuhr von Wattenscheid, wo er wohnte, nach Gelsenkirchen-Hessler. Unser Freund, Heinrich Wilmes, war sehr vorsichtig als er hoerte, dass wir in einem KL Lager in Bochum waren.

Aber wie wir nach dem Krieg von ihm hoerten, entschloss er sich, ZWEI Pakete zu machen, eines fuer uns und eins fuer Heinrich Hoppe, um sicher zu sein, dass er mit kompliziert war und nicht irgendwie betrogen wurde. Na, alles klappte, wir waren sehr froh, extra Rationen zu haben und auch Heinrich Hoppe und seine Frau waren fuer die extra Lebensmittel dankbar. Dann, ungefaehr Weihnachten 1944, kam Heinrich Hoppe mit einem schoenen Paekchen von Heinrich Wilmes fuer uns und er sagte, ich habe schoene Gruesse fuer euch vom Heinrich, und falls ihr ihn besuchen wollt, seit ihr willkommen.

Keiner kann sich vorstellen, was dieses fuer uns bedeutete. Nun endlich hatten wir einen Platz zu dem wir gehen konnten, falls es uns gelingen wuerde, aus dem Lager zu fliehen. Sofort begannen wir, herauszufinden, was wir fuer unsere Flucht brauchen. Da wir natuerlich nur Zebra-Uniformen [6] trugen, waer das Erste, Zivilkleidung ins Lager zu schmuggeln. So ganz langsam brachte Heinrich Hoppe alte Arbeitskleidung fuer uns in die Werkhalle und waehrend Alarmen, die wir jetzt dauernd hatten, versteckten wir diese Bekleidung in der Kabine des EXTRA Kranes. Da das K.L. Bochumer Verein in mitten von Haeusern lag, hatte unser Lager extra Zaeune, um Haeftlinge vom fliehen abzuhalten. So hatten wir nicht nur SS Wachen, aber auch Werks- und Ortspolizei. Aber die deutschen Vorarbeiter und Instrukteure hatten besondere Paesse, mit welchen diese Leute durch einen Aus-und Eingang gehen konnten. Ich dachte, wir muessen uns so einen Pass besorgen und unser Freund besorgte mir eine Feldpostkarte, (die Groesse des Passes), Schreibmaterial, einen roten Farbstift um die roten Linie des Passes zu kopieren und Tinte usw.. Ich war immer ein bischen zeichnerisch begabt und ich selbst kann sagen, dass ich eine passable Kopie des Passes hervorstellte.

Aber dann gab es ein grosses Problem, wir brauchten ein Passfoto fuer unsere "Ausweise". Natuerlich hatte die SS keinen Fotoservice fuer uns. Aber hier kommt eine Sache, fuer welche ich noch niemals eine rationale Erklaerung geben konnte oder gehabt habe. Schon ganz im Anfang, kurz nach unserer Ankunft in Riga, fand ich eine kleine Metalldose, ungefaehr 5 x 5 centimeter und 3 centimeter hoch, die ich als mein Portmonnaie gebrauchte. Die Dose enthielt mal Bonbons der Firma Kuze in Riga und in dieser hatte ich ein paar Rasierklingen, Nadel und Zwirn, einige Knoepfe, ein paar Geldmuenzen und zwei Fotos, gemacht in einem Automat. Diese Fotos waren nicht Bilder meiner Mutter, oder meiner Schwestern, oder meiner Grosseltern oder anderer Verwandter, nein, diese ZWEI Fotos, waren ein Foto von meinem Vater und von mir selbst. Ich habe keine Idee, warum ich diese Fotos behielt, denn schliesslich brauchte ich nur in einen Spiegel zu schauen um mich zu sehen.

Auf jeden Fall waren diese Bilder, die ich fuer Jahre in dieser Dose durch alle Laeger schleppte die, die ich benoetigte, um unsere falschen Paesse echt aussehen lassen zu koennen. Nun hatten wir Alles vorbereitet zur Flucht, aber immer noch eine Ahnung, wie und wann wir fluechten. Es war mir aber klar, dass der einzige Weg aus dem Lager war durch den Ausgang fuer das deutsche Personal des Bochumer Vereins. Und so fing ich an, bei jedem Flugalarm, anstatt in den Luftschutzkeller zu gehen, auf der Kranleiter weiter herauf zum Dach zu gehen, um zu sehen, ob es moeglich waere, waehrend eines Angriffes zu fluechten. Was ich aber sah, war dass die SS und die Polizei ihre Wachmanschaft verdoppelten, da - ich nehme an - sie auch dachten, dass Haeftlinge waehrend einem Luftangriff fliehen wuerden.

