KINOR - Jüdischer Kulturverein Gelsenkirchen

KINOR - Jüdischer Kulturverein Gelsenkirchen


Im Rahmen einer Kooperation mit GELSENZENTRUM e.V. stellt sich hier der Jüdische Kulturverein KINOR vor. Die Veröffentlichungen werden von unserer Redaktion multimedial aufbereitet und hier veröffentlicht, die inhaltliche Verantwortung für die Beiträge liegt jedoch bei KINOR E.V.

Redaktionsteam Gelsenzentrum

KINOR: Offener Appell

Ein offener Appell des Jüdischen Kulturvereins KINOR an die Gelsenkirchener Institutionen und an die Öffentlichkeit aus Anlass des bevorstehenden Tag des Gedenkens an die Pogromnacht am 9. November 1938

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Jüdische Gemeinschaft in Deutschland - auf der Suche nach dem Weg
Kritik, Analyse und Blick in die Zukunft

Ein Artikel von Elena Gubenko, Leiterin des jüdischen Kulturvereins KINOR e.V. in Gelsenkirchen. Sie wurde 2008 für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement mit dem Preis «Migradonna» gewürdigt – ein Preis für starke Frauen mit Migrationshintergrund. Der Jüdische Kulturverein KINOR wurde 2006 für seine vielseitige Tätigkeit mit dem bundesweiten Preis «Aktiv für Demokratie und Toleranz» ausgezeichnet.

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Buchvorstellung im Oktober 2009

Der Jüdische Kulturverein KINOR in Gelsenkirchen stellt sein neues Buch "Jüdisches Leben in Gelsenkirchen mal anders" vor. Hier ist er, der Kulturverein KINOR in Fakten und Daten - eine einmalige Erscheinung im jüdischen Kulturleben Deutschlands.

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KINOR ist der Preisträger 2006 im bundesweiten Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz". Die Vorsitzende Elena Gubenko ist die erste Trägerin des Preises "Migradonna - Der Preis der starken Frauen", der 2008 in Gelsenkirchen verliehen wurde. (Ein Preis für die Frauen, die sich in der ehrenamtlichen Migrations- und Integrationsarbeit besonders stark gemacht haben).

Der gemeinnützige Kulturverein KINOR - ein progressives Netzwerk, eine Bewegung für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, für ein interkulturelles Miteinander

Jüdische Einwanderung – ein Reizwort. Mythen und Realität, Probleme und Perspektiven Gelsenkirchen 23.11.2008 Referentin: Dr. Irene Runge, Soziologin, Journalistin, Autorin, Vorsitzende des Jüdischen Kulturvereins Berlin e.V. Moderation: Antje Röckemann, Pfarrerin, GenderReferat im Evangelischen Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid Veranstalter: Jüdischer Kulturverein KINOR e. V. In Zusammenarbeit mit dem Referat Kultur und dem Integrationsbeauftragten Gelsenkirchen Dr. Irene Runge, 1942 in New York als Kind deutsch-jüdischer sozialistischer Emigranten geboren.1949 Übersiedlung der Familie in die SBZ/DDR. Ab 1970 Studium der Ökonomie und Soziologie an der Humboldt Universität, Promotion, wissenschaftlich und publizistisch vor allem zu Themen wie Altern, Alltag, jüdisches Leben und Migration tätig, mehrere Buchveröffentlichungen. 1989/90 Mitbegründerin, später 1. Vorsitzende des Jüdischen Kulturvereins Berlin e.V. (JKV) Im zweiten Teil der Veranstaltung findet eine offene Diskussion statt mit der Teilnahme der Juden aus verschiedenen Städten, die über die Situation in der jüdischen Gemeinschaft Deutschlands aus ihrer Sicht berichten und ihre Visionen der Zukunft vorstellen. Die Veranstaltung hat das Ziel, die deutsche Gesellschaft auf reale aktuelle Probleme aufmerksam zu machen, die mit dem Aufbau des jüdischen Lebens in Deutschland verbunden sind.

