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Begriffe aus dem jüdischen Alltag

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PaRDeS: Ein Garten köstlicher Worte

Begegnugsort und DokumentationsstätteBild: "Die Zypresse, die im Innenhof steht, erinnert zumindest ein bisschen an Israel", sagt die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen. Dass der Baum aus der Toskana kommt, spielt dabei keine Rolle. "Demnächst wollen wir auch noch 500 Gedenktafeln im Innenhof anbringen", erzählt die Vorsitzende, "Zur Erinnerung an die deportierten Gelsenkirchener Juden. Finanziert werden die Gedenktafeln mit Spenden an den Förderverein Neue Synagoge."

Wie kann alles, was man wissen muss, in der Tora, in nur fünf Büchern, stehen? Vor langer Zeit erkannten unsere Lehrer, dass die Tora wie ein wunderschöner Obstgarten ist. Aus der Entfernung sieht man nur ein Stück Land mit Bäumen. Wenn man näher kommt, sieht man, dass jeder Baum Blätter, Blüten und Früchte trägt. Wenn man noch näher kommt, stellt man fest, dass jede Frucht mit einer Haut bedeckt ist. Und, wenn man nicht locker lässt und die Haut abstreift, ist ein köstlicher Geschmack unser Lohn. Jetzt erkennst du, dass etwas, was zunächst nur ein Stück Land voll mit Bäumen zu sein schien, tatsächlich Schicht für Schicht köstliche Dinge birgt.

Das hebräische Wort für Obstgarten ist pardes. Man schreibt es mit den hebräischen Buchstaben pe, resch, dalet und samech. Jeder dieser Buchstaben steht für eine Schicht der Tora.

pschat

Der Buchstabe pe ist der erste Buchstabe von pschat. Das bedeutet die "Geschichte an sich", die man erfährt, wenn man nur oberflächlich in der Tora liest, ohne tiefer nachzudenken. Zum Beispiel: Als Adam G'tt ungehorsam war und vom Baum der Erkenntnis aß, schämte er sich und deshalb versteckte er sich (Tora: Genesis 3,8-10). Das ist die Geschichte an sich.

remes

Der Buchstabe resch ist der erste Buchstabe des Wortes remes, das bedeutet "Hinweis". Wenn du über eine Geschichte oder ein Wort in der Tora nachdenkst, führt dies in der Regel dazu, dass du über andere, weitere Dinge nachdenkst. Wenn du fragst, was ein Wort bedeutet, wirst du feststellen, dass es dich an etwas erinnert, worüber du heute oder früher nachgedacht hast oder was du schon einmal getan hast oder gerade tust. Vielleicht hast du wie Adam selbst schon einmal etwas getan, wofür du dich geschämt hast und weshalb du versucht hast, dich zu verstecken. Adams Geschichte enthält also Hinweise auf Dinge in deinem eigenen Leben.

drasch

Der Buchstabe dalet ist der erste Buchstabe des Wortes drasch, das bedeutet "Predigt". Einige der Lehren in den Geschichten erinnern dich vielleicht an andere Geschichten in der Tora, diese wiederum können dich etwas über dein Leben lehren. Wenn G'tt weiß, wo Adam sich versteckt hat, warum fragt er ihn dann: "Wo bist du?" Vielleicht möchte G'tt, dass Adam erkennt, dass er sich in Wirklichkeit nur vor sich selbst versteckt, wenn er versucht, sich vor G'tt zu verbergen.

sod

Der vierte Buchstabe in dem Wort pardes, der Buchstabe samech, ist der erste Buchstabe des Wortes sod, das bedeutet "Geheimnis". Diese Schicht der Tora ist "geheim", nicht weil sie nicht erzählt werden darf, sondern weil ihr Sinn, selbst wenn er entdeckt wird, geheimnisvoll bleibt. Nur ein fortgeschrittener Schüler der Tora vermag die geheime Bedeutung zu verstehen, wenn G'tt sagt: "Gestern, Adam, warst du so groß, dass du von einem Ende der Welt bis zum anderen reichtest, aber jetzt, nachdem du gesündigt hast, kannst du dich zwischen den Bäumen des Gartens verstecken" (Midrasch Genesis Rabba 19,9).

Alle Buchstaben zusammengenommen, Pe, Resch, Dalet und Samech: die Geschichte an sich, der Hinweis, die Deutung und das Geheimnis, ergeben das Wort Pardes, Obstgarten. Die Tora, die Quelle des Judentums, ist also wie ein Obstgarten. Sie birgt viele wundervolle und köstliche Überraschungen. Aber mehr als das: sie erzählt uns alles, was wir Juden wissen und tun müssen. Indem sie uns sagt, wie wir leben sollen, gibt die Tora uns das Leben. Wie es im Buch der Sprüche heißt: "Sie ist ein Lebensbaum für die, die an ihr festhalten" (Sprüche 3,18).

Quelle: hagalil.com; 26. Oktober 2003, von Rabbi Lawrence Kushner

Fest- und Feiertage im jüdische Kalender

Jüdischer Kalender im JahreskreisBild: haGalil, Jüdischer Kalender im Jahreskreis

Feiertage und Feste mit ihren Ritualen, ihren besonderen Speisen und festlichen Familienzusammenkünften werden im Judentum intensiv und auf vielerlei Art begangen. Die Feste finden ihren Ausdruck in traditionellen oder modernen Gebräuchen und Praktiken. Sie prägen darüber hinaus das jüdische Leben nachhaltig. Die jüdischen Feste sind "Orientierungspunkte", die den Jahresverlauf in den Familien einteilen. Sie sind feste Bestandteile des täglichen Lebens, auf den Straßen, im Schulsystem sowie in Synagogen und Haushalten. Das Jüdische Brauchtum half den Juden, ihre religiöse Identität in einer zumeist dominant antijüdischen Umwelt zu bewahren. Das jüdische Jahr beginnt im Monat Tschiri (etwa Ende September, Anfang Oktober) und richtet sich nach dem Mondumlauf. Man zählt dem gregorianischen Jahr 4000 hinzu und zieht 240 ab. Die Monate des jüdischen Jahres lauten: Tischri, Cheschwan, Kislew, Tevet, Schwevat, Adar, Adar2 ( in jüdischen Schaltjahren), Nissan, Ijjar Siwan, Tammus, Ab, Elut. Die Monate beginnen bei Neumond haben 29 bis 30 Tage. Der Tag beginnt mit Einbruch der Nacht. Der erste Tag der Woche ist der Sonntag, Jom rischon, der erste Tag. Dann kommt Jom scheni, Jom schlischi, Jom rewi'i, Jom chamischi, Jom schischi und Schabbat - also der zweite, dritte, vierte, fünfte, sechste Tag und Schabbat.

Der Sabbat (Schabbat)

Der Sabbat (Schabbat)Koscheres Essen - Jede Woche von Freitagabend bis Samstagabend feiert man den Shabbat. Die jüdischen Speisegebote gehen auf den Tempelkult zurück. Der häusliche Esstisch wird wie ein Altar aufgebaut. Bestimmte Tiere gelten als unrein und dürfen daher nicht gegessen werden. Hierzu zählen Schweine und Fische ohne Flossen oder Schuppen. Erlaubt sind nur koschere Speisen: das ist Fleisch von Tieren mit gespaltenen Hufen, die ihr Futter wiederkäuen, jedoch nur, wenn der Schlachter strenge Regeln beachtet und das gesamte Blut vor dem Verzehr vollständig entfernt hat (schächten). Fleisch- und Milchprodukte dürfen nicht zusammen verzehrt werden. Der Schabbat, siebter Tag der Woche, ist - mit einer Ausnahme- der wichtigste jüdische Feiertag. Er wird bereits in den Zehn Geboten angeordnet. Der Schabbat ist ein heiliger Tag, an dem absolutes Arbeitsverbot herrscht. Somit ist der Schabbat durch seine Ruhe, der Schabbatruhe, gekennzeichnet. Das Ruhegebot betrifft alle Lebensbereiche. Nur unbedingt notwendige und lebenserhaltende Handlungen dürfen vorgenommen werden.

Der Schabbat ist ein Freudentag zum Gedenken an die vollendete göttliche Schöpfung - an ihm darf weder gefastet noch getrauert werden. Drei feierliche Mahlzeiten sowie festliche Kleidung symbolisieren den freudigen Charakter, das Gebet und das Studium der Thora sollen die Alltagssorgen vergessen lassen.

