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Alte Synagoge Gelsenkirchen wird Begegnungsort und Dokumentarstätte


Ein Stück Normalität

Begegnugsort und DokumentationsstätteBild: Die alte Synagoge an der Von-der-Recke Strasse, hier wird die Dokumentarstätte eingerichtet.


Die Alte Synagoge wird jetzt zum Begegnungsort und zur Dokumentarstätte umgebaut. Das Architektenduo Christfreund und Mihsler beginnt in Kürze mit dem Umbau. Die Gesamtinvestition beträgt 130.000 Euro, davon übernimmt das Land immerhin 104.000 . Dadurch ist die zügige Restaurierung nebst Umbau der Alten Synagoge im Haus an der Von-der-Recke-Straße sofort möglich. Die Architekten Reinhard Christfreund und Benedikta Mihsler können mit der Maßnahme beginnen. Diese frohe Botschaft übermittelte gestern in der Neuen Synagoge Regierungspräsident Peter Paziorek aus Münster. Judith Neuwald-Tasbach als Vorsitzernde der jüdischen Gemeinde sprach von "einem sehr emotionalen Moment" für sie und alle Gemeindemitglieder: "Für uns war das Gebäude seit 1958 die neue Heimat. Ich habe immer die Menschen für ihren Mut bewundert, dieses Gemeindezentrum nach der schrecklichen NS-Zeit einzurichten und auf Dauer existieren zu lassen. Daran hat mein Vater Kurt Neuwald großen Anteil. Aber es blieb lange nur ein nur ein Provisorium für unsere Bemühungen, hier wieder Fuß zu fassen."

Das Jüdische Museum in Dorsten wurde in die Umbaupläne bereits einbezogen. Sie sehen vor, den Gebetssaal im "historischen Kleid" unverändert zu bewahren - als Zeit-und Architekturdokument. Er werde künftig als Begegnungsstätte für den interreligiösen Dialog genutzt, so Judith Neuwald-Tasbach. Andere Räumlichkeiten gelten einer Ausstellungshalle, Büroräumen (in die voraussichtlich die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit einziehen wird) und kleineren Funktionseinrichtungen.

Die beteiligten Architekten, die auch für den Bau der Neuen Synagoge verantwortlich waren, wollen "möglichst schnell" mit den Arbeiten beginnen. "Zumindest bis zum Kulturhauptstadtjahr 2010 sollen sie abgeschlossen sein. Vielleicht schaffen wir es aber auch, schon 2009 die Räume der Jüdischen Gemeinde und der Gelsenkirchener Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen."

Paziorek, der die "Verbindung von Kultur, Religion und jüdischem Alltag" als Kennzeichen für das Nutzungskonzept hervorhob, sagte spontan seine Teilnahme an der Eröffnung zu. "Die Bevölkerung sollte dieses offene Haus bewusst und herzlich annehmen." Auch dies sei ein Stück für den Weg einer deutsch-jüdischen Normalität.

Quelle: WAZ Gelsenkirchen, Hans Jürgen Loskill

Ein Haus für den Dialog

Erst am 29. Juni 2008 wurde in einem Festakt an den 50. Jahrestag für die Einweihung der ehemaligen Synagoge an der Von-der-Recke-Straße gedacht. Sie war und blieb zwar ein wichtiger Ort für die jüdische Gemeinde, doch er wurde eigentlich nur als Provisorium akzeptiert. Eine Bücherei und ein Schulungsraum ergänzten den Gemeindesaal. Im Februar 2007 wurde das neue Gemeindezentrum auf dem Platz der im Krieg niedergebrannten Synagoge eröffnet. Das alte Zentrum wird mit neuem Leben gefüllt: als Haus des interreligiösen Dialogs.

Quelle: WAZ Gelsenkirchen, 15. August 2008

Andreas Jordan, August 2008