Der eingetragene Verein wurde offiziell 2000 gegründet. Als eine Gemeinschaft ist er aber in unserer Stadt und Region seit 1993 aktiv. KINOR ist bereits ein unentbehrlicher Teil der kulturellen, sozialen und politischen Infrastruktur der Stadt und Region geworden. Integrationsarbeit mit Zielgruppen verschiedenen Alters, mit Frauen, Kultur und Kunst, vielseitige außerschulische Kinder- und Jugendarbeit, gesellschaftliches/bürgerschaftliches Engagement - die Schwerpunkte von KINOR.

"Die Vergangenheit nicht vergessen, mit der Gegenwart leben, über die Zukunft denken und das neue Leben hier und heute aufbauen" - das ist das Motto des Vereins KINOR.

Elena Gubenko, Vorsitzende des jüdischen Kulturvereins KINOR in Gelsenkirchen


Antworten vom Verein KINOR zur Befragung der «Jüdischen Zeitung» zur "Zukunft des Modells Jüdischer Kulturverein“. Anlass: In Berlin steht der JKV vor dem Ende.

Befragung der "Jüdischen Zeitung" für den Kommentar zur "Zukunft des Modells jüdischer Kulturvereinen"

Haben jüdische Kulturvereine in Deutschland - angesichts des negativen Beispiels aus Berlin eine Zukunft?

Bei der vorhandenen Situation haben jüdische Kulturvereine in Deutschland sehr schwere Lage und müssen um Überleben kämpfen. Die alternativen jüdischen Organisationen haben die grundlegende Arbeit der Integration auf sich genommen, die nicht das Ziel religiöser Gemeinden sein kann und zu deren Verwirklichung sie nicht im Stande sind (diese Aufgabe ist den Gemeinden aufoktroyiert worden und dafür bekommen sie viel Geld).

Auch die Teilnahme an den staatsbürgerlichen und politischen Leben des Landes, der interkulturelle Dialog realisieren für Juden gerade jüdische Kulturvereine, sie tragen noch viele anderen wichtigen Funktionen. Auch das religiöse Leben in Vereinen verwirklicht sich frei, zwanglos, in einer wärmen menschlichen Atmosphäre und ist viel attraktiver und anziehender für Juden als in den Gemeinden - den «Goldenen Käfigen». Allerdings werden jüdische Kulturvereine von der deutschen Seite nicht als vollgültige Vertreter der Juden in Deutschland angesehen, sie erfahren keine moralischen und keine materiellen Unterstützung, sondern, im Gegenteil, Widerstand von Seiten der offiziellen jüdischen Strukturen, die nur für ihre Selbsterhaltung arbeiten, die um ihr Monopol gegen jede Konkurrenz kämpfen. Diese Strukturen streben danach, die Vielschichtigkeit des Judentums in Deutschland zu unterdrücken, seine unterschiedliche Identität, sein Selbstbewusstsein und seine Ausdrucksmöglichkeiten.

Der Ausgangspunkt ist bei falscher deutscher Politik gegenüber den Juden. Man darf nicht Juden als stimmlose Statisten, als Ventile in politischer Kampagne nutzen und von oben angeordnete 'Spielregeln' aufdrängen. Heute soll die ganze jüdische Struktur reformiert werden und für Juden soll ein freies Leben in verschiedenen beliebten Formen ermöglicht werden. Kulturvereine haben eine Zukunft nur als ein Teil solcher Infrastruktur.

Woher kommt die Idee eines JKV?

In Gelsenkirchen wurde 2000 der JKV KINOR gegründet, da es in der örtlichen Gemeinde keine Möglichkeiten gab für ein freies religiöses und kulturelles Leben. Man brauchte eine Alternative. Während des vieljährigen erfolglosen Kampfes für Demokratie in der Gemeinde, für Menschenrechte und freie vielseitige Entwicklung des Gemeindelebens hat sich eine Gruppe von jüdischen 'Dissidenten' gebildet - von Intellektuellen und Aktivisten, Einwanderten und Einheimischen, die von der Gemeindeleitung fortgejagt wurden. Diese Gruppe gründete den Verein KINOR.