Der Feiertag beginnt am Freitagabend mit Eintritt der Dunkelheit und endet am Samstagabend mit dem Erscheinen dreier Sterne am Himmel. Das Anzünden von Schabbatlichtern verkündet den Beginn des Festes. Vor dem abendlichen Essen sowie vor der nächsten Mahlzeit am Schabbattag spricht der Hausherr einen Segen über den Wein (Kiddusch) und über zwei Brote. Die dritte Mahlzeit leitet in das Schabbatende über. Das Schabbatende wird von der Hawdala, dem Unterscheidungssegen zwischen Heiligem und Profanen eingeleitet. Dieser wird über einen Becher Wein, einer geflochtenen Kerze und wohlriechende Gewürze gesprochen. Der G'ttesdienst in der Synagoge setzt sich am Schabbat anders zusammen als an den Wochentagen, unter anderem wird aus der Thora gelesen.

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Rosh Hashana

Rosh ha ShanaDer Beginn des jüdischen Jahres wird durch das Neujahrsfest - Rosch ha Schana am 1./2. Tischri (September) eingeleitet und dauert zwei Tage. Es zählt zu den höchsten jüdischen Feiertagen. Gemeinsam mit dem Versöhnungstag Jom Kippur hat es - im Gegensatz zu Schabbat und den Wallfahrtsfesten - einen sehr ernsten Charakter. Es sind dies Tage des g'ttlichen Gerichts: "An Rosch ha Schana wird über den Menschen das Urteil wegen seiner Taten im vergangenen Jahr gesprochen, am Jom Kippur wird es besiegelt und im neuen Jahr vollstreckt". Das Fest beginnt wie alle jüdischen Festtage, am Abend des Vortages. Der G'ttesdienst wird durch umfangreiche Gebete erweitert, die vor allem Bußecharakter haben und G'ttes Gnade loben. Symbol des Festes ist das Schofar, das Widderhorn, das während des G'ttesdienstes in der Synagoge mehrmals geblasen wird. Es ermahnt die Betenden ihren Glauben zu vertiefen.

Gleichzeitig symbolisiert es, die Bereitschaft Abrahams, seinen Sohn Isaak zu opfern. Zu den typischen Speisen zählen Honig, Honigkuchen und mit Honig gesüßte Gerichte. In vielerlei Hinsicht beginnt das Jahr in Israel an Rosch ha Schana. Regierungskorrespondenzen, Zeitungen und die meisten Radiosendungen, um nur drei Beispiele zu nennen, tragen das "jüdische Datum". Glückwünsche zum Neuen Jahr werden zu Rosch ha Schana versandt, nicht im Dezember.

Jom Kippur

Jom Kippur Jom Kippur, zehn Tage nach dem Beginn von Rosh Hashana, ist der Versöhnungstag, der Tag des g'ttlichen Gerichts, der Buße und Umkehr (Lev. 23,27-32), an dem die Verfehlungen des einzelnen Menschen gesühnt werden und der höchste jüdische Feiertag. Es ist der einzige in der Bibel genannte Fastentag. Der Jom Kippur ist ein Tag, um über die eigenen Verfehlungen und Vergehen nachzudenken. Juden beten an diesem Tag um Vergebung der Sünden zwischen Menschen und G'tt und bereuen fehlerhaftes Handeln und Vergehen im zwischenmenschlichen Bereich. An diesem Tag wird laut Überlieferung das Urteil über die Menschen von G'tt gesprochen. Die wichtigsten religiösen Vorschriften des Jom Kippur - lange Bittg'ttesdienste und ein 25stündiges Fasten - werden selbst von vielen, eigentlich säkularisierten Menschen befolgt. Würde und feierlicher Ernst des Jom Kippur in der Öffentlichkeit sind stärker ausgeprägt als bei anderen Festen, Rosch ha Schana eingeschlossen. Das Land kommt für 25 Stunden zu einem absoluten Stillstand. Alle Unterhaltungs- und Vergnügungsstätten sind geschlossen; Fernseh- und Radiosendungen werden eingestellt - sogar Nachrichten werden nicht gesendet; der öffentliche Verkehr ruht, die Flughäfen werden geschlossen und viele Straßenzüge abgesperrt. Der Ernst des Tages wird in Israel durch die Erinnerung an den Krieg von 1973, also an den Überraschungsangriff Ägyptens und Syriens auf Israel am Jom Kippur zusätzlich unterstrichen.

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Sukkot

Sukkot Fünf Tage nach Jom Kippur wird Sukkot gefeiert, das die Bibel (Lev. 23,24) als das "Fest der Laubhütten" bezeichnet. Sukkot ist eines der drei Feste die bis ins Jahr 70 n.d.Z. mit großen Pilger- und Wallfahrten zum Jerusalemer Tempel gefeiert wurde und daher als die Wallfahrtsfeste bekannt sind. An Sukkot erinnern Juden sich an den Auszug aus Ägypten (13. Jh. v.d.Z.) und danken für eine reiche Ernte. In einigen Kibbutzim wird Sukkot als Chag Ha'asif (Erntefest) gefeiert. Hier stehen dann Themen wie das zweite Einbringen des Getreides und die Ernte der Herbstfrüchte, der Beginn des landwirtschaftlichen Jahres und der erste Regen im Mittelpunkt. Während der fünf Tage zwischen Jom Kippur und Sukkot errichten Zehntausende von Haushalten und Geschäften Sukkot - Laubhütten, in denen man vorübergehend lebt und vor allem die täglichen Mahlzeiten einnimmt. Diese Laubhütten sind jenen Hütten nachgebildet, in denen die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste lebten.

Auch werden Palmwedel, Zitrusfrüchte (Etrogim), Myrthen- und Weidenzweige erworben, die für den Ritus der Festgebete an Sukkot als Schmuck unverzichtbar sind. Im ganzen Land errichtet man Laubhütten auf Parkplätzen, Hausdächern, Rasenanlagen und öffentlichen Plätzen. Jede Militärbasis hat ihre Laubhütte. Einige Israelis verbringen das Fest und die folgenden sechs Tage ausschließlich in ihrer Laubhütte. In Israel begeht man die eigentlich "heilige Zeit" des Laubhüttenfestes (und der beiden anderen Wallfahrtsfeste, Pessach und Shavuot) an einem Tag. Diasporagemeinden feiern zwei Tage und setzen damit eine Notwendigkeit aus der Zeit der Antike fort, als die genauen Daten für die Festtage im Tempel bestimmt und mit einem großangelegten Netz von Signalfeuern und Boten in die Diaspora gemeldet wurden.

Nach dem eigentlichen Festtag wird das Laubhüttenfest gemäß der Thora (Lev. 23,36) für weitere sechs Halbfeiertage fortgesetzt. Während dieser Woche - jeder Tag ist halb Alltag und halb Festtag - sind die Schulen geschlossen, zahlreiche Geschäfte und Firmen schließen gänzlich oder sind halbtags geöffnet. Viele Israelis verbringen diese Tage an Sukkot oder Pessach an den Erholungsorten im ganzen Land.

Shemini Atseret - Simchat Thora

Shemini Atseret - Simchat ThoraDie Woche nach dem Laubhüttenfest und somit beendet es diesen gesamten Festtagszyklus mit Shemini Atseret, der "heiligen Versammlung am achten Tage" (Lev. 23,36), die mit der Simchat Thora, dem Thorafreudenfest, verbunden wird. Die Feiern an Shemini Atseret/Simchat Thora konzentrieren sich auf die Thora - die Fünf Bücher Mose.

Das Fest ist dafür bekannt, daß öffentlich mit den Thorarollen im Arm getanzt wird. An Simchat Thora werden Schluss und Anfang der Thora gelesen; damit kommt der Jahreszyklus der Thoralesungen zu einem Abschluss und wird sogleich wieder aufgenommen. Nach Sonnenuntergang richten viele Gemeinden meist unter freiem Himmel weitere Festaktivitäten aus, die nicht mehr durch die rituellen Bestimmungen des Feiertages eingeschränkt werden.

Chanukka

ChanukkaChanukka beginnt am 25. Kislew (gewöhnlich im Dezember) und erinnert an den Triumph jüdischer Truppen unter der Führung der Makkabäer über die griechischen Herrscher (164 v.d.Z.): ein gewaltiger Sieg der kleinen jüdischen Nation gegen das mächtige hellenistische Königreich der Seleukiden und ein geistiger Sieg des jüdischen Glaubens über den Hellenismus. Die Helligkeit des Festes leitet sich aus diesem geistigen Aspekt des Sieges und dem Wunder des Ölkrügleins ab: Nach der Überlieferung reichte geheiligtes Öl, dessen Menge nur genügt hätte, um den Leuchter im Tempel für einen Tag zu versorgen, bei der Wiedereinweihung des Tempels für acht Tage aus. Der achtarmige Leuchter mit einem gesonderten neunten Arm, ist das Symbol des Festes. Acht Tage lang wird jeden Abend ein Licht mehr entzündet, bis schließlich alle brennen. Chanukka ist ein häusliches Fest. Ursprünglich wurden die Lichter nur in den Häusern, später auch in der Synagoge entzündet. Traditionell isst man in Öl ausgebackene Speisen wie Kartoffelpuffer und Krapfen, singt gemeinsam spezielle Chanukkalieder und spielt mit einem Kreisel (Dreidel), dem Trendel oder Sewiwon. Die Seiten des Kreisels sind mit den hebräischen Anfangsbuchstaben des Satzes "Ein großes Wunder ist hier geschehen" verziert. Schulen sind während der acht Chanukka-Tage geschlossen; Geschäfte aber geöffnet und alle Büros oder Dienstleistungsbereiche arbeiten regulär.

