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Die Jungritterschaft St. Martin in Gelsenkirchen-Schalke 1950-1953


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Berichte aus "Am Scheideweg"

Am Scheideweg, Ausgabe November 1952

Bild: Titelblatt "Am Scheideweg", Ausgabe November 1952

St. Martins-Fackelzug und - Jungen helfen Kindern

"... und bitten um eine fette Gabe für die fetthungrigen Kinder der Ostzone", so erscholl im Abenddunkel bei Fackelschein ein Kinderruf nach Absingen eines Segenswunschliedes vor jedem Haus unserer Gemeinde. Noch hatte niemand von uns Kindem daran gedacht, als wir, froh und munter das schöne Martinslied singend, dem Reitersmann St. Martin mit brennenden Fackeln das Geleit gaben und zum ersten Male sahen, wie ein Bettler am Wege den halben Mantel eines edlen Menschen als Gabe erhielt. Ganz plötzlich hieß es, als wir uns schon heimwärts begeben wollten, wir sollten vor den Häusern für die Ostzonenkinder singen und bitten. Schnell war ein kleines Lied eingeübt mit einem Bittruf. Zuerst machten wir es zaghaft. Als wir aber sahen, daß wir von niemand abgewiesen wurden, gingen wir mutiger und froher ans Werk. Voll Stolz konnten wir noch am Abend beim Gemeindeschreiber viel mehr Fett und Geld für die armen Kinder der Ostzone abliefern, als wir erhofft hatten.

Am nächsten Morgen erfuhren wir in der Schule, daß ein elfjähriger Ministrant unseren Lehrer erst beim Fackelzug auf den Gedanken brachte, wir könnten eigentlich nach dem Umzüge eine Sammlung veranstalten. Und dieser Ministrant hatte es erst am gleichen Tage in unserem "Am Scheidewege" gelesen, wie es die katholische Jugend von Gelsenkirchen-Schalke gemacht hatte im Anschluß an den St.-Martins-Fackelzug. So haben wir Kinder im Süden, am Fuße des Steigerwaldes, es den Kindern am Rhein nachgemacht und können jetzt einigen Kindern von Eisenach mit unseren gesammelten Gaben helfen. Das war ein schöner, froher Tag! Und bisher hatten wir vom Sankt Martin doch gar nichts gewußt. Wären doch alle Menschen so, wie er gewesen ist!

Friedolin Nicklaus, 13 Jahre


St. Martins-Tag

Am Scheideweg, Ausgabe November 1952Am Scheideweg, Ausgabe November 1953

Bilder: Titelblatt "Am Scheideweg", Ausgabe November 1953. Rechts: Ein Sternsinger

Die Jungen von Gelsenkirchen hatten an diesem Tage St. Martin zu Ehren einen Fackelzug mit 5.000 Kindern veranstaltet. Dabei wurden für die Ostzonenkinder fleißig Lebensmittel gesammelit. Das lasen die Buben im Süden aus dem Steigerwald im Scheideweg und machten es mit viel Freude und Erfolg nach, obwohl dort der St.-Martins-Zug bisher nicht Brauch war. Wollt nicht auch ihr das gleiche in eurem Ort versuchen ?

Andreas Jordan, Dezember 2008

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