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Eröffnung der neuen Synagoge in Gelsenkirchen

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Die Jüdische Zeitung schreibt:

Am 1. Februar wurde in Gelsenkirchen die neue Synagoge eingeweiht, am Ort der ersten Synagoge, die 1885 errichtet und 1938 im Novemberpogrom in Brand gesteckt worden war. Bis zum Zuzug der Zuwanderer aus der früheren Sowjetunion war die kleine jüdische Nachkriegsgemeinde in einem provisorischen Betraum untergekommen. Inzwischen zählt die Gemeinde aber über 430 Mitglieder und es brauchte dringend einen Neubau, für den 2004 der Grundstein gelegt wurde.

Die Baukosten von 5,2 Millionen Euro tragen zu jeweils einem Drittel die Gemeinde, die Kommune und das Land. Zu den Ehrengästen, die am Festakt teilnahmen, zählten neben dem Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Diese wies darauf hin, dass sowohl der Bau einer Synagoge als auch der Zuzug osteuropäischer Juden nach Deutschland an sich Zeichen des Vertrauens in die Bundesrepublik seien.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Berliner Gruppe «Klezmer Chidesch». Dass das neue Gemeindezentrum und auch die Jüdische Gemeinde selbst in Gelsenkirchen auf großes Interesse stoßen, bewies der große Andrang beim Tag der offenen Tür.

Das neue Gemeindezentrum mit einer Fassade aus hellem, italienischen Muschelkalk bietet neben der eigentlichen Synagoge Platz für einen Gemeindesaal für 200 Personen, Räume für Kinderbetreuung und Unterricht, eine Bibliothek, eine koschere Küche sowie vier Sozialwohnungen. Nun geht es darum, das neue Haus auch mit religiösem Leben zu füllen. Ein Rabbiner fehlt der wachsenden Gemeinde aber noch und die Synagogenausstattung ohne Orgel und mit getrennten Bankreihen für Frauen sowie die bei der Eröffnung anwesenden Rabbiner deuten darauf hin, dass die Gemeinde sich für eine orthodoxe Ausrichtung entschieden hat: anwesend waren Rabbiner Avichai Apel, Rabbiner Julian Chaim Soussan und Rabbiner Netanel Teitelbaum sowie der Antwerpener Rabbiner Abraham Malinsky, der auch schon die Grundsteinlegung begleitet hatte. Die Rabbiner gestalteten den religiösen Teil mit kurzem Schacharit und Toralesung im bisherigen Betsaal und das Einheben der Tora in der neuen Synagoge, in der sich historische Zeremonialobjekte mit modernen architektonischen Formen verbinden.

Vor dem Gebäude befindet sich das Kunstwerk "Fünf-Flügler" von Jörg Wiele, im Eingangsbereich die Auftragsarbeit "Heimkehr" von Jürgen Marose. Für Projektleiterin Judith Neuwald-Tasbach, deren verstorbener Vater Kurt Neuwald wesentlich zum Aufbau der Nachkriegsgemeinde beigetragen hatte, endet mit der Eröffnung eine wichtige Phase, doch die Aufbruchstimmung hält für sie an: bei den Gemeindewahlen will sie für den neuen Vorstand kandidieren.

Quelle: Jüdische Zeitung, März 2007


Andreas Jordan, März 2007

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