Kann man jüdische Kultur von jüdischer Religion trennen?

Jüdische Religion ist ein Teil, ist ein der Grundsteinen jüdischer Kultur. Die Säkularisierung erobert die Welt. Vor dem Krieg waren viele deutschen Juden säkular, aber hatten Verbindung zu jüdischer Kultur. Heute sind die meisten deutschen Juden säkular. Ihr Identifikationsfaktor als Juden ist jüdische Kultur, jüdische Geschichte gehört dazu. Die Freiheit der Wahl, ein der wichtigsten Postulate der Thora, soll dem Menschen die Entscheidung überlassen – zu glauben oder Atheist zu sein. Zu jüdischer Kultur soll ja jeder Jude Zugang haben können. Es soll für Juden einen freien Raum offen sein - für Kommunikation, für Begegnungen, für gemeinsame Taten. Toleranz, Vielfalt und Pluralismus sollen die Grundprinzipien sein. Durch die intellektuelle religiöse Bildung auf dem entsprechend hohen Niveau soll für jeden Jude einen freien Weg zur Religion ermöglicht werden. Es soll eine funktionelle Trennung sein. Religiöse Gemeinden sollen professionalisiert werden, sollen nur von Rabbinern oder von anderen geistig und theologisch gebildeten Personen geleitet und geführt werden und nicht von inkompetenten Funktionären wie heute. Und diese Gemeinden sollen sich auf das religiöse Leben konzentrieren. Andere Funktionen – kulturelle, soziale, politische, integrative – sollen ein Prärogativ von Vereinen sein. Dafür sollen sie materielle Unterstützung bekommen. Religion und jüdische Sitten sind heute auch ein Teil des Lebens von Vereinen (nicht von allen), und das soll auch so bleiben. Die Gemeinden sollen mit ihren Spezialisten bei der religiösen Arbeit den Vereinen helfen.

Welche Vision verfolgen jüdische Kulturvereine? Wer kann bei einem JKV Mitglied sein?

Aus dem Buch über KINOR:

Der jüdischer Kulturverein KINOR - ein progressives Netzwerk, eine Bewegung für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, für ein interkulturelles Miteinander. Formale Komponenten der Vereinsarbeiten spielen in KINOR keine große Rolle. KINOR - ist mehr eine Bewegung, eine Gemeinschaft der Gleichgesinnten mit besonderen Denkweisen, Weltanschauungen und Lebensvisionen, ein Raum für Denken und Taten. KINOR ist ein Bestandteil der deutsch und russischsprachigen jüdischen kulturellen Infrastruktur in NRW und bundesweit.[...] Verschiedene Menschen, verschiedene gemeinsamen Taten und Aktionen – das alles kocht zusammen, explodiert sogar manchmal und prägt intensiv die gegenseitige Integration und das interkulturelles Lernen. Wir sehen die Wirkung von unserer Tätigkeit auf die gesellschaftlichen Prozesse. Wir bauen Brücken zwischen Menschen und Kulturen. Mitglieder des Vereins KINOR können alle Menschen werden - unabhängig von Religion, Herkunft, Alter und Geschlecht. Die Mehrheit unserer Mitglieder und Beteiligten sind Zuwanderer aus der ehem. UdSSR im Rahmen jüdischer Immigration.

KINOR ist bereits ein unentbehrlicher Teil der kulturellen, sozialen und politischen Infrastruktur der Stadt und Region geworden. Integrationsarbeit mit Zielgruppen verschiedenen Alters, mit Frauen, Kultur und Kunst, vielseitige außerschulische Kinder- und Jugendarbeit, gesellschaftliches/bürgerschaftliches Engagement – das sind unsere Schwerpunkte.