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Purim

PurimPurim, ein anderes rabbinisches Fest im Frühjahr, wird am 14. Adar bzw. in Städten mit einer Stadtmauer am 15. Adar begangen. Das Fest erinnert an die Errettung der bedrängten Juden im persischen Reich unter König Artaxerxes, von der uns das biblische Buch Esther erzählt. In diesem Buch geht es um die jüdische Minorität, die um ihrer andersartigen Bräuche willen verfolgt wurden. Es wird berichtet, dass der Perserkönig von seinem Minister Haman angestachelt wurde, alle Juden in seinem Reich umbringen zu lassen. Dies sollte an einem besonderen Tag, den er durch das Los (=Purim) bestimmte, geschehen. Esther, die jüdische Ehefrau des Königs, erfuhr rechtzeitig davon. Sie fastete drei Tage lang und hieß die jüdischen Bewohner der Hauptstadt Susa dasselbe zu tun. So fühlte sie sich gestärkt und wagte es, den König in dieser brisanten Angelegenheit umzustimmen, was gelang. Die Juden erhielten die Erlaubnis, sich an dem vom Los bestimmten Tag zu wehren und sich an ihren Feinden zu rächen.

Dieses Fest kompensiert Ernst und Würde der meisten anderen jüdischen Festvorschriften, indem es Ausgelassenheit und Freude gebietet. Schulen sind geschlossen, es finden öffentliche Feste und Parties statt und Zeitungen melden allerlei Enten - ähnlich den Aprilscherzen. Kinder (und Erwachsene) verkleiden sich mit bunten Kostümen. Die festliche Verlesung der Esther-Rolle in der Synagoge wird von allerlei Lärminstrumenten begleitet, die immer dann ertönen, wenn der Name des bösen Ministers Haman fällt. Orthodoxe Gläubige geben sich, in gesetzten Grenzen, einem Rausch der Ausgelassenheit hin und erfüllen eine genaue Liste allerlei Verpflichtungen: Almosengeben, Abend- und Morgenlesungen der Esther-Rolle, Austausch von Leckerbissen und Delikatessen sowie üppige Festessen.

Passahfest (Pessach)

Passahfest (Pessach)Im Frühling beginnt am 15. Nissan das Passahfest (Pessach), das an den Auszug aus Ägypten (13. Jh. v.d.Z.) und die Befreiung aus der Knechtschaft erinnert. Freiheit ist der dominierende Gehalt des Passahfestes. Das Passahritual beginnt lange vor dem eigentlichen Fest, wenn Haushalte und Geschäfte beginnen, nach den Vorschriften der Thora (Ex. 12,15-20) jegliches Chametz (Gesäuertes) aus den Wohnungen und Räumlichkeiten zu entfernen. Der Tag vor dem Fest ist letzten vorbereitenden Maßnahmen gewidmet, darunter der zeremoniellen Verbrennung aller für das Fest unzulässigen Lebensmittel. Am Vorabend des Passahfestes wird der Seder durchgeführt; zum Seder gehört die Lesung der Hagadah, einer ausführlichen Wiedererzählung der Knechtschaft und des Auszugs aus Ägypten. Die gesamte Familie kommt zum Seder zusammen, um sich an der Matza - dem ungesäuerten Brot - und anderen traditionellen Speisen zu erfreuen. Die Festvorschriften für den folgenden Tag entsprechen dann denen der übrigen Wallfahrtsfeste.

Ähnlich wie am Jom Kippur werden die traditionellen Festvorschriften und -gebräuche des Passahfestes in hohem Umfang auch von großen Teilen der nicht-religiösen Bevölkerung beachtet. In einigen Kibbutzim wird ein säkularer Passahritus gefeiert, der auf den landwirtschaftlich assoziierten Elementen des Festes beruht. Das Passahfest ist hier ein Frühlings- und Freiheitsfest. Es bezeichnet die Zeit der Ernte des ersten reifen Getreides. Zum Passahfest gehört auch eine weitere Woche von fünf Halbfeiertagen für längere Gebetsg'ttesdienste und Freizeitaktivitäten. Die Festwoche wird mit einem zusätzlichen Feiertag abgeschlossen.

Jom ha Shoah - Holocaustmärtyrer- und Heldengedenktag

JOM HA SHOAH - Holocaustmärtyrer- und HeldengedenktagTraditionelle Riten öffentlicher Trauer stehen im Mittelpunkt des Holocaustmärtyrer- und Heldengedenktages knapp eine Woche nach dem Passahfest. Das israelitische Volk gedenkt an diesem Tag den sechs Millionen Märtyrern des jüdischen Volkes, die von den Nationalsozialisten in der Shoa ermordet wurden.

Unabhängigkeitstag

UnabhängigkeitstagUnmittelbar auf den Gefallenengedenktag folgt der Unabhängigkeitstag (5. Ijar), der Jahrestag der Proklamation der Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948. Der Unabhängigkeitstag ist kein jahrhundertealtes Fest. Er hat jedoch für unzählige Bürger, die selbst aktiv an der Gründung des neuen Staates teilgenommen und die gewaltigen Veränderungen seit 1948 erlebt haben, eine hohe Bedeutung. Am Vorabend des Unabhängigkeitstages veranstalten die Stadtverwaltungen öffentliche Feiern, aus Lautsprechern ertönt unter freiem Himmel populäre Musik, die Stadtzentren sind von Menschenmassen bevölkert, die in festlicher Stimmung an dem großen Straßenfest teilnehmen. Am Unabhängigkeitstag selbst unternehmen viele Bürger in Israel Ausflüge zu den Schlachtfeldern des Unabhängigkeitskrieges. Man besucht die Gedenkstätten der Gefallenen, wandert in der Natur und verbringt im allgemeinen den Tag im Freien bei Picknick und Grill. Israel-Preise für hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Literatur, der Künste und der Wissenschaften werden verliehen. Außerdem findet der Internationale Bibelwettbewerb für die jüdische Jugend statt. Militärbasen öffnen der interessierten Bevölkerung ihre Tore. Darüber hinaus finden Schaufliegen der Luftstreitkräfte und Vorführungen der Marine statt.

Jom Jeruschalajim - Jerusalem-Tag

Jom Jeruschalajim - Jerusalem-TagUnmittelbar auf den Gefallenengedenktag folgt der Unabhängigkeitstag (5. Ijar), der Jahrestag der Proklamation der Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948. Der Unabhängigkeitstag ist kein jahrhundertealtes Fest. Er hat jedoch für unzählige Bürger, die selbst aktiv an der Gründung des neuen Staates teilgenommen und die gewaltigen Veränderungen seit 1948 erlebt haben, eine hohe Bedeutung. Am Vorabend des Unabhängigkeitstages veranstalten die Stadtverwaltungen öffentliche Feiern, aus Lautsprechern ertönt unter freiem Himmel populäre Musik, die Stadtzentren sind von Menschenmassen bevölkert, die in festlicher Stimmung an dem großen Straßenfest teilnehmen. Der Jerusalem-Tag wird am 28. Ijar, ungefähr eine Woche vor Shavuot, gefeiert - anläßlich der Wiedervereinigung Jerusalems, der Hauptstadt Israels, im Jahre 1967 nach neunzehnjähriger Teilung der Stadt durch Betonmauern und Stacheldraht. An diesem Tag werden wir daran erinnert, daß Jerusalem "der Mittelpunkt der jüdischen Geschichte, das Symbol alten Ruhms, geistiger Erfüllung und moderner Erneuerung" ist.

Shavuot

ShavuotShavuot, das letzte der drei Wallfahrtsfeste nach der Zählung vom Beginn des jüdischen Jahres, fällt in die siebte Woche nach dem Passahfest (6. Siwan). Das Fest markiert das Ende der Gersten- und den Beginn der Weizenernte. Die Thora (Lev. 23,22) beschreibt das Fest als Wochenfest (hebr. Shavout) - wegen der Wochenzählung zwischen Passah und Shavuot - und als den Tag, an dem neues Getreide und neue Früchte an die Priester im Tempel übergeben wurden. Eine weitere Komponente von Shavuot - die Erinnerung an die Gabe der Thora auf dem Berge Sinai - ist rabbinischen Ursprungs. Shavuot wird von der orthodoxen Bevölkerung mit vielen Stunden kontinuierlichen religiösen Lernens und in Jerusalem mit einer festlichen Gebetsversammlung an der Klagemauer begangen. In den Kibbutzim bezeichnet Shavuot den Höhepunkt der Ernte des neuen Getreides und der ersten Reife von Früchten, darunter die sieben in der Bibel erwähnten Früchte des Heiligen Landes (Weizen, Gerste, Trauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln).

