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Der feine Herr Ratzinger

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Annuntio vobis gaudium magnum habemus papam oder der feine Herr Ratzinger

Erst waren wir alle Papst - sind wir jetzt alle Holocaustleugner?

Ja ja, der feine Herr Ratzinger. Er hat sich ja ganz schön hochgearbeitet, der Herr Ratziger aus Bayern. Zuerst war er Bischof, dann Leiter der Glaubenskongregation. Die Glaubenskongregation hat die Aufgabe, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganze katholischen Kirche zu fördern und zu schützen. Das ist fast so wie die Einhaltung der Schulordnung. Und der Herr Ratzinger hat Abweichler, die nicht der reinen Lehrer der einzig wahren Kirche verpflichtet waren, gerichtet, verfolgt und angeprangert. Das ist so, als wenn euer Lehrer die Störer und Zwischenrufer dazu verdonnert, in der großen Pause im Klassenzimmer zu bleiben. Ist ja auch wichtig, denn eine Kirche kann ja nur funktionieren, wenn man ein paar einfache Regeln aufstellt und Unzucht schon im Keim erstickt. Hört sich komisch an, ist aber so.

Ja, und dann ist der feine Herr Ratzinger irgendwann mal Papst geworden. Das war schon ein tolles Ereignis, habt Ihr bestimmt auch im Fernsehen gesehen. Die ganze Welt saß gespannt vor dem Fernseher oder lungerte auf dem Petersplatz ‘rum, bis endlich weißer Rauch aus dem Kamin kam. Der Petersplatz ist wie ein großer Schulhof und liegt in Rom. Die Schule dort heißt “Vatikan”. Da wohnt er, der Herr Ratzinger. Und am nächsten Morgen konnten unsere Eltern in der Zeitung lesen: “Wir sind Papst”.

Ihr seit also garnicht Papst, sondern nur die, die schon Zeitung lesen können. Und deshalb seit ihr auch keine Holocaustleugner. Da habt Ihr aber nochmal Glück gehabt, denn das Leugnen des Holocaust ist in Deutschland verboten. Die Freude war riesengroß, dass so ein großer Gelehrter mit einer so großen Mütze aus Deutschland zum Vertreter Gottes auf Erden gewählt wurde. Gott hat allerdings niemand gefragt, ob er sich vom dem feinen Herrn Ratzinger vertreten lassen will.

So verbrachte der feine Herr Ratzinger die letzten Jahre damit, in Universitäten Aufsätze vorzulesen und andere Religionen zu diskreditieren, Homosexualität als Werk des Teufels zu bezeichnen, welche Gottes Werk zerstört sowie Menschen in armen Ländern dazu zu animieren, HIV in ihr Land und in den Rest der Welt zu tragen. Das braucht Ihr jetzt noch nicht zu verstehen, haben eure Eltern auch nicht alle verstanden. Das scheint er, der feine Herr Ratzinger, 2006 wohl zum Teil zurückgenommen zu haben. Hört sich auch komisch an, ist aber so.

Der feine Herr Ratzinger hat nun einige Bischöfe wieder in die Kirche aufgenommen. Feine Herren wie der feine Herr Ratzinger. Nur das diese feinen Herren u.a. den Holocaust leugnen. Oder denen der heutige Vatikan viel zu modern ist. Und deshalb regen sich die Leute jetzt auf. Nicht alle, aber sehr sehr viele.

Und was sagt der feine Herr Ratzinger dazu, das jetzt so viele Menschen auf ihn sauer sind? Nix, denn er hat ja alles richtig gemacht. Sagt er, der feine Herr Ratzinger. Und entschuldigen will er sich auch nicht. Hört sich komisch an, ist aber so.

Andreas Jordan, Februar 2009

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