Philosophie

Im Mittelpunkt jeder religiösen und gesellschaftlichen Ethik steht (bzw. soll stehen) DER MENSCH!

1. Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern muss! – J. W. von Goethe

Auch in der Gesellschaft, die sich als demokratisch bezeichnet und versteht, sind solche Werte wie Demokratie, Toleranz und Pluralismus nicht etwas Selbstverständliches im realen Leben, nicht etwas statisches bzw. automatisch funktionierendes, dafür muss man kämpfen.

2. Eines der wichtigsten Prinzipien der Tora: Freiheit der Wahl! Eine Wahl ein Sklave oder frei zu sein. Der Weg zur Freiheit ist ein mühsamer, dornenreicher Weg. Umso mehr, wenn es nicht nur um eigene Freiheit geht, sondern auch um die der anderen.

Talmud:
Wenn nicht ich, wer dann?
Wenn nicht ich für mich, dann wer für mich?
Wenn ich nur für mich, dann warum, wofür bin ich?
Wenn nicht jetzt, dann wann?

3. Durch die guten und die schlechten Zeiten gehen wir mit unserem Motto-Lied, was unsere Integrations- und interkulturelle Kinder- und Jugendarbeit bezeichnet:

The more we are together, together, together,
The more we are together, the happier we shall be.
Because my friends are your friends
And your friends are my friends.
The more we are together, the happier we shall be.

4. Das Hauptmotto, unsere Marke ist:
Die Vergangenheit nicht vergessen, mit der Gegenwart leben, über die Zukunft denken und das neue Leben hier und heute aufbauen.

Können jüdische Kulturvereine als Teil einer jüdischen Gemeinde agieren? Oder sollten sie unabhängig von einer Gemeinde sein? Ohne demokratische Basis sind heute Gemeinden von subjektiven Faktoren abhängig. Mit wenigen Ausnahmen sind Gemeinden autoritär und undemokratisch. Unter dem Dach solcher Gemeinden können nur gehorsame, willfährige, konforme Vereine im Leben bleiben. Selbstbewusste Vereine mit eigener Philosophie, mit eigenen Visionen können nur unabhängig von Gemeinden existieren. Andere Frage, dass die ganze jüdische Infrastruktur reformiert werden soll. Es sollen verschiedene Formen des gemeinsamen friedlichen, kreativen, schaffenden, geistigen, kulturellen, sozialen und politischen jüdischen Lebens möglich sein.

Welche Probleme haben Jüdische Kulturvereine mit den Gemeinden?

Während der ganzen Geschichte des Vereines musste KINOR immer den Widerstand der örtlichen Gemeinde überwinden. Die ganze Existenz und Tätigkeit des Vereines wurde ständig von Gemeinde verhindert. Zusammen mit Einstellungen von deutscher Politik macht das die Position des Vereines in der Gesellschaft schwach und die Zukunft des Vereines unmöglich bzw. sehr schwer. KINOR hat selbstständig eine Initiative gegründet

Link: "SOS! Freie jüdische Initiative"

und kämpft für das würdige jüdische Leben und für die Zukunft des Judentums in Deutschland. Wie auch engagiert sich in dieser Richtung zusammen mit FORUM FÜR DIE ZUKUNFT DES J U D E N T U M S IN D E U T S C H L A N D e.V., Web: www.freie-juedische-meinung.de

Mehr zum Thema s. meinen Vortrag im Rahmen des Programms der 5. Konferenz Bet Bebora in Sofia, Juni 2009:

Link: Jüdische Gemeinschaft in Deutschland - auf der Suche nach dem Weg. Kritik, Analyse und Blick in die Zukunft

Angaben zur Person

Elena Gubenko, jüdische Aktivistin, Leiterin des Jüdischen Kulturvereines KINOR, wurde 2008 in Gelsenkirchen für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in Bereichen Integration und interkulturelle Arbeit mit dem Preis «Migradonna» gewürdigt – ein Preis für starke Frauen mit Migrationshintergrund.