Die religiös-historische Bedeutung von Shavout liegt in der Erinnerung an die Offenbarung am Berg Sinai und die Verkündigung der 10 Gebote. In der Bibel wird berichtet, dass Moses während der Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste am Berg Sinai die zehn bekannten und viele weitere Gebote von G'tt erhielt. Auf der Anerkennung dieser Gebote durch die Israeliten beruht der Bund zwischen G'tt und "seinem Volk". Es hat die Verpflichtung übernommen, die g'ttlichen Gebote zu befolgen und sie in der Welt zu verbreiten. In diesem Sinne ist die Formulierung "auserwähltes Volk" zu verstehen.

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Brauchtum und Relegion - Begriffe aus dem jüdischen Alltag

Zur Zeit der Diaspora half das Jüdische Brauchtum den Juden, ihre religiöse Identität in einer zumeist dominant antijüdischen Umwelt zu bewahren.

Aron ha-Kodesch (Thoraschrein)

Ist der hebräische Begriff für den Toraschrein, die "heilige Lade". Der Toraschrein ist in einemm Schrank oder eine in die Wand eingelassene Nische mit Tür, in dem die handschriftlichen Torarollen in der Synagoge aufbewahrt werden. Der Aron ha-Kodesch wird in Richtung Osten, nach Jerusalem aufgestellt bzw. eingebaut. Die Tür (oder der Vorhang) vor dem Schrein ist häufig dem Stil der Zeit entsprechend reich bestickt oder verziert.

Bar Mitzwa

Bar Mitzwa auch Bar Mitzwa, Bar Mitzvah oder Bar Mizwah geschrieben, ist ein jüdischer Passageritus. Dies ist die Bezeichnung einerseits für den religionsmündigen jüdischen Jugendlichen, andererseits für den Tag, an dem er diese Religionsmündigkeit erwirbt, und die oft damit verbundene Feier. Bei diesem Ritus wird der Junge in die Gemeinde aufgenommen. Der mit "Sohn des Gesetzes" bzw. "Sohn des Gebotes" übersetzte Begriff deutet die religiöse Mündigkeit des Kindes an. Bar Mitzwa, religionsmündig, wird ein Jude automatisch an seinem dreizehnten Geburtstag. Im allgemeinen wird die Aufnahme am Sabbat (hebräisch für Samstag, Ruhetag) nach dem 13. Geburtstag gefeiert.

Die Bat Mitzwa (hebr. "Tochter des Gebots", jiddisch: Bas Mitzwe) ist die entsprechende Zeremonie für Mädchen, die mit dem 12. Geburtstag begangen wird sie wurde 1922 von dem New Yorker Reformrabbi Mordecai Kaplan eingeführt und hat sich seitdem weithin durchgesetzt. Im orthodoxen (strenggläubigen) Judentum ist diese Feier kleiner als bei Jungen, in Reform- und teilweise auch in konservativen Gemeinden werden auch Frauen zum Lesen aus der Tora angehalten.

Ab diesem Tag ist das Kind verpflichtet, die Gebote des Judentums (Mitzwa, pl. Mitzwot) einzuhalten. Dazu gehört zum Beispiel das Legen von Tefillin, d.h. Lederkapseln, die Tora-Stellen auf Pergament enthalten und mit Lederriemen an Hand und Kopf befestigt werden. Das Kind darf von nun an auch religiöse Aufgaben erfüllen, zum Beispiel in der Synagoge aus der Tora vorlesen. Es hat sich die Tradition entwickelt, dass die Kinder auf diesen Tag hin lernen, den hebräischen Tora-Abschnitt unvokalisiert vorzulesen oder sogar vorzusingen. Dieser "erste Tora-Aufruf", bei dem im Allgemeinen der Abschnitt Maftir und anschließend die Haftara (öffentliche Lesung aus den Prophetenbüchern) vorgetragen werden, wird feierlich begangen. Das Erlernen der hebräischen Schrift und Sprache erfolgte vom Mittelalter bis zur Aufklärung in der traditionell religiös geprägten Cheder-Schule (wörtlich "Zimmer").

Das Kind wird an der Bar Mizwa erstmals voll in den G'ttesdienst mit einbezogen. Zuvor wird auch geprüft, ob die Bedingungen für eine Aufnahme gegeben sind. Voraussetzungen sind u.a. Kenntnisse der jüdischen Religion. In Israel und in anderen Ländern ist eine Bar Mizwa ein großes Familienfest, woran oft mehrere hundert Gäste teilnehmen. Der Junge steht dabei ganz im Mittelpunkt, ganz ähnlich einer Braut bei ihrer Hochzeit.

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Barches (auch: Berches, Chaüa)

Bezeichnen ein zopfartig geflochtenes Hefe-Weizenbrot, das an den Festtagen und dem Sabbat im Rahmen des Segensspruchs verwendet wird.

Bet Din

Ist der hebräische Begriff für Gerichtshof oder auch Rabbinatsgericht. Ein Bet Din besteht aus einem qualifizierten Kollegium aus drei Rabbinern, die vor allem über Zivilklagen sowie kleinere Strafsachen entscheiden, oder aus einem aus drei Männern zusammengesetzten Laiengericht. Die Verhandlungen sind öffentlich. Im Zuge der Aufhebung der innerjüdischen Rechtssprechung während des Emanzipations- und Integrationsprozesses verliert der Bet Din an Bedeutung.

Bet ha-Midrasch (auch: Bet Midrasch)

Ist die hebräische Bezeichnung für ein Lehrhaus, wörtlich übersetzt "Haus des Studiums". Das Lehrhaus war in früheren Zeiten ein Haus oder Raum neben der Synagoge, in dem die religionsmündigen Männer nach dem Gebet gemeinsam in der Bibel, dem Talmud und anderen religiösen Schriften lasen oder Vorträge des Rabbiners hörten.

Bima

Bedeutet Bühne oder Pult und bezeichnet ein erhöhtes Lesepult in der Mitte der Synagoge oder vor dem Toraschrein, auf dem die Torarollen ausgebreitet werden und aus ihnen vorgelesen wird. Die Männer der Gemeinde sitzen auf Bänken seitlich oder vor der Bima.

Brit Mila

Am achten Tag nach der Geburt eines Jungen wird dieser beschnitten und diese Brit Mila (Bund der Beschneidung) feierlich begangen. Die Mädchen haben stattdessen eine Namensnennung in der Synagoge. Die Erstgeborenen müssen durch Pidjon haBen gegenüber einem Nachkommen eines Priesters ausgelöst werden. Jungen feiern zu ihrem 13. Geburtstag Bar Mitzwa und Mädchen zu ihrem 12. Geburtstag Bat Mitzwa, ihre Religionsmündigkeit. Ab diesem Moment sind sie zu allen 613 Mitzwot verpflichtet, in welche sie bis dahin eingeführt wurden.

Chassidim/Chassidismus

Chassidim bedeutet "die Frommen". Der Chassidismus bezeichnet in der Neuzeit eine mystisch-religiöse Bewegung in Osteuropa, die von Israel ben Elieser Ba'al Schern Tow (um 1700-1760), der als Wunderrabbiner galt, ausging. Die Chassidim unterstellen sich einem charismatischen Oberhaupt, dem Zaddik (Gerechten) und zeigen ihre religiöse Ergebenheit und G'ttesgläubigkeit in tiefer Ergriffenheit und ekstatischer Freude im G'ttesdienst. Auch die fröhliche, g'ttesgläubige Gestaltung des Alltags ist ein wichtiger Teil des frommen Lebens. Die chassidische Bewegung wurde von vielen Rabbinern verurteilt und in den Gemeinden bekämpft, etwa indem Chassidim mit dem Bann belegt wurden.

Cheder

Wörtlich: "Zimmer". Der Cheder ist eine religiöse Elementarschule für Jungen bis zur Religionsmündigkeit im Alter von 13 Jahren. Die Jungen lernen im Cheder Hebräisch, um die Gebete lesen und sprechen zu können, und bekommen eine Einführung in die wichtigsten religiösen Texte. Profane bzw. weltliche Fächer werden im Cheder nicht unterrichtet.