Die Tage gingen vorueber und ich war ganz verzweifelt, wie wir aus dem Lager kommen. Und dann, am 14. Maerz 1945, am Morgen kletterte ich noch einmal auf das Dach, um zu sehen, wie die Sache aussah. Zu meiner Ueberraschung stellte ich fest, dass, wenn kein Angriff oder Alarm war, nur einzelne SS und Polizei die Tore bewachte. Um 12 Uhr mittags sah ich dann, dass unser duemmster SS Mann Wache stand und ich wusste auf einmal, wie wir fluechten konnten und dies der Tag und die Zeit war zu fluechten. In der Mittagspause ging ich anstatt die Suppe zu essen, in das Lager und sagte meinem Vater, der schon einige Tage sehr krank war, dass er mit mir kommen musste und dass wir heute, nein jetzt, fliehen wuerden.

So gingen wir beide zurueck in die Werkhalle, kletterten die Kranleiter herauf, gingen in die Kabine, wo wir unsere versteckten Zivilkleider hatten. Wir zogen uns um, nahmen die Arbeitsmuetzen, die unsere kurzen Haare versteckten, und ich nahm die Brille meines Vaters auf meine Nase. Das Resultat war, dass weder er ohne, sowie ich mit der Brille kaum sehen konnten. Aber dieser Wechsel half uns, ganz anders auszusehen. Wir kletterten in voller Sicht aller Mitgefangenen die Kranleiter herunter, marschierten durch die ganze Werkhalle nach aussen zum Tor, hielten unsere "Paesse" in der Hand und spazierten einfach durch alle Kontrollen und wir waren draussen. Der dumme SS Mann sagte nur zu uns, warum sprecht ihr so laut, was wir garnicht fuehlten, aber wir taten das, um als ECHTE Deutsche zu erscheinen. Die Sonne schien, es war ungefaehr 1 Uhr 30 mittags und wir waren in der Freiheit. Wir gingen dann erst mit der Strassenbahn, die ich mit meinen wenigen Muenzen bezahlte und dann zu Fuss nach Gelsenkirchen-Hessler, wo unser Freund Heinrich, nachdem er uns erkannte, fuer ungefaehr zwei Wochen versteckte und ernaehrte.

Heinrich Wilmes hatte eine Drogerie an der Heßlerstraße in Gelsenkirchen-Heßler. Vorübergehend lebten Max und Lutz Schloss nach der Flucht aus dem KZ-Außenlager hier.Heinrich Wilmes hatte eine Drogerie an der Heßlerstraße in Gelsenkirchen-Heßler. Vorübergehend lebten Max und Lutz Schloss nach der Flucht aus dem KZ-Außenlager auch dort.

Unser Freund Heinrich Wilmes erklaerte seinen Nachbarn, dass wir ausgebombte Verwandte waren und dass ich, - da ich ja wehrpflichtig war -, mehrmahls an der Front verwundet war und ich Erlaubnis hatte, nach "Hause" zu gehen. Da Heinrich alles so gut wie moeglich normal aussehen lassen wollte, gingen wir auch mit ihm in den Bunker, wenn die Sirenen heulten. Der Bunker war in einer Schlackenhalde mit parallel laufenden Baenken. So, eines Tages sassen wir mit ihm im Bunker, als wir gegenueber von einem Polizisten in Uniform sassen. Wir sahen, dass er uns erkannte, genau wie wir ihn, denn er wohnte nur einen Block von unserer frueheren Wohnung. Wir fuerchteten um unser Leben, aber wir glauben, dass auch er wusste, dass der Krieg verloren war und er tat nichts gegen uns. Natuerlich gingen wir nicht mehr in den Bunker und nach ein paar Tagen gingen wir zu Heinrich's Bruder, THEO WILMES in Essen, wo wir, bis die Amerikanischen Truppen die Stadt besetzten, versteckt wurden.

Wir wurden befreit am 10. April 1945 durch die Truppen von der 17th Airborne Division. Wir erfuhren spaeter, dass das Lager beim Bochumer Verein nur einige Tage nach unserer Flucht aufgeloest wurde und alle Ueberlebenden nach Buchenwald zurueckgebracht wurden. Von allen diesen Menschen, die noch am 17. Maerz lebten, hoerte ich, dass weniger als 50 Leute den Tag der Befreiung Buchenwald's erlebten.