Der Jüdische Kulturverein KINOR wurde 2006 für seine vielseitige Tätigkeit mit dem bundesweiten Preis «Aktiv für Demokratie und Toleranz» ausgezeichnet. Heute ist Elena Gubenko auf den Kampf für die Zukunft des Judentums in Deutschland und für Menscherechte von deutschen Juden konzentriert.

Elena Gubenko, geboren in Dnepropetrowsk/Ukraine. Dort Tätigkeit als Dipl.-Architektin, Lehrerin für die Fächer Kunst, Werken bzw. Handarbeiten und Kunstgeschichte an Schulen und Leiterin kreativer AGs und Klubs an Schulen, Kindergärten und Ferienlagern. 1993 - Einreise in die BRD, lebt seitdem in Gelsenkirchen. Hier - Kinder/Jugend-, Integrations-, Sozial- und Kulturarbeit mit einem breiten Tätigkeitsspektrum, u. A.:

Teilnahme an der jüdischen feministischen Bewegung Bet Debora, eine der Organisatorinnen und die Vertreterin jüdischer Frauen im Projekt Sarah-Hagar Ruhrgebiet für jüdische, christliche, muslimische und nichtreligiöse Frauen.
Bis 2003 - Leiterin des Schülerclubs bei der Jugendorganisation „SJD - Die Falken“
Seit 2000 - Gründerin und erste Vorsitzende des Kulturvereines KINOR
Seit 2006 - Leiterin der Gelsenkirchener Elternschule in russischer Sprache
Mehrere Fortbildungen im Bereichen Pädagogik, Sozial-, Integrations- und Kulturarbeit

22. November 2009, von Elena Gubenko

 

PROTESTAKTION PIKETT

Die nachfolgende Mitteilung wurde an den Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe, an den Zentralrat der Juden in Deutschland und an jüdische Gemeinden gesendet. Mit den zusätzlichen Informationen als Anlage wird die Mitteilung an das Landesministerium NRW und andere Institutionen in Deutschland geschickt. Die Mitteilung wird öffentlich an viele Menschen verteilt. Eine der nächsten Protestaktionen im Rahmen von "Pikett"kann in Gelsenkirchen stattfinden. Außerdem ist eine Pressekonferenz für die Medien geplant.

PROTESTAKTION PIKETT

Für wirksame Rechtspflege und gegen herrische Willkür in jüdischen Gemeinden Deutschlands (diesmal mit dem Schwerpunkt Gemeinde Bielefeld)

Pikett - Protest vor dem Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfallen-Lippe in Dortmund

Gerechtigkeit und Demokratie, Gleichheit vor dem Gesetz!
Freie und gerechte Wahlen für die Gemeinde Bielefeld!
Zukunft für Bielefelder Juden!

Am 3.11.2009 hat vor dem Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfallen-Lippe, Prinz-Friedrich-Karl-Str. 12 in Dortmund die Protestaktion "Pikett" stattgefunden. Anwesend waren 21 Teilnehmer aus 6 Städten. Nach den empörenden Ereignissen in der jüdischen Gemeinde "Beit Tikvaht" ernannten Wahlkommission wurde der Zugang zu jeglichen Dokumenten verweigert. Des Weiteren wurden trotz des Verbots durch das Gericht fünf Mitglieder aus der Gemeinde ausgeschlossen, die als Konkurrenten bei der Wahl galten. Die von Gericht bestimmten Wahlen wurden nicht eingehalten.

Die Leitung der einzigen jüdische Gemeinde der Stadt Bielefeld wurde quasi von einer Gruppe, die die deutschen Gesetze nicht einhält, ergriffen. In der Gemeinde herrscht Angst, die meisten Mitglieder können sie nicht besuchen. Diesem schockierenden Verhalten seitens des nicht legitimen Gemeindevorstands wird weder vom Landesverband der jüdischer Gemeinden von Westfalen-Lippe noch vom ZdJ entgegengewirkt. Leider ist das Schiedsgericht beim Zentralrat der Juden nicht fähig, eigene Entscheidungen zu treffen. Der jüdischen Themis Deutschlands wurden nicht nur die Augen verbunden, sondern auch die "Hände gebunden und der Mund fest zugeklebt".