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Chuppa

Eine jüdische Hochzeit besteht hauptsächlich aus der Ketuba (Ehevertrag) und der bei der Übergabe stattfindenden Feierlichkeit. Hierzu treffen sich Braut und Bräutigam unter der Chuppa (Baldachin) und der Bräutigam übergibt begleitet von sieben Brachot (Segenssprüchen) der Braut die Ketuba und einen goldenen Ehering. Zur Trauungszeremonie gehört das Zerbrechen eines Glases, ein heute noch allgemein gelebter Brauch in Erinnerung an die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem. Das Glas wurde ehemals auf einen speziell zu diesem Zweck an der Außenwand der Synagoge eingelassenen Stein mit eingemeisseltem Stern zerschmettert. An der Wand war ein Stern, nach dem gezielt wurde.

Die Chuppa bedeutet das "Dach über dem Kopf" und besagt, dass hier ein Haus gegründet wird. In vier Richtungen geöffnet soll die Chuppa an das Haus des jüdischen Vorvaters Abraham erinnern, welches eine Tür auf jeder der vier Seiten seines Hauses hatte, um seine Gäste warm zu empfangen. Durch seinen weißen Kittel zeigt der Bräutigam, dass für die Beiden ein neuer Lebensabschnitt beginnt, weiß wie ein neues Blatt. Ferner erinnert die weiße Farbe daran, dass dieser Tag für die beiden als Jom Kippur (Versöhnungstag) gilt. Das Brautpaar fastet deshalb auch ab dem Morgengrauen.

Unter der Chuppa umkreist die Braut den Bräutigam sieben Mal. Dies soll an die behütende Rolle der Frau, die das ganze Haus durch Liebe und Verständnis beschützt, erinnern. Die Zahl sieben steht für die sieben Tage der Schöpfung, wobei das junge Paar kurz davor steht, ihre eigene "neue Welt" zusammen zu erschaffen. Unter der Chuppa werden Segen über Wein und Lobpreisungen gesprochen. Die Brautleute trinken zusammen vom Wein, damit sie auch im künftigen Leben Freude und Leid miteinander teilen.

Chewra Kaddischa

Ist der aramäische Begriff für eine Beerdigungsbruderschaft, wörtlich "heilige Vereinigung". Die Mitglieder einer Chewra Kaddischa sind verpflichtet, in Krankheits- und Todesfällen zu helfen, etwa indem sie Kranke besuchen und pflegen, sich um die vorgeschriebenen Rituale für Sterbende und Gestorbene kümmern, die Beerdigung organisieren und schließlich auch die Trauerrituale im Haus und in der Synagoge begleiten.

Diaspora

Ist ein aus dem Griechischen stammender Begriff und bedeutet "Zerstreuung". Im Hebräischen wird statt Diaspora der Begriff "Gola" benutzt, der wörtlich "Exil" meint. Beide Begriffe drücken in der jüdischen Tradition die Zerstreuung des jüdischen Volkes in der Welt aus, resultierend aus der Vertreibung der Juden aus Palästina in der Antike. Diaspora bezeichnet zudem auch die Orte, an denen Juden außerhalb Palästinas bzw. Israels leben. In der modernen sozial-und kulturwissenschaftlichen Forschung wird der Begriff Diaspora inzwischen auch verwandt, um nichtjüdische Exilgemeinschaften zu bezeichnen.

Fastentage

Aufgrund tragischer Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes haben die Rabbiner im Laufe der Zeit neben Jom Kippur einige zusätzliche Fasttage festgelegt. Der am meisten der Trauer gewidmete Tag im jüdischen Jahr ist der Tischa beAv (9. Tag des Monats Av). An diesem Tag wurden nach der Überlieferung der erste und der zweite Tempel in Jerusalem zerstört, sowie die Juden aus Spanien vertrieben. An Tischa beAv gelten ähnliche Bestimmungen wie an Jom Kippur. Die kleineren Fastentage sind Schiwa Assar beTammus (17. Tammus), Zom Gedalja (3. Tischri) sowie Assara beTevet (10. Tevet). Auch diese Fastentage stehen im Zusammenhang mit der Zerstörung der Tempel sowie Jerusalems. Daneben fasten die Juden noch einen Tag vor Purim, sowie alle Erstgeborenen am Tag vor Pessach.

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Haggada (Pessach-Haggada)

Ist die Erzählung über den Auszug der Juden aus Ägypten in der Antike, die zu Pessach am Seder-Abend in der Familie verlesen wird. Die Erzählung wird begleitet von speziellen Speisen und ist teilweise als Frage-Antwort-Gespräch aufgebaut. Die Kinder fragen, wodurch sich diese Nacht von anderen unterscheidet, das Familienoberhaupt beantwortet die Frage mit Erzählungen über den Auszug in einer festgelegten Reihenfolge. Die Pessach-Haggada, die auch Legenden bzw. nichtbiblische Erzählungen enthält, liegt in einer ganzen Reihe von älteren illustrierten Handschriften sowie einer Anzahl volkstümlich bearbeiteter Bücher vor.

Halacha

Bedeutet "Weg" und wird als das praktische Religionsgesetz des Judentums verstanden. Die Halacha beinhaltet das Recht, den Kultus sowie die Moralgesetze. Die Bestimmungen der Halacha wurden ursprünglich mündlich überliefert, später schriftlich kodifiziert, vor allem in Mischna und Talmud.

Haskala

Bedeutet "Aufklärung" und bezeichnet aufklärerische Bewegungen im europäischen Judentum im 18. und 19. Jahrhundert, die von Deutschland und Österreich über Polen nach Russland kamen. Die Vertreter der Haskala strebten nach einer vom Rationalismus ausgehenden Reform des Judentums, um die jüdische Welt mit der nichtjüdischen zu verbinden. Zentrales Anliegen der Aufklärer (Maskilim) war die Erziehung der Juden, die nicht nur jüdische Kultur kennen, sondern auch eine umfassende weltliche Bildung anstreben sollten. Vonseiten der Orthodoxie wurde den Maskilim vorgeworfen, das Judentum zu schädigen und auflösen zu wollen. In Deutschland war Moses Mendelssohn (1729-1786) der bekannteste Vertreter der Haskala.

Hatikwa

Bedeutet wörtlich "Hoffnung" und ist der Titel eines 1886 in Jerusalem publizierten Gedichtes von Naftali Herz Imber (1856-15105)). Er drückt darin die Hoffnung aus, dass das jüdische Volk einst in das Land seiner Vorfahren zurückkehren kann. Die Vertonung des Gedichts war seit 1857 die Hymne der zionistischen Bewegung und wurde 1948 zur israelischen Nationalhymne erklärt. Der aktuelle Text lautet auf Deutsch:

"Solange tief im Herzen
Die Seele eines Juden sich sehnt
Und gen Osten ein Auge blickt, nach Zion,
Ist unsere Hoffnung nicht verloren,
Die Hoffnung von zweitausend Jahren,
Frei zu sein als Volk in unserem Land,
Dem Land Zions und Jerusalems."

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Jeschiwa (Plural): Jeschiwot)

Ist eine "Talmudhochschule" und bezeichnet eine Schule für männliche Erwachsene, die der traditionellen religiösen Bildung dient. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gab es eine große Anzahl von Jeschiwot in Europa. Danach ging ihre Bedeutung in Westeuropa zurück, während diese Tradition in Osteuropa und Palästina noch lebendig blieb.

Jiddisch

Ist eine Eindeutschung des englischen Wortes Yiddisch und bezeichnet die mittelhochdeutsche Sprache der aschkenasischen Juden. Jiddisch war eine Alltagssprache, während Hebräisch eine religiöse Sprache war. Im Laufe der europäischen Aufklärung und der Haskala in Westeuropa wurde Jiddisch als eigene Sprache der Juden negativ bewertet, und es wurde gefordert, sie zugunsten der Landessprache aufzugeben. Erst zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts setzte eine langsame Renaissance des Jiddischen in Westeuropa ein, unter anderem durch die Gründung von Zeitschriften und wissenschaftlichen Instituten zur Erforschung der Sprache, etwa 1925 in Berlin und Wilna. In Osteuropa dagegen blieb das Jiddisch noch bis in das 20. Jahrhundert hinein weit verbreitet. Die sozialistische jüdische Arbeiterbewegung in Osteuropa (der "Bund", gegründet 1897 in Wilna) forderte eine national-kulturelle Autonomie für Juden und hatte Jiddisch als Nationalsprache deklariert.