Da ich etwas Englisch sprach, offerierte ich mich den Amerikanern als Dolmetscher und wurde auch akzeptiert. In amerikanischer Uniform fuhr ich mit einem Offizier um den 1. Mai 1945 herum in einem Jeep nach Bochum, um einige der deutschen Zivilarbeiter, die uns so oft schlugen, zu verhaften und den frueheren KZlern zu uebergeben. Keiner, bestimmt auch ich nicht, konnte glauben, was wir nicht mehr sahen. Das KZ beim Bochumer Verein war spurlos verschwunden und wenn ich die Direktion fragte, was mit dem Lager geschah, wurde die Existenz des Lagers verleugnet. So ist es kein Wunder, dass es heute Leute gibt, welche den Holocaust verleugnen, insbesondere wenn schon damals viele Deutsche luegten. Sie warteten nicht mal zum Ende des Krieges am 8. Mai 1945.

Mein Vater, MAX SCHLOSS, wurde am 29. Dezember 1889 in Ulrichstein in Hessen geboren, er war Kriegsfreiwilliger von 1914 bis 1919 wie auch sein Bruder Hugo. Sein Bruder MORITZ starb auf dem Felde der EHRE fuer das "dankbare Deutsche Reich". Er kam 1947 nach den USA, wo er ein paar Tage nach seinem 65. Geburtstag starb. Es war ihm nie moeglich seine Gesundheit wiederzugewinnen. Er starb am 2. Januar 1955. Seine KL Buchenwald Nummer war: 82546.

Meine Nummer war 83111. Ich wurde am 20. Mai 1921 in Horst-Emscher, spaeter Gelsenkirchen-Horst, geboren und lebe heute mit meiner Frau Trudy, die auch das KZ ueberlebte, in Teaneck, N.J., USA. Alles, was ich hier beschreibe, ist die Wahrheit und ich hoffe, die neue deutsche Jugend wird alles tun, damit sich diese Vergangenheit nie wieder in Deutschland oder ganz gleich wo, wiederholt."

Theo Wilmes und Bella Neudorf vor Theos Gaststätte in EssenTheo Wilmes und Bella Neudorf vor Theos Gaststätte "Clubhaus Wilmes" in Essen.

Heinrich Hoppe lebte nach dem Krieg in Wattenscheid, dort starb er 1965. Theo Wilmes lebte im Alter vom 87 bei guter geistiger Gesundheit mit seiner Frau in Essen. Unser Freund Heinrich Wilmes ist 89 und körperlich fit. Allerdings ist er ein wenig vergesslich geworden. Wann immer wir in Deutschland sind, versäumen wir nicht, ihn und seine Familie zu besuchen. Ohne seine Hilfe und seine Menschlickeit hätten wir sicherlich nicht überlebt. Heinrich und Theo Wilmes wurden 1973 von Yad Vashem Israel als "Gerechte unter den Völkern" geehrt.

Abschrift eines Berichtes von Lewis R. Schloss, Spitzname "Lutz" aus dem Jahr 1987. Quelle: Archiv Gelsenzentrum e.V., Farbfotos: Privatbesitz Herman Neudorf.

Anm. Andreas Jordan: Von den damals 70 Millionen Deutschen sind 455 als Gerechter der Völker geehrt worden, weil sie Juden das Leben gerettet haben.

Theo Wilmes wohnte früher ebenfalls in Gelsenkirchen-Horst. Er betrieb in den 1930er Jahren eine Gaststätte an der Markenstrasse, Ecke heutige Schlossstrasse/ Strundenstrasse. Später eröffnete er eine Gaststätte im Essener Süden. In dieser Gaststätte versteckte er Lewis und Max Schloss in einem Hinterzimmer, während vorne im Gastraum die Nazis feierten. Lewis Schloss erfuhr nach dem Krieg, das ihre Flucht schon bald von der SS endeckt worden war. Zur "Strafe und Abschreckung" wurden daraufhin in dem Bochumer Außenlager mehrere Dutzend Häftlinge von der SS erschossen.

1 Max Schloss, geboren am 29. Dezember 1889 in Ulrichstein/Hessen. Max Schloss emigrierte 1947 in die USA
2 Julia (Julie) Schloss, geboren am 12. Mai 1897 in Unna, geborene Löwenstein. Sie starb etwa zwei Wochen nach ihrer Befreiung aus dem KZ -Aussenlager Sophienwalde (Stutthof) an den Folgen der erlittenen KZ-Haft.
3 Abkürzung für Konzentrationslager "KL" (nationalsozialistischen Sprachgebrauch, allgemein: KZ.
4 Abkürzung für G'tt sei Dank.
5 Stalaglager, gemeint ist Stammlager (im nationalsozialistischen Sprachgebrauch Stalag).
6 Lagerjargon, gemeint ist die Gestreifte Häftlingskleidung.

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Andreas Jordan, Februar 2011

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