Was Demokratie und die Einhalten der Gesetze angeht, so ist in der jüdischen Gemeinschaft schon seit langem nicht alles in Ordnung. So genannte "Randmitglieder" vieler Gemeinden sind der Willkür, Repressionen und Diskriminierung seitens der autoritären Gemeindeleitungen schutzlos ausgeliefert, die dank der Gesetzlosigkeit und der Unterstützung dieser Leitungen von den Landesverbänden und vom Zentralrat erstarkt sind. Jegliche Versuche, einen Dialog aufzubauen, sowie etliche Briefe und Appelle werden vom Zentralrat und von den Landesverbänden ignoriert.

Die Situation in der Gemeinde Beit-Tikwa ist ein empörendes Beispiel, aber nicht das einzige in den jüdischen Gemeinden unter der Leitung des Landesverbands Westfalen-Lippe. Es sind Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen von Mitgliedern in den Gemeinden Bochum-Herne-Hattingen und Gelsenkirchen bekannt. Es entsteht der Eindruck, die Führung des Zentralrats und der Landesverbände würden sich überhaupt nicht für Probleme mit den Gesetzen und Demokratie in den Gemeinden, für das Image des Judentum im Ganzen und das jüdische Gericht interessieren, sondern anderen Zielen folgen. Eine unkontrollierte Monopolstruktur, in der Gesetzestreue und Rechtsprechung fehlen, ist idealer Nährboden für Kriminalität und Korruption, die letztlich unser Leben, unsere Moral und Religion zerstören.

Die offene Weigerung des provisorischen Vorstands der Gemeinde "Beit Tikva", die deutschen Gesetze und eine Gerichtsentscheidung zu befolgen, hat eine neue absolut untragbare Phase des Verfalles des Judentums in Deutschland ans Licht gebracht. Dies hat die öffentliche Bewegung "Forum für die Zukunft des Judentums in Deutschland e.V." dazu veranlasst, ihre erste Protestaktion "Pikett" vor dem Gebäude des Landesverbands Westfalen-Lippe durchzuführen.

Die Protestaktion Pikett fordert vom Landesverband:

  • Die Mitgliedschaft der Gemeinde in Bielefeld "Beit-Tikwa" im Landesverband wie auch deren Finanzierung einzustellen bis zur endgültigen Wahl einer legitimen Führung dieser Gemeinde;
  • Auf die Vorkommnisse in den Gemeinden Bochum-Herne-Hattingen und Gelsenkirchen zu reagieren.
  • Wir unterstützen den Aufruf der Mitglieder der Gemeinde "Beit-Tikva" an das Bundesverfassungsgericht. Die Anrufung des Bundesverfassungsgericht ist notwendig geworden da das Schiedsgericht beim Zentralrat der Juden in Deutschland sich von der Lösung der Probleme zurückgezogen hat.

Wenn der Gerechtigkeit entsprochen würde, würde dies die Öffentlichkeit wie den Beginn einer neuen Ära im Leben der jüdischen Gemeinschaft aufnehmen, wie eine Hoffnung darauf, dass sich so etwas nie wiederholen würde!

Die jüdische Gemeinschaft Deutschlands braucht dringend eine Reformierung!

Forum für die Zukunft des Judentums in Deutschland e.V.
Postfach 14 31 46, 45261 Essen.
Telefon: +49(0) 179 774 92 83 (deutsch); +49(0) 152 275 659 17 (russisch).
E-Mail: forumfzjd@gmx.eu
Web: www.freie-juedische-meinung.de.

Erfahren Sie mehr: → Dokumentation über die Arbeit von KINOR - Kapitelübersicht

Veröffentlichung: Andreas Jordan, November 2009

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