Kabbala

Bezeichnet eigentlich die religiöse Uberlieferung im Allgemeinen, hat aber im Laufe der jüdischen Geschichte eine spezielle Bedeutung angenommen, nämlich Überlieferung im Sinne einer geheimen, mystischen Tradition. Es gab und gibt sehr unterschiedliche kabbalistische Strömungen, deren gemeinsame Grundlage die Überzeugung ist, dass eine Annäherung an G'tt nur erfolgen kann, wenn das geheime Wissen, ausgedrückt in spezifischen religiösen Inhalten mit eigenen Methoden und Ausdrücken, tradiert und gelebt wird. Kabbalisten sind zudem von einem grundlegenden inneren Zusammenhang zwischen Mensch und Kosmos überzeugt. Das Übersinnliche, wie etwa Engelserscheinungen, Wundererzählungen sowie Ideen über Sinn und Form von Buchstaben oder Zahlen, spielt daher eine große Rolle.

Kaddisch

Bedeutet wörtlich "Heiliger" und ist die Bezeichnung für ein zentrales Gebet im G'ttesdienst, das aber seit der Neuzeit vor allem als Gebet für das Seelenheil eines Verstorbenen bekannt ist. Das Kaddisch wird zum ersten Mal nach der Bestattung gesprochen, dann während des Trauerjahres sowie jeweils am Jahrestag des Sterbetages zum Ende des G'ttesdienstes. Dass diese Aufgabe vor allem von den Söhnen wahrgenommen wird, meistens durch den ältesten, ist keine religiöse Vorschrift, sondern eine Sitte, die sich entwickelt hat. Die ersten drei Bitten des christlichen "Vater unser" stimmen mit den ersten zwei Sätzen des Kaddisch überein: "Geheiligt werde der Name G'ttes in der Welt, die er nach seinem Willen geschaffen. Sein Reich möge bald, noch zu Euren Lebzeiten, kommen."

Kaschrut

Bezeichnet die Eigenschaft, dass Nahrungsmittel, insbesondere Fleischwaren, zum Verzehr erlaubt sind, weil sie den rituellen Speisegesetzen entsprechen, oder auch das gesamte System der Speisegesetze. Zu diesen religionsgesetzlichen Vorschriften gehören unter anderem folgende Regeln: Der Verzehr von Schweine-, Hasen- und Kamelfleisch ist verboten, weil diese als unrein gelten, ebenso Fische ohne Schuppen und Flossen. Fleisch darf zudem nur von einem rituell geschlachteten (also geschächteten) Tier stammen, damit das Verbot, Blut zu essen, eingehalten werden kann. Wildfleisch, das auf der Jagd erlegt wurde, ist daher nicht koscher". Milchprodukte dürfen auf keinen Fall mit Fleisch zusammen gekocht und verzehrt werden. In der Küche sollen daher Töpfe und Pfannen, Geschirr und Besteck wie auch der Abwaschbereich streng nach "milchig" und "fleischig" getrennt sein. Die Einhaltung der Kaschrut bzw. die Festlegung, ob ein geschlachtetes Tier oder produzierte Lebensmittel als koscher gelten, obliegt einem Rabbiner oder auch einer Kaschrut-Kommission.

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Kehilla (auch: Kehilla Kedoscha)

Bedeutet wörtlich "heilige Gemeinde" und ist eine traditionelle Bezeichnung für jüdische Gemeinde.

Ketubba

Bedeutet wörtlich "das Geschriebene". Ketubba ist eine Urkunde, in der ein Ehemann sich verpflichtet, im Falle der Scheidung oder seines Todes der Ehefrau eine festgelegte Summe auszuzahlen oder diese auszahlen zu lassen. Dieser Vertrag soll die Ehefrau vor leichtfertigen Scheidungsabsichten des Mannes schützen bzw. die Witwe sozial absichern. Der Vertrag wird öffentlich während der Hochzeitszeremonie verlesen, von zwei Zeugen sowie dem Ehemann unterschrieben und der Ehefrau übergeben. Auch die vertraglich vereinbarte Summe selbst wird als Ketubba bezeichnet.

Kiddusch ha-Schem

Bedeutet "Heiligung des g'ttlichen Namens" und bezeichnet das moralische Gebot für Juden, den Namen G'ttes und damit G'tt selbst durch ihre Handlungen zu ehren bzw. alles zu vermeiden, was Go'ttes Namen entwürdigen würde. So gilt im extremen Fall der Märtyrertod, den ein Mensch erleidet, weil er Jude ist und dies nicht verleugnen will, als Kiddusch ha-Schem. Auf den Alltag übertragen, soll Kiddusch Haschern zum Ausdruck bringen, dass Juden ein verantwortliches und rechtschaffenes Leben führen sollen, in dem insbesondere die Nächstenliebe eine wichtige Rolle spielt.

Kippa

Bezeichnet die Kopfbedeckung des Mannes, die beim Verrichten religiöser Handlungen sowie beim Studium der Schriften zu tragen ist. Die Kippa ist in der Regel eine kleine Kappe, die den Scheitel bedeckt.

Koscher (siehe auch Kaschrut)

Koscher und trefe (Definition im Sinne der Tora)

Die Jüdischen Speisegesetze, Kaschrut, in aschkenasischer Aussprache Kaschrus, sind Regelungen zur Zubereitung von Speisen, die im Tanach, der Hebräischen Bibel, danach im Talmud sowie im späteren rabbinischen Schrifttum festgelegt sind. Die Kashrut beschreibt nicht nur, welche Lebensmittel von einem gläubigen Juden als zum Verzehr geeignet betrachtet werden (etwa reine und unreine Tiere, wie im 3. Buch Mose beschrieben). Sehr detailliert wird auch auf Regeln der Zubereitung der Speisen sowie der Einrichtung von Küchen und der Handhabung von Utensilien, die mit Speisen in Berührung kommen, eingegangen. Die Jüdische Küche ist hauptsächlich durch diese Regeln bestimmt. Orthodoxe Juden ernähren sich ausschließlich von Lebensmitteln, die diesen Regeln entsprechen. Koscher bedeutet demnach "den religionsgesetzlichen Speisevorschriften entsprechend".

Wie in vielen anderen Kulturen auch, sind in der jüdischen Küche viele Speisen mit Feiertagen verbunden. So gehört der Tscholent zum Sabbat, die Matze und der Charosset zum Pessachfest.

Das eingekreiste U wird von der Orthodox Union zur Auszeichnung koscherer Lebensmittel verwendet. "Pareve" bedeutet, dass darin weder milchige noch fleischige Bestandteile enthalten sind. Lebensmittel und die aus ihnen hergestellten Speisen sind nach diesen Regeln entweder "koscher" – somit rein im Sinne der Tora (nicht im biologischen bzw. hygienischen Sinne) und damit essbar – oder "trefe" (auch "tame") und damit unrein. Von den Säugetieren sind nur solche als koscher zu betrachten, die zweigespaltene Hufe haben und Wiederkäuer sind (zum Beispiel Kühe). Damit ist beispielsweise Schweinefleisch als "trefe", das heißt als nicht koscher zu betrachten, da Schweine zwar gespaltene Hufe haben, aber nicht wiederkäuen. Ein anderes Beispiel für nicht koschere Tiere sind Kamele, die zwar wiederkäuen, aber keine (vollständig) gespaltenen Hufe haben.

Von den übrigen Tieren sind ferner Raubvögel und bei den Tieren im Wasser die ohne Flossen und Schuppen verboten (zum Beispiel der Aal). Unter dieses Verbot fällt damit beispielsweise der Stör, der keine Schuppen, sondern Platten hat, und damit auch der vom Stör stammende echte Kaviar, sowie sämtliche Wassertiere, die keine Fische sind, wie Hummer, Langusten, Muscheln, Tintenfische und Schnecken. Ebenfalls als "trefe" gelten sämtliche Reptilien, Frösche, Würmer, Muscheln, Schnecken, Spinnen, Insekten und Ähnliches – von vier in der Tora ausdrücklich als koscher genannten Heuschreckenarten abgesehen. Da sich heute jedoch nicht mehr feststellen lässt, welche Heuschreckenarten gemeint waren, gelten heute sicherheitshalber alle Heuschrecken als trefe.

Pflanzliche Lebensmittel gelten meist als koscher. Eine wichtige Ausnahme ist von Nichtjuden gekelterter Wein. Auch von Nichtjuden zubereitete Fertiggerichte gelten sicherheitshalber als nicht koscher. Eine regelmäßige Kontrolle des Herstellungsbetriebs durch einen Rabbiner und die Entzündung des Kochfeuers durch einen Juden (meist wird eine kleine, dauerhaft brennende Pilotenflamme verwendet) reichen aus, um diese Verbote aufzuheben. Während der sieben Tage des Pessach gelten weitere Regeln, die die Vermeidung aller Arten von Hefe und Sauerteig betreffen.

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Machsor (Plural: Machsorim)

Machsor bedeutet "Wiederholung". Machsorim sind mehrbändige Gebetbücher für die Feiertage.

