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1909-2009: 100 Jahre Deganyah (Degania) Aleph

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Deganyah Aleph - ältester Kibbutz Israels

100 Jahre Degania Aleph

Der Gründung des ältesten Kibbutz erfolgte 1909 durch die World Zionist Organization (WZO). Einer der Pioniere von Deganyah, Joseph Baratz, beschreibt die frühen Jahre ab der Gründung 1909 in seinem Buch "Dagania", erschienen 1931. Im Oktober 1910 fand die Übersiedlung der Chaverim aus dem Provisorium Umm Dschuni in die erste Wohnhütte der Kvutzah statt, so wird als Gründungsjahr in verschiedenen Quellen auch das Jahr 1910 angegeben. Für die hier veröffentlichte Dokumentation hat uns der Zeitzeuge Joseph P. Krause, geboren in Gelsenkirchen-Schalke, aus der Generation der Söhne und Enkel der Siedler am Jordan und der Staatsgründer, freundlicherweise Notizen und Dokumente aus seiner Zeit in Degania Aleph zur Verfügung gestellt.


Inhaltsverzeichnis

→ Einleitung: Kurzbericht des Zeitzeugen Joseph P. Krause

→ Joseph Baratz: Dagania, 1931

→ Miryam und Joseph Baratz

→ Dr. Eugen Yitzchak Neter

→ Ehepaar Ya'aqov Berkovitch und Miryam (Irma) Singer

→ Warum gelang in Israel, was in der Sowjetunion scheiterte?


Geschichte zweier Orte

Tel Aviv und der Kibbutz Degania wurden zur selben Zeit geboren, vor 100 Jahren; doch gibt es einen großen Unterschied zwischen ihnen. Das Schlüsselwort für Tel Avivs Pioniere war "wie" - ihr Traum war es, eine Stadt zu bauen, die so schön sein würde wie Lodz, mit einem großzügigen Casino wie in Basel und mit den gleichen Spitzendienstleistungen wie die in Beirut.

Das Schlüsselwort für Deganias Pioniere war "anders". Sie wollten, dass ihre Kommune auf etwas beruht, das anders ist als alles in der Geschichte. Sie wollten alles verändern, selbst die Struktur der Familie. Sie sprachen darüber, und sie handelten danach; auf alle Fälle versuchten sie es. Selbst wenn sie von einer Krise nach der anderen ermattet wurden, fuhren sie damit fort, die Dinge anders zu machen.

Als sie ihren 25. Geburtstag feierten, war Tel Aviv eine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern. Degania zählte weniger als 100. Die Feierlichkeiten bezeichneten damals Tel Avivs Erfolg. Es war nicht so schön wie Krakau, aber es hatte ein Casino, ein Orchester und ein Theater. Die Qualität des öffentlichen Dienstes war nicht die beste und die hebräische Erziehung stand vor Problemen, aber es gab Grund stolz zu sein.

Tel Aviv war sehr viel angenehmer als Whitechapel, wo sich die jüdischen Einwanderer aus Russland sich scharten, die London der Weißen Stadt vorzogen, Tel Aviv war auch viel dynamischer als Haifa, was Herzl als Hauptstadt des jüdischen Staates vorgesehen hatte, und sauberer als Jerusalem, von wo die Bewohner schon damals nach Tel Aviv flohen.

Die Idee, die die Grundlage für die Gründung von Degania bildete, führte innerhalb von 25 Jahren zu Dutzenden von anderen Kommunen, die sich zur Kibbutz-Bewegung entwickelten. Diese Kibbutzim waren der Gürtel, der dem Territorium des jüdischen Staates Form gab. Der Mossad Le'aliyah Bet, die Behörde, die Juden illegal ins Land brachte, rekrutierte über die Jahre 250 Menschen. Die meisten waren Kibbutz-Mitglieder. Nur wenige kamen aus Tel Aviv.

Zeev Tzahor (Botschaft des Staates Israel, Newsletter vom Freitag, 24. April 2009)


Andreas Jordan, Mai 2010

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