Maskilim (siehe auch Haskala)

Heißt wörtlich "Aufgeklärte" und bezeichnet die Anhänger der jüdischen Aufklärung.

Mazza (Plura: Mazzot)

Sind ungesäuerte Brote aus Mehl und Wasser, die bei der Seder-Feier an Pessach gegessen werden.

Menora

Ist ein siebenarmiger Leuchter, der zu den ursprünglichen Tempelkultgeräten des Judentums gehört. Die Darstellung des Leuchters ist seit der Antike ein zentrales jüdisches Symbol, etwa auf Münzen und in Synagogen, später auch auf Toraschreinen. Seit der Gründung Israels 1948 ist die Menora ein offizielles Symbol im Wappen des Staates.

Mesusa

Mesusa, auch Mezuzah oder Mesusah, (Plural: Mesusot) bedeutet Türpfosten und bezeichnet eine Schriftkapsel am Türpfosten, welche im Judentum Bedeutung hat und Verwendung findet. Dieses geht auf mehrere Abschnitte in der Tora zurück:

"Du sollst die Worte, die ich dir heute sage, schreiben an die Pfosten deines Hauses und an deine Türe." 5. Moses 6,9 und 11,20

Demnach werden die entsprechenden zwei Abschnitte aus dem Schma von einem eigens dazu ausgebildeten Schreiber (Sofer) mit einem nichtmetallischen Schreibgerät (Federkiel) auf ein Pergament (Klaf) geschrieben, auf der Rückseite das Wort Schadaj (deutsch Allmächtiger), und aufgerollt in einen kleinen Behälter am Türpfosten angebracht. Die zum Schreiben verwendete metallfreie Tinte wird meist vom Sofer selbst aus Gallapfel, Kupfersulfat und Gummi arabicum hergestellt. Der Behälter kann aus Metall, Keramik, Holz, Glas, Stein oder Kunststoff hergestellt sein. Viele Mesusah-Behälter sind mit dem hebräischen Buchstaben Schin beschriftet. Dieses steht ebenfalls für Schadaj. Das Klaf wird regelmäßig kontrolliert und bei Beschädigung oder Verfärbung ausgetauscht.

In einem traditionellen jüdischen Haushalt befindet sich an jedem Türrahmen eine Mesusa (außer am Badezimmer bzw. der Toilette oder an Kellertüren und Abstellräumen). Die Mesusa wird in Armreichweite im oberen Drittel des (von außen gesehen) rechten Türpfostens geneigt angebracht, und zwar so, dass das obere Ende zum Raum zeigt. Dies entstand aus einer Diskussion unter den jüdischen Gelehrten, ob die Mesusa senkrecht (Meinung von Raschi) oder waagerecht (Meinung von Rabbenu Tam) anzubringen sei; als Kompromisslösung einigte man sich auf die geneigte Stellung.

Einer anderen Erklärung zufolge hängt die Mesusa schräg, um damit auszudrücken, dass nur G'tt die Dinge ganz richtig (gerade) machen kann, nicht aber die Menschen, deren Handlungen immer unvollständig (schief) bleiben. Außerdem gibt es die Vorstellung, die Mesusa ahme durch die Richtung des oberen Endes zum Raum hin die Neigung des Oberkörpers beim Eintreten in den Raum nach. Manche gläubige Juden küssen die Mesusa beim Betreten eines Raumes, indem sie die Fingerspitzen der rechten Hand an die Mesusa und dann zum Mund führen. Aus der Mitzwa der Mesusa haben sich auch säkulare Traditionen herausgebildet. Beispielsweise ist es üblich, dass die Anbringung der Mesusot mit einem Wohnungseinweihungsfest verbunden wird. Besonders schön gestaltete Mesusot sind dabei auch beliebte Geschenke.

Midrasch

Bezeichnet die Auslegung der Bibel durch Rabbiner, in der Antike vor allem als mündliche Tradition, später auch schriftlich. Das Wort ist abgeleitet von dem hebräischen Begriff darosch, das heißt "suchen, forschen".

Mikwe

Ist ein rituelles Tauchbad, das aus fließendem Wasser, meistens Grundwasser, gespeist wird. Mikwe bedeutet "Becken" oder "Brunnen". Der Besuch der Mikwe ist zu verschiedenen Anlässen vorgeschrieben, um sich rituell zu reinigen, bei verheirateten Frauen etwa nach Beendigung der Menstruation oder nach einer Geburt.

Mirthagim

Minhag bedeutet wörtlich "Brauch", Minhagim ist der Plural des Wortes. Die Minhagim sind traditionelle, überlieferte Bräuche einer Region, die nicht durch das Religionsgesetz (Halacha) vorgeschrieben sind.

Minjan

Bedeutet wörtlich "Zahl" und bezeichnet die Anwesenheit von mindestens zehn religionsmündigen Erwachsenen, nach traditionellem Verständnis ausschließlich Männer, um einen regulären G'ttesdienst abhalten zu können.

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Mitzwot (Gebote)

In der Tora sind zahlreiche Mitzwot (deutsch Gebote) an das jüdische Volk enthalten, welche von jedem Juden zu jeder Zeit beachtet werden müssen. Im Talmud wird die Zahl dieser Mitzwot mit 613 genannt, ohne diese näher aufzuzählen. Erst spätere Gelehrte haben in ihren Werken diese 613 Mitzwot fixiert (die Zehn Gebote sind ein Teil davon). Diese 613 Mitzwot teilen sich auf in 248 Gebote und 365 Verbote.

Mischna

Heißt wörtlich „Lernen, Wiederholung" und ist eine aus der Antike stammende Sammlung von Lehren, die die Grundlage des Talmuds bilden. Die Mischna ist in sechs Ordnungen gegliedert: die Gebete und Gesetze zur Landwirtschaft (Seraim, 2Saaten"), die Vorschriften zu den Fest- und Feiertagen (Moed, "Festzeiten"), die Ehe- und Familiengesetzgebung (Naschim, 2Frauen"), das Zivil- und Strafrecht (Nesikin, "Schädigungen"), die Opfer- und Schlachtbestimmungen (Koda-schim, "Heilige Dinge") und die Reinheitsbestimmungen (Toharot, "Reinheiten"). Insgesamt beinhaltet die Mischna 63 Traktate und 525 Kapitel.

Mohel

Der Mohel spielt bei der Brit Mila eine wichtige Rolle. Der Mohel streckt seine Hände über das Kind und spricht währenddessen ein Gebet aus, nach dem Gebet ist es soweit, der Mohel nimmt das Messer in die Hand und schneidet von dem männlichen Glied die Vorhaut ab. Die Vorhaut wird übrigens im hebräischen "Orla" genannt. Nach der Brit Mila werden zwei hebräische Wörter ausgesprochen. Das eine heisst Schkoiech (Bravo), das andere Mazel Tov (herzliche Gratulation). Zum Werkzeug gehört auch die Kleidung des Mohel. Der Mohel trägt weisse Kleidung, weil er als Malach (Engel G'ttes) angesehen wird, aber nur während der Brit Mila. Die Brit Mila-Werkzeuge müssen mit höchster Sorgfältigkeit behandelt werden. Wenn die Werkzeuge beschädigt werden, kann man keine Brit Mila ausführen, bis der Mohel Ersatz hat oder die Werkzeuge zur Reparatur geschickt und heil wiederbekommen hat.

Mussar-Bücher

Mussar bedeutet "Moral". Mussar-Bücher sind belehrende Schriften über Ethik und Lebensführung (unter anderem Erziehungsfragen, Familienleben, Gesundheitspflege).

Parrtass (Plural Parnassim)

Heißt wörtlich "Verpfleger" und bezeichnet einen Gemeindevorsteher.

Pogrom

Ist ein russisches Wort für "Massaker, Verwüstung" und bezeichnet eine gewalttätige Verfolgung einer Minderheit mit Plünderungen und Morden durch eine aufgebrachte Gruppe von Menschen. Seit den mittelalterlichen europäischen Judenverfolgungen diente der Begriff Pogrom vor allem zur Bezeichnung für Massenausschreitungen gegen Juden. Die Verfolgung deutscher Juden am 9. November 1938 in Deutschland und die Zerstörung vieler Synagogen wird als "Reichspogromnacht" bezeichnet.

Rabbiner

Ist ein aus dem lateinischen Wort rabbinus und dem hebräischen Wort Raw/Rabbi abgeleitetes Wort, das "Meister" oder "mein Lehrer" bedeutet. Dieser Titel wurde bis zur Moderne einem Gelehrten verliehen, der Recht sprechen und über religiöse Fragen entscheiden konnte. Seit dem ip. Jahrhundert gehörte eine universitäre Bildung zunehmend zu einer Rabbinerausbildung in Westeuropa dazu, und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden eigene Ausbiidungsseminare für Rabbiner, so 1854 in Breslau oder 1872 in Berlin. Ein Rabbiner wird von der Gemeinde angestellt und für seine Tätigkeit bezahlt.

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Schema israel (auch: Sch'ma israel)

Beginn des täglichen Morgen- und Abendgebetes: "Sch'ma Israel adonai elohenu adonai echad", übersetzt: "Höre Israel, der Ewige, unser G'tt, der Ewige ist einzig." Dieses Gebet drückt ein zentrales Prinzip der jüdischen Religion aus, den Glauben an einen einzigen G'tt.

Schoah (auch: Shoah)

Ist ein hebräisches Wort, das Katastrophe oder Zerstörung bedeutet. Schoah bezeichnet ursprünglich Judenverfolgungen und Pogrome, wird aber seit dem Zweiten Weltkrieg vor allem als Begriff für den millionenfachen Mord europäischer Juden durch das nationalsozialistische Regime benutzt. Der nationale Gedenktag für die Opfer des Völkermordes in Israel heißt Jom haShoah. Der Film von Claude Lanzmann über den Völkermord mit dem Titel "Shoah" (1985) machte diesen Begriff in Westeuropa und den USA bekannt.

Schofar

Ist ein gekrümmtes Blasinstrument, das aus dem Horn eines Widders oder einer Antilope gefertigt wird. Ursprünglich wurde das Instrument wohl für den Kriegsdienst verwendet, zusätzlich auch beim G'ttesdienst. Das Schofarblasen spielt insbesondere beim Neujahrsfest (Rosch ha-Schana) und am Versöhnungstag (Jom Kippur) eine Rolle.

Schtetl

Ist ein jiddisches Wort, das Städtlein bedeutet. Als Schtetl werden kleine jüdische Siedlungen in Osteuropa vor dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet, in denen sich Juden unter dem Schutz des Herrschers ansiedeln und ihre Religion frei ausüben durften. Die meisten dieser Kleinstädte, die zwischen 1000 und zo 000 Einwohner haben konnten, lagen in Galizien, in der Ukraine, in Weißrussland und Litauen. Im Schtetl, abgeschlossen von der Umwelt, blühte die ostjüdische Kultur und Lebensweise. Die Bewohner sprachen meist Jiddisch, lebten streng gemäß den religiösen Vorschriften und arbeiteten als Handwerker, Händler oder Tagelöhner in sehr ärmlichen Verhältnissen. Die Armut im Schtetl sowie die feindliche, oft gewalttätige Umwelt waren zentrale Motive für die Auswanderung vieler Familien nach Übersee im 19. Jahrhundert.

Seder

Heißt wörtlich "Ordnung" und bezeichnet den häuslichen Familieng'ttesdienst, der an den beiden ersten Abenden des Pessachfestes stattfindet. Das Sedermahl wird begleitet von der Verlesung der Pessach-Haggada, in der die Geschichte des Auszugs aus Ägypten erzählt wird. Als Festsymbole dienen die Mazzot, bittere Kräuter, die an die Bitternis der Gefangenschaft erinnern sollen, ein Mus aus Wein, Äpfel und Nüssen, das symbolisch den bei der Zwangsarbeit in Ägypten verwendeten Ton und Lehm vertritt, Salzwasser und Petersilie oder Sellerie, wobei das Salzwasser die Tränen in der Gefangenschaft repräsentiert und die Petersilie eine Frucht der Erde, sowie schließlich ein Ei (und teilweise auch ein Knochen) als Symbol für ein Festopfer. Diese Speisen werden in einer festgelegten Reihenfolge verzehrt.

Sefarad/Sefardim

Sefarad ist eine Länderbezeichnung aus der Bibel, die als Spanien identifiziert wurde. Sefardim sind spanische und portugiesische Juden, die seit 1492. zur Auswanderung gezwungen wurden, sowie deren Nachkommen. Die Sefardim haben wie die Aschkenasim einen eigenständigen Ritus und bilden selbstständige Gemeinden.

Synagoge

Bezeichnet ursprünglich im Griechischen eine Versammlung oder Gemeinde, seit der Antike ist damit aber auch eine Versammlungsstätte im Sinne eines Gebetshauses gemeint. In romanischen und slawischen Ländern wurde das Gebetshaus als Tempel bezeichnet, im mittelalterlichen Deutschland als Schul oder Schule. Die Synagoge war und ist aber nicht nur ein Gebetshaus, sondern oft auch ein Gemeindezentrum. In kleinen Gemeinden dienten auch private einzelne Räume als Synagogen, nur große Gemeinden konnten es sich leisten, eigene Synagogen zu bauen. Je nach Region und Zeit entstanden dabei verschiedene Stiirichtungen im Synagogenbau. Zu den Einrichtungsgegenständen gehören immer der Toraschrein (siehe Aron ha-Kodesch), ein Vorlesepult (siehe Bima) sowie Bänke für die männlichen Gemeindemitglieder. Die Frauen nehmen auf einer Empore Platz.

Takkanot

Sind verpflichtende, rechtliche Verordnungen, die die sozialen, religiösen, moralischen und finanziellen Belange einer Gemeinde regeln. Verstöße gegen die Takkanot konnten bestraft werden, unter anderem mit Geldstrafen oder im schlimmsten Fall auch mit dem Bann. Takkanot sind die Vorläufer der seit dem 19. Jahrhundert aufgestellten Gemeindestatuten.

Tatüt

Ist ein viereckiges Tuch, das als Gebetsmantel und als Totenhemd dient.

Talmud

Bedeutet wörtlich "Belehrung" oder auch "Studium". Talmud bezeichnet die schriftliche Fassung der Lehre und der gesetzlichen Vorschriften des nachbiblischen Judentums, das aus zwei Teilen besteht (siehe Mischna und Gemara). In der Mischna sind die Lehren gesammelt, in der Gemara ("Vollendung" oder "Vervollständigung") folgt die Interpretation. Die Auslegungen erfolgten vor allem in Babylonien bis zirka 500. n. Chr. Der sogenannte Babylonische Talmud hat sich gegenüber dem wohl lückenhaften palästinischen Talmud (auch Jerusalem-Talmud) als verbindlich durchgesetzt.

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Talmud-Tora-Schule

Ist eine traditionelle jüdische Elementarschule, in der Jungen Unterricht über die Bibel, die Liturgie, den Talmud und das Hebräische erhalten, entsprechend der talmudischen Bestimmung, dass jeder Junge und Mann sich täglich mit religiösen Fragen beschäftigen soll. Die ersten Talmud-Tora-Schulen waren reine Religionsschulen, in späteren Zeiten entwickelten sie sich zu Gemeindeschulen, in denen alle Fächer der Volksschule und die religiösen Fächer unterrichtet wurden. Die Talmud-Tora-Schule in Hamburg etwa wurde 18Z2, Volksschule, 1850 dann Bürgerschule und 1869 Realschule.

Tefilin

Sind Gebetsriemen, an denen lederne Kapseln befestigt sind, die Abschnitte aus der Tora enthalten. Die Tefil-lin werden beim Morgengebet auf dem linken Arm und auf der Stirn angelegt.

Tora/Thora

Bedeutet "Lehre" und ist im weitesten Sinne die Bezeichnung für die Lehre des Judentums, im engeren Sinne für die fünf Bücher Mose (Pentateuch). In der Synagoge werden die Bücher Mose, die als Handschrift auf einer Pergamentroile geschrieben sind und in einer besonderen Lade (siehe Aron ha-Kodesch) verwahrt werden, während eines Jahres im G'ttesdienst verlesen. Zum Toraschmuck gehören auch Aufsätze für die Torarolle, die Rimonim, Singular: Rimon

Zaddik (auch: Zadik)

Bezeichnet einen vollendeten Frommen bzw. einen "Gerechten". Im Chassidismus gilt der Zaddik auch als Führer, "Erlöser" oder Wundertäter. Der Glaube an den Zaddik, an sein Charisma, war das verbindende Element der chassidischen Bewegung.

Zion/Zionismus

Zion ist ursprünglich der Name eines Hügels in Jerusalem, auf dem sich später der Tempelbezirk befand. In Literatur und Dichtung war Zion vor allem eine Bezeichnung für Jerusalem und später für das ganze „Heilige Land". Mit dem Zionismus des 19. Jahrhunderts entstand aus der religiösen Hoffnung auf Rückkehr nach Zion eine moderne Nationalbewegung, die das jüdische Volk als Nation begriff, die es zu einen und mit einem eigenen Staatsterritorium zu versehen galt.

Quellenwerk: Die Geschichte der Juden in Deutschland, Aron Herzig. Hamburg 2007


Andreas Jordan, August 2008

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